DAS HEIMATHAUS ZUM WEISSEN PFERDCHEN IN LINDLAR-HOHKEPPEL

ERZÄHLUNGEN VOM PFERDCHEN

Gleich gegenüber vom "Weißen Pferdchen" kann dank Esse und Blasebalg nun auch wieder authentisches Schmiede-handwerk vorgeführt und miterlebt werden. <small>Bild: Josef Klug</small>
Gleich gegenüber vom "Weißen Pferdchen" kann dank Esse und Blasebalg nun auch wieder authentisches Schmiede-handwerk vorgeführt und miterlebt werden. Bild: Josef Klug
Rennschwein, Heidenstraße, Liederweg und Geschichten vom Weißen Pferdchen – obwohl der kleine Ort Hohkeppel im Bergischen Land nur 923 Einwohner hat, gibt es hier viel zu erleben. Denn das Pferdchen kann man mieten, der Liederweg lädt zum Wandern und Singen ein, die Heidenstraße bahnt Wege in die Historie, und Rennschwein Rudi Rüssel flimmerte als Star einer teilweise in Hohkeppel gedrehten TV-Serie bereits über unzählige Mattscheiben. Doch zuerst blicken wir durch die "Klöntür" zurück in eine Zeit, als noch Pferdefuhrwerke auf unbefestigten Wegen durch das Bergische Land rumpelten …

"Dies Haus stehet in Gottes Hand. Im weissen Pfert ist es genandt. Anno 1612." So verrät es die Inschrift über einem der ältesten Gebäude im Oberbergischen Kreis, wobei die ergänzende Jahreszahl 1688 an der roten Eingangstür auf spätere bauliche Erweiterungen hinweist. Die Tür selbst ist eine bergische "Klön- und Kladdertür", deren oberer Teil sich so öffnen lässt, dass man wie durch ein Fenster mit den draußen Stehenden sprechen kann. Letztere kamen schon vor Jahrhunderten oft von weit her, denn Hohkeppel liegt an der Heidenstraße, einer uralten Fernverbindung zwischen Köln und Kassel. Im "Pferd" konnten sich die Fuhrleute stärken, die hier unterwegs waren. Sie fanden zudem Futter für ihre Rösser und Schlafstätten auf Stroh für sich selber. Heute erinnern noch ein zehn Meter tiefer Brunnenschacht, die Rauchspuren der Feuerstelle und der einstige Schankraum an diese Zeiten.

HOCHZEIT IM PFERDCHEN

Die alte Fuhrmannsherberge in Lindlar-Hohkeppel hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, sie zählt auch zu den ältesten Profanbauten im Oberbergischen Kreis. <small>Bild: Eva Altmann</small>
Die alte Fuhrmannsherberge in Lindlar-Hohkeppel hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, sie zählt auch zu den ältesten Profanbauten im Oberbergischen Kreis. Bild: Eva Altmann
Die Straßen im abgelegenen Bergischen Land befanden sich jahrhundertelang in einem legendär schlechten Zustand. Von kaum passierbaren "Mordwegen" war noch im frühen 19. Jahrhundert die Rede. Die Preußische Staatsstraße von 1836 – die heutige B 55 – verbesserte die Situation zwar, berührte Hohkeppel allerdings nicht. Doch dürfte man im Weißen Pferdchen inzwischen ohnehin schon vor der Konkurrenz durch den heute noch existierenden Hohkeppeler Hof kapituliert haben. Das Pferdchen kam stattdessen in den Besitz der Kirche, und so blieb es fast zwei Jahrhunderte lang. Erst als das Erzbistum Köln zwecks Haushaltssanierung Immobilien veräußerte, wurde die Gemeinde Lindlar, zu der Hohkeppel heute gehört, neue Eigentümerin des Hauses und vermietete es an den Hohkeppeler Heimatverein.

