DAS KOLPINGMUSEUM IN KERPEN

VON DER SCHUSTERKUGEL ZUM KOLPING-K

Das Kerpener Kolpingmuseum beleuchtet Adolph Kolpings außergewöhnliche Lebensgeschichte.
Das Kerpener Kolpingmuseum beleuchtet Adolph Kolpings außergewöhnliche Lebensgeschichte.
In Deutschland gibt es über 1.000 Kolpingstraßen und -plätze, aber nur eine Kolpingstadt. Seit wenigen Jahren darf sich das rheinische Kerpen offiziell so nennen, wo Adolph Kolping 1813 zur Welt kam. Den Namen des "Gesellenvaters" hat fast jeder schon gehört, weniger bekannt ist jedoch die außergewöhnliche Lebensgeschichte des Schäfersohns und Schusters, der erst mit Mitte zwanzig aufs Gymnasium ging. Seinen Weg zum bedeutenden Sozialreformer, der vor genau 25 Jahren seliggesprochen wurde, schildert das Kerpener Kolpingmuseum. Ein Blick in die Glaskugel gehört mit zum Rundgang.

Nein, die Kerpener Glaskugel taugt nicht zur Wahrsagerei, sie führt uns aber zurück in Kolpings frühe Jahre als Schuhmacher. Denn es handelt sich um eine "Schusterkugel", einen Glasballon, der das Licht am Arbeitsplatz bündelte und so handwerkliche Tätigkeit auch in der Dämmerung ermöglichte. Für Kolping war das jedoch – um im Bild zu bleiben – nicht erhellend genug, denn er strebte trotz seiner einfachen Herkunft nach höherer Bildung und lernte in seinen freien Stunden sogar Latein. Mit Erfolg: 1837 nahm ihn das Kölner Marzellengymnasium auf, wo der 24-Jährige damals auf zehn Jahre jüngere Mitschüler traf. Ab 1841 folgten ein Studium in München und Bonn und danach das Priesterseminar in Köln. Die Welt der Handwerker verlor Kolping trotzdem nie aus den Augen.

Gesellen in Not

Ausstellungsstücke und Dokumente erinnern an die Zeit Kolpings.
Ausstellungsstücke und Dokumente erinnern an die Zeit Kolpings.
Im 19. Jahrhundert war an die Stelle des Zunftwesens, das jahrhundertelang die Zulassung zu den Handwerksberufen reglementiert hatte, das Prinzip der Gewerbefreiheit getreten. Das bedeutete zwar das Abschütteln vieler überkommener Traditionen, doch gerade für wandernde Gesellen wurden die Dinge dadurch nicht immer leichter. Viele Meister betrachteten sie jetzt vor allem als billige Arbeitskräfte. Armut und Heimatlosigkeit waren oft die Folge: "Keine Hoffnung ist Wahrheit geworden", klagte etwa ein Gesellenlied um 1840: "Statt in Betten in Wäldern gebettet, oh, ich hatte nur wenige Ruh. Und so hab ich in der Fremde nichts gerettet als die Hosen und zerrissene Schuh."

Schon damals zog sich Kolping in jeder freien Minute zurück, um zu lesen.
Schon damals zog sich Kolping in jeder freien Minute zurück, um zu lesen.
Adolph Kolping kannte solche Not aus eigener Anschauung. Noch mehr hatten ihn während seiner Schusterzeit allerdings die vielen Fälle von Trunksucht und innerer Haltlosigkeit unter seinen Mitgesellen entsetzt. Die Gewerbefreiheit erzeugte seiner Ansicht nach zunehmend eine Art "Vogelfreiheit", und er fürchtete überdies den Einfluss kirchenfeindlicher Strömungen auf Arbeiter und Handwerker. In Elberfeld, wo er ab 1845 als Kaplan tätig war, begeisterte ihn daher eine Initiative des Lehrers Johann Gregor Breuer – eine Vereinsgründung, die jungen Handwerkern Bildung, Gemeinschaft und Religion vermitteln sollte. Kolping entwickelte daraus eine Programmatik, die ihn zum eigentlichen Vater dieser Idee werden ließ. 1849 rief er in Köln selbst einen Gesellenverein ins Leben, der drei Jahre später ein Haus für Freizeit-, Bildungs- und Herbergszwecke einrichten konnte – die Keimzelle der Kolpinghäuser.

