NATURSCHUTZGEBIET BIELENBERG IM KREIS HÖXTER

RÜCKKEHR IN DIE OBERE LIGA

Die Wiesen und Magerrasen am Südhang des Bielenbergs werden seit 15 Jahren Stück um Stück vergrößert und die Waldränder werden mittelwaldartig gestaltet. Für dieses erfolgreiche Modellvorhaben wurden die Landschaftsstation im Kreis Höxter und das Regionalforstamt Hochstift von Bundespräsident Joachim Gauck ausgzeichnet. (Foto: Burkhard Beinlich)
Die Wiesen und Magerrasen am Südhang des Bielenbergs werden seit 15 Jahren Stück um Stück vergrößert und die Waldränder werden mittelwaldartig gestaltet. Für dieses erfolgreiche Modellvorhaben wurden die Landschaftsstation im Kreis Höxter und das Regionalforstamt Hochstift von Bundespräsident Joachim Gauck ausgzeichnet. (Foto: Burkhard Beinlich)
Kaum eine Nutzung, die es auf dem "Balkon" von Höxter nicht schon mal gegeben hätte. Einst lieferte der Buchen und Ulmenwald auf dem Bielenberg Bauholz, dann dienten die Hänge als Schafweiden und Ackerland – sogar Hopfenanbau ist verbürgt. Im 19. Jahrhundert bekam der Abbau von Wellenkalk in zwei Steinbrüchen Vorrang, eine Seilbahn transportierte den Rohstoff zu Tal. Und schließlich drückte auch noch ein Militärübungsplatz dem Berg seinen Stempel auf.

Vor 25 Jahren erkannten die Naturschützer der Region, dass dem Hausberg von Höxter der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit drohte. Sie fassten den Entschluss, das Defensivspiel zu beenden und die bunten Wiesen und Weiden, für die der Berg einst bekannt war, wieder systematisch zu fördern. Ihre Strategie der Verjüngung bringt den Bielenberg zurück in die obere Liga. Das Nebeneinander der vielen konkurrierenden Nutzungen ließ eine bemerkenswerte Vielfalt von Lebensräumen zur Entfaltung kommen. Sie belegen das Potenzial des 231 Meter hohen Bielenbergs und seine klimatisch begünstigte Lage am Rand des Wesertals. Selbst Weinanbau gab es hier einst: Ende des 12. Jahrhunderts ließ Witukind von Spiegel, der Abt des benachbarten Klosters Corvey, erstmals Reben pflanzen. Vielleicht gehen die schmalen Hangterrassen, die man im Wald am Südhang noch heute finden kann, darauf zurück.

Abstieg trotz Bonuspunkten

Seit die Waldränder am Bielenberg aufgelichtet wurden, kommt das Große Windröschen wieder zur Blüte. (Foto: Frank Grawe)
Seit die Waldränder am Bielenberg aufgelichtet wurden, kommt das Große Windröschen wieder zur Blüte. (Foto: Frank Grawe)
Die größte Ausdehnung dürfte die bunte, wärmeliebende Magerrasenvegetation wohl besessen haben, als es das Wort Naturschutz noch gar nicht gab. Da weideten Schafe und andere Huftierherden auf den Bergen rund um Höxter. Flur- oder Wegenamen wie "Ziegenberg" und "Triftweg" sind das Erbe dieser Zeit, zusammen mit dem Vorkommen seltener Orchideen und Enziane sowie großen Beständen von Berberitze und Wacholder. Seit dem 19. Jahrhundert wurden große Teile der offenen Flächen aufgeforstet, einige Partien mit Buchen, andere mit gebietsfremden Kiefern. Das ließ die lichthungrigen Rasen stark schrumpfen. Die verbliebenen Magerweiden wurden zwar ab 1930 unter Naturschutz gestellt, aber trotz dieses Bonus ging es mit den ökologisch wertvollen Lebensräumen weiter bergab: Weil ihre extensive Nutzung unterblieb, breiteten sich Gehölze wie Schwarzdorn und Hasel immer stärker aus. Nach wenigen Jahrzehnten waren von 20 Hektar blumenbunten Magerrasen nur noch zwei Hektar übrig.

Wiederaufstieg in die Europaklasse

In den 1990er-Jahren begann der Naturkundliche Verein Egge-Weser mit der Landschaftspflege am Bielenberg. Der erfreuliche Anlass: Erste Grundeigentümer hatten ihre Parzellen dem Verein zum Geschenk gemacht, für Zwecke des Naturschutzes. Dichte Gestrüppe und aufkommende Gehölze einschließlich kleiner Fichtenaufforstungen wurden entfernt und die Wiesen und Magerrasen wieder vergrößert. Zusätzlichen Schub erhielt dieser Prozess, als die Hänge um Höxter den europäischen Status als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet verliehen bekamen. Damit platzte nämlich die Hoffnung mancher privaten Spekulanten, dass hier neues Bauland ausgewiesen werden könnte. Ernüchtert trennten auch sie sich von ihren Grundstücken und überließen sie für kleines Geld der NRW-Stiftung.

Da die Bergstraße am Bielenberg für die Höxteraner ein Lieblingsspazierweg und für Studierende sogar ein regelmäßiges Exkursionsziel ist, planen die Mitarbeiter der Landschaftsstation, die bunten Wiesen am Südhang als lebendige Kulisse eines Naturerlebnispfades zu präsentieren. Dafür sollen zunächst noch weitere Brachen zu artenreichen Magerwiesen entwickelt und die Waldränder zurückverlegt werden. Die Natur scheint dabei mitzuspielen. "Es ist erstaunlich, wie sich die blühenden Säume erholen", berichtet Frank Grawe, Mitarbeiter der Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V., "sogar das Große Windröschen ist wieder aufgetaucht, wir hatten gedacht, das sei hier endgültig ausgestorben."
GEMEINSAM ABHÄNGEN IN GEHEIMEN STOLLEN

Im Inneren des Bielenbergs verbringen Vertreter von insgesamt sechs Fledermausarten den Winter. (Foto: Frank Grawe)
Im Inneren des Bielenbergs verbringen Vertreter von insgesamt sechs Fledermausarten den Winter. (Foto: Frank Grawe)
Sensationshungrige und Wichtigtuer spekulieren im Internet über geheimnisvolle Räume und Relikte im Inneren des Bielenbergs. Wurden bei Kriegsende Fahrzeuge in den Berg gefahren und die Zugänge dann gesprengt? Als gesichert gilt lediglich, dass Wehrmachtssoldaten um den Militärgeologen Walter Schriel dort einst schweres Bohrgerät und Explosivstoffe erprobten. Zu gerne würden manche Militaria-Fans das Gangsystem erkunden, doch das bleibt ihnen verschlossen. Eine andere Community hat dagegen ganz legal Zugang und sucht die halb verfallenen Stollen jeden Herbst auf, um gemeinsam abzuhängen: Die Vertreter von insgesamt sechs verschiedenen Fledermausarten verbringen dort die kalte Jahreszeit, darunter das seltene Große Mausohr. Vielleicht sind es dieselben Tiere, die im Sommer den Dachstuhl des historischen Rathauses in Höxter zur Aufzucht ihrer Jungen nutzen.

Stand der Angaben: 2016 / Nr. 1


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Die NRWStiftung ermöglichte auf Antrag des Naturkundlichen Vereins Egge-Weser den Kauf von Flächen auf dem Bielenberg für die Ziele des Naturschutzes. Das Gebiet ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Westfalens mit einer bemerkenswert reichhaltigen Fauna und Flora.

www.landschaftsstation.de

Googlemap aufrufenBielenberg, 37671 Höxter

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