AM RAND DES NATURSCHUTZGEBIETES ERMBERG BEI DAHLEM-HAMMERHÜTTE

MAGERRASEN, WIESEN UND WEIDEN

Nahe von B 51 und B 421 zwischen Kronenburg und Stadtkyll an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz hat die NRW-Stiftung knapp 10 ha extensiv genutzte, artenreiche Flächen erworben, die vom Frühjahr bis zum Herbst ihren besonderen Reiz bieten. Sie liegen am Südrand des rund 80 ha großen Naturschutzgebietes Ermberg bei Hammerhütte in der Gemeinde Dahlem (Kreis Euskirchen). Es handelt sich um zwei Parzellen (1,85 ha und 7.7 ha), zwischen denen ein Wanderweg verläuft. Er ist mit der Jakobsmuschel gekennzeichnet, die den Weg zum Wallfahrtsort Santiago de Compostella markiert.

Lage des Naturschutzgebietes Ermberg (blaugrün umrandet) mit Fläche der NRW-Stiftung (rot umrandet), Links die Bundesstraße 51 mit der Abfahrt zur Bundesstraße 471.
Lage des Naturschutzgebietes Ermberg (blaugrün umrandet) mit Fläche der NRW-Stiftung (rot umrandet), Links die Bundesstraße 51 mit der Abfahrt zur Bundesstraße 471.
Bei den Flächen der NRW-Stiftung handelt es sich um beweidete, teilweise felsige Kalkmagerrasen sowie magere montane Wiesen und Weiden, durchsetzt mit Schlehen-Weißdorn- und Hasel-Gebüschen, Baumgruppen und Obstgehölzen. Kleinflä-chig kommen auch Flügelginsterrasen vor. Das Gebiet ist zwar nicht ganz so bedeutend wie die unmittelbar südlich angrenzenden Magerrasen mit den bekannten größten Vorkommen des Kleinen Knabenkrautes (Orchis morio) in NRW, doch bietet es zusammen mit diesen Flächen aufgrund der Potentiale gute Voraussetzungen für eine positive Weiterentwicklung.

Geologie - Boden - Klima

Auf einem etwa 20 km breiten Streifen von der Mechernicher bis zur Trierer Bucht ist eine hintereinander gereihte Muldenstruktur vorhanden. Diese ist durch eine Gebirgsfaltung während des Karbons entstanden. In den Mulden sind Reste von Sedimenten aus organischem Kalk, Korallen und Seelilien des Devonischen Meeres erhalten. Die untersuchten Flächen liegen im südlichen Bereich der Blankenheimer Kalkmulde, die im Osten vom Stadtkyller Sattel mit sauren, unterdevonischen Gesteinen begrenzt wird, deren Einfluss sich im Gebiet lokal bemerkbar macht.
Südrand des Naturschutzgebietes Ermberg bei Hammerhütte. Im Mittelgrund die bekannten, von Gebüschen durchsetzten Hänge mit großen Beständen des Kleinen Knabenkrautes, dahinter die Flächen der NRW-Stiftung. Luftbild Mai 1999, W. Schumacher.
Südrand des Naturschutzgebietes Ermberg bei Hammerhütte. Im Mittelgrund die bekannten, von Gebüschen durchsetzten Hänge mit großen Beständen des Kleinen Knabenkrautes, dahinter die Flächen der NRW-Stiftung. Luftbild Mai 1999, W. Schumacher.
Als Böden finden sich mehr oder weniger flachgründige Rendzinen sowie basenreiche bis basenarme Braunerden, die an tiefgründigere Standorte auf Kalk bzw. Sandstein gebunden sind.
Die Magerrasen werden von zwei Landwirten extensiv bewirtschaftet und zwar überwiegend durch Beweidung mit Rindern, teilweise werden sie auch gemäht.
Das Gebiet gehört mit Höhenlagen zwischen 475 m und 525 m zur montanen Stufe. Es ist erwartungsgemäß durch ein subatlantisches Berglandklima mit relativ hohen mittleren Jahresniederschlägen von 900 mm und Jahresmitteltemperaturen von ca. 7° - 7,5° C geprägt. Die angrenzenden Flächen werden in weiten Teilen als Wiesen und Weiden genutzt. Im weiteren Umfeld befinden sich Fichten- und Mischwaldforste, auf den Steilböschungen Schlehen- und Weißdorngebüsche.

