2014: "100 JAHRE ERSTER WELTKRIEG"

ÜBERSCHWANG UND UNTERGANG

Bilder aus der Ausstellung "Kriegs(er)leben im Rheinland" des Freilichtmuseums Kommern: Anton Keldenich, Feldpostkarte 1915. ...<br />
<small>Bild: LVR-Freilichmuseum Kommern</small>
Bilder aus der Ausstellung "Kriegs(er)leben im Rheinland" des Freilichtmuseums Kommern: Anton Keldenich, Feldpostkarte 1915. ...
Bild: LVR-Freilichmuseum Kommern
Der Erste Weltkrieg begann als Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien. Auslöser war das Attentat vom 28. Juni 1914 auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo. Europäische Bündnissysteme entfesselten daraus ein militärisches Inferno, dem mindestens 17 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Weil die deutschen Waffen zu einem großen Teil aus den Fabriken der Ruhrindustrie stammten, kommt dem Ruhrgebiet bei der Erinnerung an die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" besonderes Gewicht zu. Das unterstreichen in diesem Jahr die Ausstellungen "1914" in der Essener Kokerei Zollverein oder "Stahl und Moral" in der Hattinger Henrichshütte. Wie sich Weltkrieg und Dorfleben berührten, zeigt hingegen das LVR-Freilichtmuseum in Kommern.

... Verpflegung der Soldaten durch den  Vaterländischen Frauenverein. ...<br />
<small>Bild: Stadtarchiv Euskirchen</small>
... Verpflegung der Soldaten durch den Vaterländischen Frauenverein. ...
Bild: Stadtarchiv Euskirchen
Der kleine Ort Großbüllesheim im Norden der Eifel gehört heute zur Stadt Euskirchen. 1874 wurde hier Anton Keldenich geboren, der in seinen jungen Jahren zunächst als Stallknecht arbeitete, aber schon früh das Malen und Zeichnen für sich entdeckte. Auch Tagebuchschreiben wurde ihm zur Gewohnheit. Als Chronist in Wort und Bild schilderte er so ab 1914 auch seine Weltkriegserlebnisse – zunächst aus der Perspektive des schlichten Dorfbewohners, später aus der Sicht eines teilnehmenden Soldaten. Keldenichs Manuskripte und Illustrationen bilden einen Schwerpunkt in der von der NRW-Stiftung geförderten Ausstellung "Kriegs(er)leben im Rheinland", die bis zum 18. Oktober 2015 im LVR-Freilichtmuseum Kommern zu sehen ist.

Weshalb nit fröher!

... Erbsenverkauf: Schlange stehen für Lebensmittel in Euskirchen.<br />
<small>Bild: Stadtarchiv Euskirchen</small>
... Erbsenverkauf: Schlange stehen für Lebensmittel in Euskirchen.
Bild: Stadtarchiv Euskirchen
Über die Mobilmachung im August 1914 notierte Anton Keldenich: "Alle waren begeistert damit einverstanden und eine laute Stimme schrie aus der Menge heraus: ‚Weshalb nit fröher!‘ " Nicht nur auf dem Land war solche Euphorie anzutreffen, denn neben überbor-dendem Nationalismus hegten viele Bildungsbürger und Intellektuelle die Hoffnung, der "moderne" Mensch könne durch die elementare Wucht kriegerischer Herausforderungen von vermeintlicher Dekadenz geheilt werden. Die wenigsten ahnten etwas von den verheerenden Auswirkungen der neuen Kriegsmaschinerien und Kriegsstrategien des 20. Jahrhunderts. Auch bei Anton Keldenich spiegelte sich anfangs das Empfinden eines zeitgenössischen "Patrioten", auf den das Soldatenleben nahezu romantisch wirkte. Nach vier Jahren blieb indes eine schreckliche Bilanz mit Millionen von Opfern. Das prägte Keldenichs politisches Weltbild bis zu seinem Tod im Jahr 1936. Anders als viele andere Deutsche stand er dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber, der die Menschheit in eine noch größere Katastrophe stürzen sollte – und der auch eine Reaktion auf das durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg gekränkte deutsche Selbstbewusstsein war, das so zum fatalen welthistorischen Faktor wurde.
Ausstellungen und Exkursionen

Zahlreiche Ausstellungen und Exkursionen veranstaltet der Landschaftsverband Rheinland unter der Überschrift "1914 – mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg".
Näheres findet man unter: www.rheinland1914.lvr.de

Der Landschaftsverband Westfalen bietet unter dem Titel "100 Jahre Erster Weltkrieg. 1914 – 2014" ebenfalls ein umfassendes Programm.
Infos unter: www.kulturkontakt-westfalen.de/informieren/1914-2014/

Stand der Angaben: Stifungsmagazin 1/2014


Kommentare

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Die NRW-Stiftung hat die Errichtung der Ausstellung im Freilichtmuseum Kommern mit dem Titel "Kriegs(er)leben im Rheinland - zwischen Begeisterung und Verzweiflung gefördert.

Googlemap aufrufenLVR-Freilichtmuseum Kommern
Rheinisches Landesmuseum für Volkskunde
Eickser Straße
53894 Mechernich-Kommern
Telefon: 02443 / 99800
www.kommern.lvr.de

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