DORFSCHMIEDE PETERS IN ALPEN-MENZELEN

VOM SCHMIEDEN UND ZUSAMMENSCHMIEDEN

Schmieden wie einst - Johann Peters mit Hammer, Amboss und loderndem Feuer in der Schmiedewerkstatt, die im 19. Jahrhundert von seinen Vorfahren gegründet wurde. Auch junge Menschen sollen wieder stärker für die Handwerkstradition interessiert werden. Dabei setzt man auf deutsch-niederländische Kooperationen.
Schmieden wie einst - Johann Peters mit Hammer, Amboss und loderndem Feuer in der Schmiedewerkstatt, die im 19. Jahrhundert von seinen Vorfahren gegründet wurde. Auch junge Menschen sollen wieder stärker für die Handwerkstradition interessiert werden. Dabei setzt man auf deutsch-niederländische Kooperationen.
Manches Sprichwort gerät im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Die Redensart "Wo die Esse raucht, da fehlt’s an Freunden nicht" kennt man heute kaum noch. Doch für die alte Dorfschmiede Peters in Menzelen am Niederrhein könnte sie eigentlich als Motto dienen. Denn zuerst wurde hier die Esse, also der Schmiedeofen, im freundschaftlichen Zusammenwirken vieler helfender Hände wieder angefeuert. Und seitdem die alte Werkstatt wieder arbeitet, schmiedet man darin nicht nur heiße Eisen, sondern auch grenzüberschreitende freundschaftliche Bande.
Fast jedes Dorf hatte früher seinen Schmied. Der Alltag wäre sonst unweigerlich ins Stocken geraten, schon weil Pferde und Wagen ohne Hufeisen und metallene Reifen um die Holzräder bald nicht mehr diensttauglich gewesen wären. Diese Zeit ist längst vorbei. Umso erfreulicher, wenn sich in einem historischen Betriebsgebäude trotzdem noch die technische Ausstattung und die Organisation einer Schmiedewerkstatt im Originalzusammenhang veranschaulichen lassen. So wie in der alten Schmiede Peters in Menzelen, einem Ortsteil der Gemeinde Alpen im Kreis Wesel.

Drahtesel und Ackergäule

Dr. Robert Moog, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Brauchtum Menzelen e. V. (hinten ganz links), und seine Mitstreiter haben die alte Schmiede mit viel Engagement vor dem Verfall gerettet und wieder funktionstüchtig gemacht.
Dr. Robert Moog, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Brauchtum Menzelen e. V. (hinten ganz links), und seine Mitstreiter haben die alte Schmiede mit viel Engagement vor dem Verfall gerettet und wieder funktionstüchtig gemacht.
Um 1880 ließ der Schmiedemeister Johann Theodor Peters in Menzelen ein Wohnhaus nebst Stall und Werkstatt errichten. Das genaue Datum ist unbekannt, obwohl sich die darauf gegründete Familientradition bis heute fortsetzt – einem Nachfahren des Erbauers gehört die Schmiede bis heute. Bis 1969 war die Esse in dem Backsteingebäude mit den Rundbögen und den gusseisernen Sprossenfenstern täglich in Betrieb, dann erlosch die Glut nach und nach. Der 1935 geborene Schlossermeister Johann Peters verlegte sich jetzt darauf, in der Werkstatt Fahrräder zu reparieren. Als über 80-jähriger Rentner tut er das nach wie vor. Aber Drahtesel auf Vordermann zu bringen, ist doch nicht das Gleiche wie die Arbeit mit Hufeisen und schweren Ackergäulen im "Beschlagstall" aus Eichenbalken. Eisenbänder für Karren und Wagen entstanden in der Schmiede Peters früher ebenfalls. Die Schleif- und Bohrmaschinen, das Tauchbecken, der Amboss und die Werkbank sind noch genauso vorhanden wie die Transmission, der Maschinenantrieb per Treibriemen.

