ORCHIDEEN AM BÜRVENICHER BERG

ARTENSCHUTZ IN DER VOREIFEL

An Vielfalt und Farbenpracht können es die heimischen Orchideen zwar nicht mit der tropischen Verwandtschaft aufnehmen, aber viele mitteleuropäische Arten besitzen durchaus ansehnliche Blüten in Weiß, Rosa oder Rotviolett. Daneben gibt es ausgesprochen unauffällige Arten, die ein ungübtes Auge leicht übersieht. Doch manche unscheinbare Orchidee offenbart im Detail faszinierende Formen. Der Ohnsporn oder Hängende Mensch gehört zweifelslos dazu.

Ganz sanft verläuft südlich von Zülpich der Übergang von der Börde zur Mechernicher Voreifel. Nur an wenigen Hangkanten ist die fruchtbare Lössdecke, welche die Landschaft überzieht, von Wind und Regen abgetragen und gibt einen Blick auf den 200 Millionen Jahre alten Muschelkalk frei. Die trockenen, leicht erwärmbaren Kalkbänke machen den Bürvenicher Berg zu einem Refugium für Orchideen – und zu einem Pilgerort für Naturfreunde.

Püppchen mit grünem Helm

Bis zu 100 hängende Menschlein, sprich Einzelblüten, können sich im Juni an einem Spross zeigen, dabei ist die ganze Pflanze selten höher als 25 Zentimeter.<br />
<small>Bild: Günter Matzke-Hajek</small>
Bis zu 100 hängende Menschlein, sprich Einzelblüten, können sich im Juni an einem Spross zeigen, dabei ist die ganze Pflanze selten höher als 25 Zentimeter.
Bild: Günter Matzke-Hajek
Erst aus bodennaher Perspektive kann man die ungewöhnliche Blütenform studieren: Unter einem dunkel-gerandeten Helm, der von drei gewölbten Kronblättern gebildet wird, ragt eine kleine grüne Gestalt heraus, mit zwei Beinchen und langen Armen wie bei einem schlaffen Hampelmann, aber nur zwei Zentimeter groß. Die kurios geformten Blütenlippen dienen schlanken Käfern und Blattwespen als Landeplätze. Bei der Suche nach Nektar beladen sie sich unfreiwillig mit Pollenpaketen und tragen diese anschließend zur nächsten Pflanze. Zuckersaft ist hier nur wenig zu holen, denn es fehlt der für andere Orchideenarten typische Nektarsporn. Darauf spielt der alternative Name "Ohnsporn" an. In Italien sieht man in der feingliedrigen Blüte übrigens keinen hängenden Menschen, sondern eine beschwingte Tänzerin. Dort heißt die Orchidee denn auch "Ballerina".

Nachdem das Vorkommen im Naturschutzgebiet Bürvenicher Berg vor Jahrzehnten bedrohlich geschrumpft war, zählen Fachleute heute in manchen Jahren mehrere Tausend blühende Exemplare. Der Grund für den erfreulichen Trend: Die Kalkmagerrasen werden wieder regelmäßig gemäht oder von Schafen beweidet. Die schonende Nutzung hält den Gräserfilz kurz, sodass die konkurrenzschwachen Orchideen viel Licht tanken können
Vor 400 Jahren

 
 
Beinahe 400 Jahre alt ist die erste ausführliche Darstellung des "Hängenden Menschen" durch den neapolitanischen Botaniker Fabio Colonna (1567 – 1640). 1616 beschrieb er die Pflanze unter dem Namen Orchis anthropophora Oreades und wies schon damals in Text und Abbildung auf die menschliche Gestalt der Blüten hin.

Stand der Angaben: Stifungsmagazin 1/2014


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Im Naturschutzgebiet Bürvenicher Berg bei Zülpich im Kreis Euskirchen kaufte die NRW-Stiftung mehrere Grundstücke, die nun naturverträglich bewirtschaftet werden und eine bemerkenswerte Artenvielfalt entwickelt haben.

Googlemap aufrufenDas Naturschutzgebiet Bürvenicher Berg liegt zwischen dem Ortsteil Zülpich-Bürvenich und Mechernich-Floisdorf.

Projektfilm Naturschutzgebiet Bürvenicher Berg

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