Der obere Teil der bergischen "Klöntür" lässt sich aufklappen, ohne den Eingang ganz freizugeben. <br />
<small>Bild: Eva Altmann</small>
Der obere Teil der bergischen "Klöntür" lässt sich aufklappen, ohne den Eingang ganz freizugeben.
Bild: Eva Altmann
Inzwischen hatte das Pferdchen schon fast 400 Jahre auf dem Buckel und drohte zum alten Klepper zu werden. Daher setzte sich der Heimatverein für die dringend notwendige Sanierung ein. Nicht zuletzt dank etwa 500 Arbeitsstunden von 32 freiwilligen Helfern konnte beginnender Holzfäule und anderen baulichen Problemen ein Riegel vorgeschoben werden. Die benachbarte Schmiede profitierte ebenfalls von dem Engagement und lässt sich dank Esse und Blasebalg inzwischen zur authentischen Vorführung traditioneller Schmiedekunst nutzen. Damit nicht genug: Da das Pferdchen an einem heute wieder vermehrt benutzten Pilgerweg liegt, sollen künftig im oberen Stockwerk Übernachtungsmöglichkeiten für Wanderer geschaffen werden. Schon jetzt kann man den Erdgeschoss-Saal für Seminare oder Feste mieten. Und weil zu einer Hochzeit nichts besser passen könnte als ein Weißes Pferdchen, steht auch ein stilvolles Trauzimmer zur Verfügung.

SINGEN UND QUIEKEN

Bleiben noch Liederweg und Rennschwein: Das Weiße Pferdchen ist der Ausgangspunkt für einen vier Kilometer langen Rundwanderweg, der seit 2009 an zwölf Stationen mit großformatigen Tafeln zum Singen traditioneller Melodien anregen möchte – ideal, um vor allem Kinder mit so manchem alten Volkslied vertraut zu machen. Eine Begegnung mit dem leibhaftigen Rennschwein Rudi Rüssel sollte man den Kleinen hingegen nicht versprechen: Die ARD-Serie wurde zwar vor Jahren tatsächlich unter anderem in Hohkeppel gedreht. Doch neue Folgen wird es nicht geben, und ohnehin wachsen Ferkel derart schnell, dass bereits während der Aufnahmen alle 14 Tage neue Hauptdarsteller in die Kamera quieken mussten.
Pilgern auf der Heidenstraße

Pilgersteine kennzeichnen historisch markante Punkte an der Heidenstraße. <small>Bild: Hans Ludwig Scherer</small>
Pilgersteine kennzeichnen historisch markante Punkte an der Heidenstraße. Bild: Hans Ludwig Scherer
Die Heidenstraße war eine mittelalterliche Fernhandelsverbindung zwischen Köln und Kassel. Angesichts ihres Namens, dessen Herkunft allerdings nicht sicher geklärt ist, klingt es fast paradox, dass sie auch von Pilgern genutzt wurde – als Teilstrecke der berühmten Jakobswege nach Santiago de Compostela. In NRW beschäftigen sich unter anderem Projekte der Landschafts-verbände mit diesen Wegen, zu deren Wiederbelebung schon 1987 der Europarat aufgerufen hatte. Eine eigene Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Hohkeppeler Bürgern kümmert sich im Auftrag des Sauerländer Heimatbundes und des Heimatbundes Märkischer Kreis um die Erforschung der Heidenstraße. Kooperationspartner ist die LWL-Altertumskommission für Westfalen. Neben den bekannten blauen Schildern mit der gelben Jakobsmuschel kennzeichnen sogenannte Pilgersteine historisch markante Punkte an der Heidenstraße.

Mehr unter www.jakobuswege-sauerland.de

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2014/2


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Zusammen mit weiteren Partnern half die NRW-Stiftung dem Heimatverein Hohkeppel 1954 e. V. bei der Restaurierung des Baudenkmals zum "Weißen Pferdchen" aus den Jahren 1612/1688 und bei der Einrichtung der benachbarten "Alten Schmiede", die in einem Fachwerkbau aus dem späten 18. Jahrhundert untergebracht ist. Der Verein belebte auch traditionelle Veranstaltungen wie die Pfingstkirmes und das Mai- und Erntedankfest neu.
www.heimatverein-hohkeppel.de

Googlemap aufrufenHeimatverein Hohkeppel
Heimathaus zum Weissen Pferdchen
Weißen Pferdchen 2
51789 Lindlar
www.heimatverein-hohkeppel.de

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