NATURSCHUTZGEBIET DROVER HEIDE

WENN HEIDE IHREN WINTERMANTEL TRÄGT

Die Hauptblüte der Besenheide fällt in Spätsommer und Herbst. Dann prägt das Violett besonders den Norden der Drover Heide.
Die Hauptblüte der Besenheide fällt in Spätsommer und Herbst. Dann prägt das Violett besonders den Norden der Drover Heide.
Die klassische Jahreszeit für den Spaziergang durch eine Heide ist der Sommer, wenn weite Flächen im Rotviolett der blühenden Besenheide zu leuchten beginnen, Insekten summen und die Stimmen von Dorngrasmücke, Baumpieper oder Schwarzkehlchen zu hören sind. Aber auch die leisen Töne und gedeckten Farben der winterlichen Landschaft haben ihren Reiz. Statt frischen Grüns und bunten Blütenmeers herrschen das Dunkelbraun kahler Sträucher, das Weiß der Birkenstämme und das Ockergelb verdorrter Gräser.

Die Vegetation bietet Tieren jetzt zwar weniger Deckung, aber wer im Winter beispielsweise Vögel beobachten will, braucht dennoch Geduld und ein gutes Auge, denn der größte Teil der Arten ist in den Süden gezogen. Die wenigen, die in einem Gebiet wie der Drover Heide im Kreis Düren anzutreffen sind, haben entweder ein gutes Tarnkleid oder halten Distanz.

Gefiederte Seltenheiten

Die tagaktive Sumpfohreule ist ein seltener Wintergast im Rheinland. (Foto: iStock.com/EEI_Tony)
Die tagaktive Sumpfohreule ist ein seltener Wintergast im Rheinland. (Foto: iStock.com/EEI_Tony)
Mit etwas Glück kommt einem vielleicht doch der eine oder andere Wintergast vors Fernglas. Dazu gehört die Kornweihe, ein schlanker brauner Greifvogel von Bussardgröße, der mit leicht V-artig gehaltenen Flügeln niedrig über die Heide gaukelt, den Boden immer fest im Blick. Bei gutem Licht ist er an seinem weißen Bürzel zu erkennen. Auch die tagaktive Sumpfohreule besucht manchmal die winterliche Heidelandschaft. Mit weit ausholenden Flügelschlägen streicht sie völlig lautlos
Bei Schnee ist der Raubwürger gut getarnt. Der seltene Singvogel fängt größere Insekten, im Winter aber vor allem Mäuse oder Kleinvögel. Was er nicht sofort frisst, spießt er in dornigen Zweigen fest - der nächste Hunger kommt bestimmt. (Foto: blickwinkel/Andreas Volz)
Bei Schnee ist der Raubwürger gut getarnt. Der seltene Singvogel fängt größere Insekten, im Winter aber vor allem Mäuse oder Kleinvögel. Was er nicht sofort frisst, spießt er in dornigen Zweigen fest - der nächste Hunger kommt bestimmt. (Foto: blickwinkel/Andreas Volz)
über die Vegetation oder sie sitzt leicht erhöht und wendet ihren Kopf jedem Geräusch zu, das an ihr feines Gehör dringt. Gebrütet hat sie in der Drover Heide zuletzt im Jahr 1983. Kontrastreicher als die beiden Vorgenannten, dabei viel kleiner, ist ein anderer Beutegreifer: der Raubwürger. Den knapp drosselgroßen Vogel mit dem furchterregenden Namen könnte man für eine Miniatur-Elster halten, denn sein Gefieder ist hellgrau, schwarz und weiß. Von der Spitze eines Gehölzes beobachtet er die Umgebung und wartet auf unvorsichtige Mäuse. Gelegentlich rüttelt er auch sekundenlang nach Turmfalkenart über einer potenziellen Beute, bevor er sich auf sie fallen lässt. Ist der Hunger groß, versucht er sogar, kleine Singvögel zu überwältigen, dabei gehört er selbst zu dieser Verwandtschaft.

