DAS PESCHKENHAUS IN MOERS

DAS HAUS AM MEER

Das Peschkenhaus überlebte bereits den Stadtbrand von 1605, zwei Weltkriege und ebenso die Modernisierungswut der Nachkriegsjahrzehnte.
Das Peschkenhaus überlebte bereits den Stadtbrand von 1605, zwei Weltkriege und ebenso die Modernisierungswut der Nachkriegsjahrzehnte.
Vor 500 Jahren bestand Moers aus einer Alt- und einer Neustadt, zwischen denen ein breiter Wassergraben mit dem schönen Namen "Meer" verlief. Am Rande dieses "Meers" erhob sich auf neustädtischer Seite schon damals das Peschkenhaus. Als im 17. Jahrhundert das "Meer" zugeschüttet und in einen lang gezogenen Marktplatz verwandelt wurde, blieb das alte Haus unerschüttert an seinem Platz stehen. Es hatte schon den großen Moerser Stadtbrand von 1605 überlebt und sollte im 20. Jahrhundert außer zwei Weltkriegen auch die Modernisierungswut der Nachkriegsjahrzehnte überdauern. Dass das Haus im 21. Jahrhundert immer noch in eine vielversprechende Zukunft blicken kann, verdankt es in erster Linie einem außergewöhnlichen Bürgerengagement.

Der Kabarettist und gebürtige Moerser Hanns Dieter Hüsch sprach in seinen Lebenserinnerungen vom "Peschkenschen Haus". Der eigenartige Name ist allerdings bei Weitem nicht so alt wie das Haus selbst und hat einen ganz simplen Hintergrund: Um 1900 wurde das Gebäude von dem Fahrradfabrikanten Johannes Peschken genutzt, dessen Familie es 1865 gekauft hatte. Schon im Mittelalter hatte das Kaufmannsdomizil gleichzeitig als Wohn- und Geschäftshaus gedient. Seine ursprüngliche Lage am "Meer" wurde 1591 vom berühmten Duisburger Kartografen Gerhard Mercator aus der Vogelschau eindrucksvoll festgehalten. Kurze Zeit später machte das Haus sogar politische Karriere, denn da es nach dem Stadtbrand von 1605 in Moers an Räumlichkeiten mangelte, tagte hier zeitweilig der Stadtrat.

Rettung durch Bürgeraktien

Das Peschkenhaus wurde im späten 18. Jahrhundert durch ein Sandsteinportal und im frühen 19. Jahrhundert durch einen klassizistischen Giebel sowie Verputz äußerlich verändert. Es besitzt aber immer noch große Gewölbekeller und zwei Geschosse mit Deckenbalken aus der Erbauungszeit. Mehr als ein halbes Jahrtausend Geschichte spiegelt sich auf diese Weise in dem Baudenkmal, zu dem sich als Nachbarn im Laufe der Zeit die evangelische Stadtkirche und das Denkmal des Preußenkönigs Friedrich I. gesellten. Dass der 1902 in Bronze gegossene Monarch schon seit über 100 Jahren den Kopf so beharrlich vom Peschkenhaus abwendet, sollte man ihm übrigens nicht übel nehmen. Schließlich litt Friedrichs Körperhaltung schon zu Lebzeiten unter den Folgen eines frühkindlichen Unfalls, weshalb die Untertanen ziemlich herzlos vom "schiefen Fritz" sprachen.

Die gesicherte Zukunft des Peschkenhauses ist dem außergewöhnlichen Bürgerengagement zu verdanken.
Die gesicherte Zukunft des Peschkenhauses ist dem außergewöhnlichen Bürgerengagement zu verdanken.
Bis weit in die 60er-Jahre hinein lebten Mitglieder der namengebenden Familie im Peschkenhaus, bevor es nach einigen Jahren Leerstand von der Stadt Moers ab 1972 als Galerie betrieben wurde. Finanzielle Gründe bewogen die Stadt im Jahr 2002 dazu, sich aus dem Objekt zurückzuziehen, was angesichts ähnlicher Entwicklungen in vielen anderen Kommunen an sich nicht ungewöhnlich erscheint. Außergewöhnlich war jedoch das Engagement, mit dem sich eine eigens gegründete Bürgerstiftung umgehend daranmachte, das Peschkenhaus als Ort der Kunst und Kultur zu erhalten. Eine Bürgeraktiengesellschaft wurde ins Leben gerufen, die das Gebäude 2005 kaufte. Auch heute gibt es noch rund 80 Aktionäre, den Hausschlüssel hat der Vorstandvorsitzende Heinz-Adolf Janßen aber dem "Kunstverein Peschkenhaus Moers" übergeben, der seit Jahren Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert, zum Beispiel mit Arbeiten von Michaela Melián oder Armin Müller-Stahl.

Standfest durch Pfähle

Zur Wiedereröffnung des Peschkenhauses wurde im Januar 2014 die Ausstellung "Prolog" des Moerser Künstlers André Schweers gezeigt.
Zur Wiedereröffnung des Peschkenhauses wurde im Januar 2014 die Ausstellung "Prolog" des Moerser Künstlers André Schweers gezeigt.
Nachdem zuletzt Werke des Malers und ehemaligen Präsidenten der Düsseldorfer Kunstakademie Otto Pankok zu sehen gewesen waren, begannen 2013 umfangreiche Sanierungsarbeiten am Peschkenhaus. Energetische Erneuerung, Verbesserung des Brandschutzes und Barrierefreiheit standen auf dem Programm. Inzwischen ermöglicht ein angebauter Aufzug den ungehinderten Zugang zu allen drei Etagen, übrigens auch für Festgäste, denn im Peschkenhaus kann auch geheiratet werden. Dass bei den Sanierungsarbeiten Bohrpfähle bis zu 15 Meter tief in den Boden gerammt werden mussten, um den festen Stand des Hauses zu sichern, war eine aufwendige Reminiszenz an den sumpfigen Baugrund – das "Meer" lässt grüßen. Für große Ausstellungen wie ab Mai 2015 mit den Werken deutscher und französischer Künstler ist das Gebäude nun wieder gerüstet. Die Hausfassade wurde zeitgleich mit einem Vorhang aus Licht geschmückt. Das war buchstäblich ein Highlight für ein Gebäude, das im Kern noch auf das angeblich so finstere Mittelalter zurückgeht.

Fotos: Agentur Berns

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2015/2


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen

07.06.2017, Cornelia Peschken

Guten Tag,

zur Geschichte meines Eltern-/Familienhauses möchte ich folgendes anmerken: die Darstellung der Zeiträume und der Namensgebung sind im Artikel nicht richtig wiedergegeben. Meine Familie hat das Haus von 1865 bis 30.07.1970 bewohnt. Der Begriff \"Peschkensches Haus\" ist offiziell und von der Familie nie verwendet worden, sondern \"hieß\" stets \"Meerstrasse 1\". Es handelt sich bei \"Peschkenschem Haus\" vileleicht um eine Wortschöpfung von H.-D. Hüsch, der ein Schulfreund des älte [...] mehr


Die NRW-Stiftung unterstützte die Bürgeraktiengesellschaft Moers bei der Restaurierung des Peschkenhauses und beim Ausbau des Denkmals mit einem barrierefreien Zugang. Das Gebäude, das vor allem für Ausstellungen genutzt wird, liegt inmitten der Moerser Innenstadt.

Googlemap aufrufenKunstverein Peschkenhaus
Meerstraße 1
47441 Moers
www.peschkenhaus.de

Bookmark and Share