Seligsprechung

In den folgenden Jahren warb Kolping auf Reisen, bei Vorträgen und als Publizist für seine Vorstellungen und wurde so zu einem wichtigen Vorreiter der katholischen Soziallehre. Als er 1865 starb, gab es in Europa und Nordamerika bereits über 400 Gesellenvereine mit fast 25.000 Mitgliedern. Heutzutage versteht sich das Kolpingwerk als wichtiger Akteur in der Sozial- und Familienpolitik sowie auch der Entwicklungszusammenarbeit. Es baut dabei in über 60 Ländern auf Selbsthilfe, Bildung, ländliche Entwicklung und internationale Begegnungen. Seinem Gründungsvater ist es bis heute verbunden geblieben und hat den Anfangsbuchstaben seines Nachnamen als schwarz-oranges "Kolping-K" zum Markenzeichen gemacht. Riesig war der Jubel bei den Kolpingfamilien, als ihr Nestor am 27. Oktober 1991 durch Johannes Paul II. seliggesprochen wurde. Zu Ehren des Mannes, dessen Lebenswerk im Licht einer Kerpener Schusterkugel begonnen hatte, zelebrierte der Papst damals vor über 100.000 Menschen eine Messe unter strahlender römischer Sonne.
Bibel und Buchstabenturm: Kolping, Kerpen, Köln

Adolph Kolping. Der spätere Gesellenvater kam aus einfachen Verhältnissen. (Foto: Kolping International)
Adolph Kolping. Der spätere Gesellenvater kam aus einfachen Verhältnissen. (Foto: Kolping International)
Seit rund 50 Jahren ist das Kolpingmuseum in einem kleinen Anbau am Geburtshaus des Gesellenvaters untergebracht. 2013 neu gestaltet, zeigt es neben der Schusterwerkstatt Gegenstände aus dem Nachlass, so eine Bibel von 1780, die in einem versteckten Fach lag. Dokumente und Medien veranschaulichen Kolpings Leben. Die Besichtigung (auf Anfrage) ist kostenlos. Kolpings Spuren begegnet man auch anderswo in Kerpen, etwa in der Martinuskirche, wo er getauft wurde und seine erste Messe als Priester feierte.
Das Museum, das viele persönliche Gegenstände zeigt, ist in einem kleinen Anbau an seinem Geburtshaus untergebracht.
Das Museum, das viele persönliche Gegenstände zeigt, ist in einem kleinen Anbau an seinem Geburtshaus untergebracht.
Markant: 2009 errichtete der Künstler Hermann-Josef Baum in einem Kreisverkehr einen zwölf Meter hohen Turm aus fünf "Kolping-K". Wer gut zu Fuß ist, kann vom Kerpener Marienfeld – bekannt durch den katholischen Weltjugendtag 2005 – über den durch Stelen markierten "Adolph Kolping-Pilgerweg" bis nach Köln wandern. Diese 27 Kilometer ging Kolping selbst oft. In der Kölner Minoritenkirche, deren Rektor er war, findet man sein Grabmal.

Stand der Angaben: 2016 / Nr. 2


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Das Kolpingwerk e. V. konnte mithilfe der NRW-Stiftung die Fassade des Geburtshauses von Adolph Kolping und des angrenzenden Museumsgebäudes in Kerpen sanieren. Adolph Kolping wurde 1813 in Kerpen geboren. Heute ist das Internationale Kolpingwerk in über 60 Ländern aktiv. Das Kolping-Geburtshaus und der Anbau mit der ständigen Ausstellung über Leben und Werk Kolpings gehören zum kulturellen Erbe des Kolpingverbandes.

www.stadt-kerpen.de

Googlemap aufrufenKolpingmuseum Kerpen
Obermühle
50171 Kerpen
www.stadt-kerpen.de

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