Römer mit langer Leitung

Nicht nur zur Winterzeit, sondern auch im Sommer lohnt sich die Drover Heide als stimmungsvolles Ausflugsziel.
Nicht nur zur Winterzeit, sondern auch im Sommer lohnt sich die Drover Heide als stimmungsvolles Ausflugsziel.
Eine interessante Ergänzung zur winterlichen Tierbeobachtung bieten die historischen Zeugnisse in der Drover Heide. Unter den Bodendenkmälern des Gebietes ist eines besonders spannend: der Drover-Berg-Tunnel aus der Römerzeit (siehe Kastentext). Er war der längste antike Tunnel nördlich der Alpen. Seine Spuren sind durch einen eigenen Rundwanderweg erschlossen. Dieser kann in der Zeit von Mitte August bis Mitte März vollständig begangen werden, während er im Sommerhalbjahr zum Schutz der Tiere und Pflanzen teilweise gesperrt ist. Ganz gleich, in welchem Monat Sie das Gebiet am Nordrand der Eifel besuchen, Heidelandschaften gehören zu den stimmungsvollsten und zu jeder Jahreszeit lohnendsten Ausflugszielen. In unserem Land gibt es nur noch wenige in vergleichbarer Ausdehnung und Schönheit wie die Drover Heide. Allen gemeinsam ist, dass sie jahrzehntelang als militärische Übungsgebiete abgesperrt waren und deshalb vor Düngung oder Aufforstung verschont blieben. Heute sorgen das Personal der Biologischen Station Düren und viele freiwillige Helfer dafür, dass die Drover Heide ein wertvoller Lebensraum und für Naturfreunde einladend bleibt.

Text: Günter Matzke-Hajek
Notwendiges Feuer

Kontrollierte Brände sorgen dafür, dass alte, abgestorbene Sträucher beseitigt werden. (Foto: Biologische Station Kreis Düren/René Mause)
Kontrollierte Brände sorgen dafür, dass alte, abgestorbene Sträucher beseitigt werden. (Foto: Biologische Station Kreis Düren/René Mause)
Wo Weidetiere sich an überalterten Besenheide-Beständen die Zähne ausbeißen würden, greift man seit einigen Jahren auch zum Zündholz. Bei kaltem trockenem Winterwetter beseitigen kontrollierte Brände schnell und gründlich die dichten, verholzten Zwergsträucher, ohne im Boden ruhende Kleintiere und Pflanzensamen zu versengen. Anwesende Vögel weichen dann in benachbarte Flächen aus. Die Feuer werden auch stets nur kleinflächig und kontrolliert entzündet. Erfreulicherweise ist die Vegetation, die sich in der Folgezeit auf den Brandstellen neu entwickelt, viel reicher an seltenen Arten und zugleich leichter zu pflegen als die artenarmen Gebüschstadien.
Ausflugstipp für Menschen mit Tunnelblick

Nur ein paar kreisförmige Mulden lassen erahnen, dass sich unter der Drover Heide ein 1.660 Meter langer Tunnel befindet.
Nur ein paar kreisförmige Mulden lassen erahnen, dass sich unter der Drover Heide ein 1.660 Meter langer Tunnel befindet.
Römische Ingenieure legten im 2. Jahrhundert unter der Drover Heide einen 1.660 Meter langen Tunnel an. Er diente der Aufnahme einer Wasserleitung und wurde im Qanat-Verfahren gegraben, bei dem zahlreiche senkrechte Schächte unterirdisch verbunden werden. Unter dem "Drover Berg" verlief der Tunnel in 26 Metern Tiefe! Die Wasserleitung war eine 20 – 25 Zentimeter breite Betonrinne mit schwachem Gefälle nach Osten, ausgekleidet mit wasserdichtem Putz und bedeckt mit gewölbten Ziegeln. Um das Eindringen von Schmutzwasser zu verhindern, wurden Tunnel und Schächte nach dem Bau mit Ton verfüllt. Da die Erde in den Schächten etwas einsank, entstanden an der Oberfläche kreisförmige Mulden. Durch sie wurde man vor mehr als 120 Jahren auf das einzigartige Bauwerk aufmerksam. Nicht genau bekannt ist, welche römische Siedlung mit dem Wasser aus dem "Heiligen Pütz" bei Drove versorgt wurde. Vielleicht war es die Villa eines reichen Römers bei Soller oder Froitzheim.
www.mm-historyguide.de/14.0.html

Stand der Angaben: 2016 / Nr. 2


Kommentare

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Die Drover Heide gehört zu vier Liegenschaften des Nationalen Naturerbes, die von der Bundesrepublik Deutschland in die Hände der NRW-Stiftung übertragen wurden bzw. werden. Weitere Flächen sind die Trupbacher Heide im Siegerland, die Steinheide im Rhein-Erft Kreis und die Buchenwälder am Petersberg in Königswinter.

Googlemap aufrufenDas Naturschutzgebiet Drover Heide im Kreis Düren liegt in den Gemeinden Kreuzau und Vettweiß. Unter den folgenden Links können Sie einen Informationsflyer mit einer Übersicht der Rundwege downloaden:

www.kreuzau.de/fkt/nsg-drover-heide/drover_heide.php

www.biostation-dueren.de/45-0-Grundlagen.html

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