DIE WASSERMÜHLE SCHULZE WESTERATH

DIE MÜHLE UND DIE SPUR DER STEINE

Der helle Baumberger Sandstein prägt die Erscheinung der Mühle Schulze Westerath im Stevertal, das direkt unterhalb der Baumberge liegt.<br />
<small>Bild: Stefan Ziese</small>
Der helle Baumberger Sandstein prägt die Erscheinung der Mühle Schulze Westerath im Stevertal, das direkt unterhalb der Baumberge liegt.
Bild: Stefan Ziese
Eine Mühle ist kein Marmorpalast. Für die historische Wassermühle "Schulze Westerath" wurde aber immerhin der "Marmor des Münsterlandes" verwendet - Baumberger Sandstein. Der noch heute geschätzte Kalksandstein war schon im Mittelalter so beliebt, dass man ihn bis nach Skandinavien exportierte. So weit führt die Spur der Steine in unserem Fall allerdings nicht. Denn das romantische Tal, in dem die Wassermühle Westerath liegt, erstrsckt sich direkt unterhalb der knapp 190 Meter hohen Baumberge, der höchsten Erhebung im sonst meist flachen Münsterland. Die denkmalgeschützte Mühle ist nach aufwendiger Instandsetzung nun auch für Besucher gerüstet. Filmgeschichte hat sie ebenfalls schon geschrieben: 2007 enstanden hier Szenen zu einem viel diskutierten TV-Historiendrama.

Lange hatte es sich bei der Anlage im Stevertal um eine Doppelmühle gehandelt, denn neben der Getreidemühle lag früher eine Ölmühle, von der aber nur noch Fundamentreste übrig sind. Schon 1928 wurde die Wasserkraftnutzung auf eine Turbine umgestellt. Sie treibt heute wieder ein funktionsfähiges Mahlwerk an und liefert überdies Strom.<br />
<small>Bild: Stefan Ziese</small>
Lange hatte es sich bei der Anlage im Stevertal um eine Doppelmühle gehandelt, denn neben der Getreidemühle lag früher eine Ölmühle, von der aber nur noch Fundamentreste übrig sind. Schon 1928 wurde die Wasserkraftnutzung auf eine Turbine umgestellt. Sie treibt heute wieder ein funktionsfähiges Mahlwerk an und liefert überdies Strom.
Bild: Stefan Ziese
Ohne Wasser keine Wassermühle – allerdings auch keine Wasserschäden. Das nasse Element, das in Form des kleinen Flüsschens Stever die alte Mühle Westerath jahrhundertelang angetrieben hatte, wäre ihr in den letzten Jahrzehnten beinahe zum Verhängnis geworden. Nachdem der Mahlbetrieb 1974 eingestellt worden war, wurden Fenster und Dach schadhaft, einsickernde Feuchtigkeit sowie die daraus resultierenden Frostschäden ließen das Mauerwerk bröckeln und brachten den gesamten Mühlenbau schließlich sogar buchstäblich in Schieflage.

Windsichter in Aktion

Dem malerischen Stevertal drohte mit der Mühle ein eindrucksvolles bauliches Schmuckstück abhandenzukommen. Das hätte zugleich eine Lücke in die "Baumberger Sandsteinroute" gerissen. Diese Rad- und Wanderroute führt – gegliedert in viele Teil- und Rundwege – auf insgesamt 210 Kilometern durch die landschaftlichen Schönheiten der Baumberge und berührt zahlreiche vom Sandstein geprägte Gebäude und Ortsbilder. Den zentralen Anlaufpunkt bildet dabei das Sandsteinmuseum in der Gemeinde Havixbeck, wo man alles über die traditionsreiche Gesteinsart erfährt, die auch heute noch in mehreren Steinbrüchen abgebaut wird.

