LITERATURMUSEUM HAUS NOTTBECK

VOM BAUERNHOF ZUM LITERATURPARADIES

 
 
Dieses Museum straft Heinrich Heine Lügen: Der berühmte Poet beschrieb Westfalen als einen Landstrich, "wo Dichtergeist erlahmt und Verse hinken". Die im Haus Nottbeck in Oelde versammelten Werke von westfälischen Schriftstellern wie Paul Schallück und Annette von Droste-Hülshoff zeigen ein völlig anderes Bild. Und das Erlebnis-Konzept des Museums gibt es so nirgendwo sonst in Nordrhein-Westfalen.

 
 
Statt langer Regalreihen setzen die Ausstellungsmacher im Haus Nottbeck auf modernste Technik, um die Themen der westfälischen Schriftsteller für Besucher lebendig werden zu lassen. Ein Leseraum lädt zum Schmökern ein, in der so genannten Wissenszentrale informiert ein Archiv über "Dichterstraßen" in der Region und für ganz Ungeduldige gibt es sogar westfälische Hörbücher.

 
 
Material ist reichlich vorhanden, denn die regionale Literatur ist vielfältig. Das Museumsarchiv beinhaltet Werner Rolevincks "Buch vom Lobe Westfalens" aus dem Jahr 1474 ebenso wie die Werke der Schriftsteller Christian Dietrich Grabbe und Ferdinand Freiligrath. Auch Gedichte der "Gruppe 61" und expressionistischer Literatur, etwa von August Stramm, präsentiert das Museum für Westfälische Literatur.

Ein besonderes Highlight des Museums sind die so genannten "Kölner Bibeln" von 1478/79. Eine Bibel in deutscher Sprache? Noch vor Martin Luthers Übersetzung? Diese Fragen hört man häufig. Benannt nach ihrem Druckort zählen sie mit zu den ersten Übersetzungen aus dem Lateinischen ins Alltags-, besser ins Niederdeutsche. Eines der wenigen heute noch erhaltenen Exemplare konnte jetzt das Museum für Westfälische Literatur, Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde, mithilfe der NRW-Stiftung erwerben – ein wahrer Schatz für das Museum.

Neuer Schatz für Haus Nottbeck: die "Kölner Bibel von 1478/79 in niedersächsischer Sprache".
Neuer Schatz für Haus Nottbeck: die "Kölner Bibel von 1478/79 in niedersächsischer Sprache".
Die Kölner Bibeln zeichnen sich besonders durch die Qualität ihrer Übersetzung aus, bei der die "Herausgeber" in Köln mehr als gründlich vorgingen. Es entstanden gleich zwei verschiedene Versionen: eine im niederrheinischen, eine im niedersächsischen beziehungsweise ostwestfälischen Dialekt. Letztere war vermutlich sogar die erste Bibelübersetzung in Ostwestfalen. Damit markiert die Ausgabe "in niedersächsischer Sprache" im Museum Haus Nottbeck einen wichtigen Meilenstein in der westfälischen Literaturgeschichte. Bedeutsam sind die Kölner Bibeln zudem wegen ihres fantastischen Bilderschmucks: Die kostbaren Holzschnitte dienten gut 500 Jahre lang als Vorbilder für nahezu alle Bibelillustrationen in Deutschland.

 
 
Begonnen hat alles mit einer Erbschaft: Dem Kreis Warendorf wurde das Gut Nottbeck 1987 von der letzten Besitzerin, Luise Eissen, vermacht mit der Auflage, das Anwesen zur Kultur- und Heimatpflege zu nutzen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zuvor hatte der alte Herrensitz schon zahlreiche Besitzerwechsel hinter sich. Das bereits 1366 schriftlich erwähnte Gut war Adelssitz und Bauernhof, bevor es in den 1990ern schließlich zum Haus für Literatur umfunktioniert wurde.

Heute ist Haus Nottbeck ein lebendiges Museum: Die Ausstellungsmacher zeigen Werkzeuge der Buchherstellung - vom Setzkasten bis zum Computer - und laden ein zu Lesungen, Vorträgen, Hörspielpremieren oder Aktionen für Kinder. Ein Besuch in Oelde lohnt sich also nicht nur für Büchernarren.


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Der Eintritt ist generell frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützt - zusammen mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dem Kreis Warendorf, dem Land und weiteren Sponsoren - den Ausbau des Herrenhauses Nottbeck.

Die NRW-Stiftung unterstützte den Förderverein beim Erwerb eines der wenigen heute noch erhaltenen Exemplare der sog. "Kölner Bibel" von 1478/79.

Googlemap aufrufenMuseum für Westfälische Literatur
Landrat-Predeick-Allee
59302 Oelde
Telefon: 0 25 29 / 94 55 90
www.kulturgut-nottbeck.de

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