Vegetation und Flora

Manns-Knabenkraut (Orchis mascula). Foto: Jürgen Deckers.
Manns-Knabenkraut (Orchis mascula). Foto: Jürgen Deckers.
In den Vegetationsperioden der Jahre 2012 und 2013 wurden die Flächen floristisch-vegetationskundlich untersucht und aus den Ergebnissen erste Empfehlungen zur Optimierung der Pflege / Nutzung abgeleitet.
Der geologische Untergrund, die Nährstoffarmut und die Weidenutzung bestimmen das Erscheinungsbild des Kalkmagerrasens, der hier als Enzian-Schillergrasrasen (Gentiano-Koelerietum) ausgebildet ist. Bekanntlich führt die Beweidung zu einer Zunahme regenerationsfähiger Arten, die gegen Verbiss unempfindlich sind. Zu diesen gehören stachelige Pflanzen wie z.B. die Kennart Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule), ferner Golddistel (Carlina vulgaris) und Hauhechel (Ononis repens) oder solche Arten, die durch Rosettenbildung an den Beweidungsdruck angepasst sind wie der Mittlere Wegerich (Plantago media). An den durch Viehtritt offenen und an felsigen Stellen blühen bereits im März-April einjährige Arten wie Frühlings-Hungerblümchen (Erophila verna) und Stängelumfassendes Hellerkraut (Thlaspi perfoliatum). Auffällige Blühaspekte bieten Anfang Mai große Bestände der Frühlings-Schlüsselblume (Primula veris). Schon bald kommen Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus) und Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) hinzu, letzteres im Jahr 2013 immerhin mit 114 Exemplaren, während das sehr seltene Kleine Knabenkraut (Orchis morio) nur mit vier Exemplaren vertreten war. Letzteres ist hier nur im Übergang der Kalkmagerrasen zum Flügelginsterrasen (Festuco-Genistelletum) zu finden, der zu dem Verband der Borstgrasrasen (Violion) gehört, welcher den Wechsel zum Unterdevon mit sauren Gesteinen anzeigt. Hier treten regelmäßig die Kenn- und Trennarten dieses Verbandes auf, so u.a. Flügelginster (Chamaespartium sagittale), Hunds-Veilchen (Viola canina), Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius) und Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata).

Im späten Frühling und Frühsommer fallen in den Kalkmagerrasen Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Berg-Klee (Trifoilum montanum), Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) und Margerite (Leucantemum vulgare) auf, zusammen mit Aufrechter Trespe (Bromus erectus), Zittergras (Briza media), Flaumhafer (Helictotrichon pubescens) und Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum).
Im Sommer und Frühherbst blühen Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata), Echtes Labkraut (Galium verum), Erdknolle (Bunium bulbocastanum), Kleine Biber-nelle (Pimpinella saxifraga), Golddistel (Carlina vulgaris) und Große Braunelle (Prunella grandiflora), bevor Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) sowie selten auch Deutscher Enzian (Gentianella germanica) und Fransen-Enzian (Gentianopsis ciliata) den Blütenreigen schließen.

Die tiefgründigeren Böden des Gebietes werden von Wiesen und Weiden einge-nommen, die entweder als montane Glatthaferwiesen (Arrhenatheretum) oder Goldhaferwiesen (Geranio-Trisetetum) bzw. als Weidelgras-Weißkleeweiden (Lolio-Cynosuretum) ausgebildet sind. Besonders erwähnt seien auffällige Arten wie Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), Wald-Storchschnabel (Geranium silvaticum) und Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum).
Durch das Gelände ziehen sich Weißdorn-Schlehengebüsche (Crataego-Prune-tum), Kreuzdorn-Hartriegelgebüsche (Rhamno-Cornetum) und Haselgebüsche (Corylus avellana-Gesellschaft), die gleichermaßen von Bedeutung für Vögel und Insekten sind.