Lange hatte es sich bei der Anlage im Stevertal um eine Doppelmühle gehandelt, denn neben der Getreidemühle lag früher eine Ölmühle, von der aber nur noch Fundamentreste übrig sind. Schon 1928 wurde die Wasserkraftnutzung auf eine Turbine umgestellt. Sie treibt heute wieder ein funktionsfähiges Mahlwerk an und liefert überdies Strom.<br />
<small>Bild: Stefan Ziese</small>
Lange hatte es sich bei der Anlage im Stevertal um eine Doppelmühle gehandelt, denn neben der Getreidemühle lag früher eine Ölmühle, von der aber nur noch Fundamentreste übrig sind. Schon 1928 wurde die Wasserkraftnutzung auf eine Turbine umgestellt. Sie treibt heute wieder ein funktionsfähiges Mahlwerk an und liefert überdies Strom.
Bild: Stefan Ziese
Dass die Wassermühle Westerath nach wie vor zur Sandsteinroute gehört, ist dem 2006 gegründeten "Förderkreis Wassermühle Schulze Westerath" zu verdanken. Durch seine von der NRW-Stiftung unterstützte Initiative gelang es, dem Bauwerk seine Stabilität zurückzugeben und es – natürlich unter Verwendung von Baumberger Sandstein – denkmalgerecht zu restaurieren. Auch die Mahltechnik funktioniert heute wieder. Zuletzt sorgte man für die notwendigen Zugänge und Einbauten, um Besuchergruppen empfangen und ihnen den Weg des Getreides demonstrieren zu können – von den Mahlsteinen über die "Schnecke" bis hin zum "Windsichter", wo sich die Spreu vom Korne trennt.

Das Rätsel der Mühle

Das wohl berühmteste Gebäude aus Baumberger Sandstein ist der Dom zu Münster. Mit solchen Dimensionen kann unsere Wassermühle natürlich nicht mithalten. Dennoch gab ihr mächtiger Baukörper mit dem Bruchsteinsockel und den darüberliegenden Sandstein-geschossen den Fachleuten Rätsel auf: Was hatte es mit dieser ungewöhnlich repräsentativ gestalteten Architektur auf sich? Die Lösung: Ursprünglich war die Mühle gar keine Mühle, sondern ein Wohngebäude. Der Denkmalexperte Peter Petersen klassifiziert es als "ländliches Steinwerk", mit dem sich ein wohlhabender bäuerlicher Schulte Ende des 15. Jahrhunderts im Stevertal einen Sitz erbauen ließ, der den Ansprüchen des Niederadels oder eines reichen Stadtbürgers entsprach. Von einer Nutzung als Mühle ist in den Quellen denn auch erst gut einhundert Jahre später erstmals die Rede.

Eine Art "bäuerlicher Palast" steckt also doch in dem Bauwerk. Umso verständlicher, dass man auch beim "Location-Scouting" darauf aufmerksam wurde, wie man neudeutsch die Suche nach geeigneten Filmdrehorten nennt. So kam es, dass der unter anderem als Vater der Krimiserie "Der Fahnder" und als Tatort-Regisseur bekannt gewordene Dominik Graf 2007 in der Mühle Schulze Westerath Teile seines Streifens "Das Gelübde" inszenierte. Darin wird das Leben der münsterländischen Nonne Anna Katharina Emmerick (1774 – 1824) geschildert, die mit ihren mystischen Visionen weltberühmt und 2004 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde. Die alte Mühle Schulze Westerath machte auch in ihrer Funktion als Filmkulisse eine gute Figur.

Stand der Angaben: Stifungsmagazin 1/2014


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Die NRW-Stiftung unterstützte den Förderkreis Wassermühle Schulze Westerath e. V. bei der Instandsetzung des Denkmals, das nach umfassender Restaurierung seit dem Frühjahr 2014 für Besucher wieder zugänglich ist.

Googlemap aufrufenWassermühle Schulze Westerath
Stevern 37
48301 Nottuln
Telefon: 02502 / 9261
(Besichtigungstermine bitte vorher anmelden.)

wassermuehle-stevertal.de/muehle_wp

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