Schmieden international

Der auch von wissenschaftlicher Seite bestätigte Wert des Ensembles war Grund genug, um den "Verein für Geschichte und Brauchtum Menzelen" aktiv werden zu lassen. Denn die Schmiede war zwar noch komplett, befand sich aber dennoch in bedenklichem Zustand. Drohender Einsturzgefahr kamen der Verein und seine Unterstützer durch die Einwerbung von Spenden und mit über 2.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden erfolgreich zuvor. Man wollte die historische Werk statt allerdings nicht retten, nur um sie anschließend in musealer Kühle erstarren zu lassen. Vielmehr sollte sie bei Vorführungen wieder zu heißem Leben erwachen, wie es sich für eine Schmiede gehört. "Es ist wieder, wie es war", freute sich Johann Peters am Eröffnungstag. Cornelis "Cees" Pronk, selbst Inhaber einer Schmiedewerkstatt in den Niederlanden, demonstrierte an diesem 1. August 2015 die Arbeit an Esse und Amboss. Der Experte engagiert sich seit Jahren dafür, das Schmiedehandwerk nicht aussterben zu lassen und Wissen zu erhalten, wie man es etwa für Restaurierungen benötigt. Im Rahmen des Zweckverbandes "Euregio Rhein-Waal" kam der Kontakt zu Pronk über die niederländische Gemeinde Oude IJsselstreek zustande, die zum "Ring der Europäischen Schmiedestädte" gehört. Dort gibt es auch das Niederländische Eisenmuseum und einen Technologiepark. Eine grenzübergreifende Kooperation zielt nun darauf ab, traditionelle und moderne Schmiedetechnik vergleichend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und junge Leute stärker dafür zu interessieren. Die Dorfschmiede Peters ist dabei ideal zur Vorführung historischer Handwerkskunst. Wie man sieht: Schmieden kann zusammenschmieden – sogar über Grenzen hinweg.

Text: Ralf J. Günther | Fotos: Stefan Ziese

In der im 19. Jahrhundert errichteten und bis heute funktionsfähigen Schmiede wird der Handwerksbetrieb auch Schülern, Auszubildenden und Studenten vermittelt. Eine deutschniederländische Kooperation wurde über die niederländische Gemeinde Oude IJsselstreek/Gelderland ermöglicht. Während auf holländischer Seite moderne Schmiedetechniken demonstriert werden, bietet Alpen-Menzelen ein hervorragendes Beispiel für das historische Handwerk.

ALPEN-TOUR FÜR PEDALRITTER

(Foto: Bernd Hegert)
(Foto: Bernd Hegert)
Per Rad durch das gesamte Alpengebiet? Vielleicht versuchen Sie es mit diesem ambitionierten Vorhaben besser zuerst am Niederrhein. Eine 37 Kilometer lange Radroute lädt in der Gemeinde Alpen dazu ein, rund 30 Sehenswürdigkeiten zu entdecken, darunter die Plaggenhütte im Ortsteil Bönninghardt, wo die unglaublich harten Lebensbedingungen von Pfälzer Kolonisten deutlich werden, die im 18. Jahrhundert an den Niederrhein kamen. Die Tour führt auch in den Ortsteil Menzelen und dort zur Mostersmühle, einer betriebsfähigen Turmwindmühle aus dem 19. Jahrhundert. In Menzelen lohnt sich darüber hinaus die Besichtigung der alten Schmiede Peters. Auch die über 1.000 Teilnehmer der NRW-Radtour 2016 werden am Samstag, 16. Juli, gegen Mittag am Schulzentrum in Alpen eine Pause einlegen.

Stand der Angaben: 2016 / Nr. 1


Kommentare

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Die NRW-Stiftung half dem Verein für Geschichte und Brauchtum Menzelen e. V. dabei, die Dorfschmiede Peters in Alpen zu sanieren und instand zu setzen.
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