Naturschutzfachliche Bewertung

Fransen-Enzian (Gentianopsis ciliata). Foto: Jürgen Deckers.<br />
Fransen-Enzian (Gentianopsis ciliata). Foto: Jürgen Deckers.
Das Naturschutzgebiet Ermberg ist wegen seiner ökologischen Bedeutung Teil des europäischen Netzes Natura 2000 und als Flora-Fauna-Habitat (FHH) eingestuft. Es bietet Lebensräume zur Erhaltung und Entwicklung zahlreicher seltener Arten, zu denen auch eine Reihe von Pflanzen gehört, die in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen erfasst sind. Auf den am Südrand des Naturschutzgebietes gelegenen Kalkmagerrasen sind wie erwähnt Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) und vereinzelt auch Kleines Knabenkraut (Orchis morio) zu finden.
Zur reichhaltigen Flora gehören ferner Arten wie Deutscher Enzian (Gentianella germanica) und Fransen-Enzian (Gentianopsis ciliata), die hier selten sind, währendGroßblütige Braunelle (Prunella grandiflora), Schlüsselblume (Primula veris) und Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule) häufig auftreten.

Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule). Foto: Jürgen Deckers.
Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule). Foto: Jürgen Deckers.
Die noch vor 20 Jahren auch in der Eifel gefährdeten Arten Deutscher Enzian (Gentianella germanica) und Zittergras (Briza media) sind dank der Schutzmaßnahmen mittlerweiler geringer bzw. nicht mehr gefährdet. Das gilt auch für den Fransen-Enzian (Gentianella ciliata) und die Frühlings-Segge (Carex caryophyllea), die Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule) und die Schlüsselblume (Primula veris). Auch die auf der Fläche gefundenen Begleiter Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), Sichel-Luzerne (Medicago falcata), Gewöhnlicher Wundklee (Anthyllis vulneraria), Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata) und Kugelige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare) haben von den Schutzmaßnahmen profitiert und sind in der Region häufig zu sehen.

Die naturschutzfachlichen Maßnahmen am Ermberg sollten der Erhaltung und Optimierung der Kalkmagerrasen wie auch der extensiv genutzten Grünlandflächen dienen, die von zwei Landwirten bewirtschaftet werden. So werden die 1999 von der NRW-Stiftung erworbenen Flächen von Rindern beweidet, Teile aber auch gemäht. Auf diese Weise wird die ökologische Vielfalt am besten erhalten. Mehr als 100 Pflanzenarten sind dort zu finden, davon sieben Arten, die nach der Roten Liste NRW als gefährdet gelten. Die angrenzenden großflächigen, ökologisch bedeutsamen Grünlandbereiche sollten in gleicher Weise bewirtschaftet werden. Hier wachsen zahlreiche Orchideen und andere, zum Teil gefährdete Pflanzenarten, wie z.B. Schlüsselblume (Primula veris) und Erdknolle (Bunium bulbocastanum).

Download einer umfassenden Projektbeschreibung, Stand 2014 (PDF, 3,5 MB)
Text und Bilder: Dipl. Ing. Jürgen Deckers

Stand der Angaben: Projektbericht 2014


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Nahe von B 51 und B 421 zwischen Kronenburg und Stadtkyll an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz hat die NRW-Stiftung knapp 10 ha extensiv genutzte, artenreiche Flächen erworben, die vom Frühjahr bis zum Herbst ihren besonderen Reiz bieten.

Googlemap aufrufenNahe von B 51 und B 421 zwischen Kronenburg und Stadtkyll an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. Zu erreichen sind die Flächen über die Ausfahrt der B 51 zur B 421. Von dort geht es nach links über einen landwirtschaftlich genutzten befestigten Weg bis zu den Weidegebieten, die nach etwa 1 km auf der linken Seite zur B51 hin liegen.

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