DIE SCHÖPFEMÜHLE DRINGENBERG

SCHÖPFERISCHE WASSERKUNST

Die Schöpfermühle transportiert nicht nur Wasser - sie wird auch von Wasser angetrieben.<br />
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Bild: Schöpfmühlenverein Dringenberg
Die Schöpfermühle transportiert nicht nur Wasser - sie wird auch von Wasser angetrieben.

Bild: Schöpfmühlenverein Dringenberg
"Die Burg ist hoch / tief sitzt der Quell / ein Brunnen ist not / wohlan Rebell!" So heißt es in der Sage vom Ritter Theudebert, der einst als Aufrührer ins Verlies von Burg Dringenberg gesperrt worden sein soll. Zwar stellte man ihm die Freiheit in Aussicht – doch nur, wenn es ihm gelänge, einen Brunnen in das harte Gestein zu graben, auf dem die Burg stand. Viele Jahre benötigte Theudebert für diese Mühsal, und als er sie endlich hinter sich gebracht hatte, da traf ihn noch am Tag seiner Befreiung ein tödlicher Schlag. Der Ritter hätte sich aber wohl ohnehin in seinen eigenen Brunnenschacht gestürzt, wäre ihm enthüllt worden, dass man in Dringenberg kurze Zeit später dazu übergehen sollte, Wasser einfach zur Burg hochzupumpen!

Burg und Stadt Dringenberg wurden um das Jahr 1320 auf einem knapp dreihundert Meter hohen Berg gegründet. Um die Wasserversorgung sicherzustellen, trieben die Einwohner – Ritter Theudebert ist ja nur eine Sagengestalt – zwei Brunnen rund vierzig Meter tief in den Felsen. Der eine Brunnen, der in der Nähe des Rathauses entstand, bekam den schönen Namen Rumpelborn. Der andere lag im Burginnenhof. Seine gewaltigen Ziehräder, die in ihrer heutigen Form aus dem 19. Jahrhundert stammen, sind eine Sehenswürdigkeit, aber nicht sie begründen den Ruhm der Dringenberger Wasserkunst. Diese Ehre kommt vielmehr der Schöpfemühle zu, die man Mitte des 16. Jahrhunderts unterhalb des Ortes erbaute.

Wasser in Pfeifen

Wasserkunst – darunter verstand man in Mittelalter und früher Neuzeit Vorrichtungen, um Wasser "künstlich" zu bewegen und auf diese Weise Höhenunterschiede überwinden zu lassen. Insbesondere für den Bergbau war das unabdingbar, aber es gab im 15. und 16. Jahrhundert auch bereits bemerkenswerte Anlagen zur städtischen Versorgung. Aufsehen erregte zum Beispiel die große Lübecker Bürgerwasserkunst von 1533. In Paderborn, nicht weit entfernt von Dringenberg, entstand zehn Jahre zuvor eine nach ähnlichen Prinzipien funktionierende Anlage: Ein von einem Fließgewässer angetriebenes Mühlrad übertrug seine Bewegungsenergie auf eine Kolbenpumpe, die das kostbare Nass in röhrenartig ausgehöhlten Baumstämmen – den sogenannten Pipen, hochdeutsch Pfeifen – aufwärts transportierte.
Es war ein und derselbe Mann, der sowohl die Wasserkunst in Paderborn als auch die in Dringenberg initiierte: Landdrost Hermann von Viermunden. Im Falle Dringenbergs ließ er die Anlage in das rund vierhundert Meter entfernte, etwa siebzig Meter tiefer liegende Tal der Öse setzen. Dieses Flüsschen brachte fortan das Mühlrad und damit die Pumpe in Schwung, die frisches Quellwasser hinauf zu Burg und Stadt beförderte. Oben angekommen lief es in ein großes Becken, den "Kump", und wurde von dort zu insgesamt fünf Zapfstellen weitergeleitet. Die technische Meisterleistung schloss sogar ein kleines Aquädukt zur Überbrückung des Ösetals mit ein.

Ein neues Mühlrad

Seit April 2011 fließt Wasser über das neue Rad der Schöpfermühle, das als Stahl-Holz-Konstruktion ausgeführt worden ist. <br />
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Bild: Frank Grawe
Seit April 2011 fließt Wasser über das neue Rad der Schöpfermühle, das als Stahl-Holz-Konstruktion ausgeführt worden ist.

Bild: Frank Grawe
Die Dringenberger Wasserkunst war schöpferisch in jedem Sinne des Wortes. Sie schrieb überdies eine jahrhundertelange Geschichte, auch wenn sie dabei eine Reihe von Veränderungen erlebte. So ersetzte man relativ bald die Holz- durch Bleirohre, und 1731 entstand außerdem ein neues Mühlenhaus, dessen Keller noch heute existiert. Bis zum Jahr 1900 wurde das Wasserwerk mehrfach überholt, wobei schließlich an die Stelle des alten Kumps ein neuer Hochbehälter mit rund 100 Kubikmetern Fassungsvermögen trat. Aber im Prinzip blieb das gesamte System noch bis 1965 in Betrieb. Erst dann übernahmen moderne Tiefbrunnen seine Aufgabe, und die alte Wasserkunst begann zu verfallen. Zum Glück wurde 1977 der Verein zur Erhaltung und Pflege der Schöpfemühle gegründet, dem es gelang, das bedeutende Beispiel für eine frühe städtische Infrastrukturmaßnahme wieder betriebsfähig zu machen.

Auch die Getriebe- und Antriebstechnik sowie die Dreizylinderkolbenpumpe wurde instand gesetzt. Der Clou: Einen Generator zur Stromerzeugung baute man zusätzlich ein.<br />
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Bild: Frank Grawe
Auch die Getriebe- und Antriebstechnik sowie die Dreizylinderkolbenpumpe wurde instand gesetzt. Der Clou: Einen Generator zur Stromerzeugung baute man zusätzlich ein.

Bild: Frank Grawe
Ab 1980 drehte sich das Mühlrad wieder und verrichtete danach noch über ein Vierteljahrhundert lang seinen Dienst. Schließlich aber war das Holz so marode, dass die ganze Anlage im Jahr 2007 erneut zum Stillstand kam. Es zeigte sich, dass auch die historische Dreizylinderkolbenpumpe in keinem befriedigenden Zustand war. Eine umfassende Sanierung erschien unvermeidlich, sollte ein für Nordrhein-Westfalen einzigartiges technisches Denkmal nicht für immer verloren gehen. Dank des bemerkenswerten bürgerschaft-lichen Engagements und mithilfe der NRW-Stiftung und anderer Partner liefen die Arbeiten tatsächlich erfolgreich an. Selbst die Feuerwehr half mit, um Rohrleitungen frei zu machen. Seit 2011 ist die Schöpfemühle wieder funktionsfähig – ein technisches Denkmal, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes bergauf geht!

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2013/3


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Die NRW-Stiftung unterstützt den Schöpfermühlenverein Dingenberg e.V. bei der Instandsetzung des technischen Denkmals. Bei einem Besuch in dem Burghof, einem malerischen Stadtteil von Bad Driburg im Eggegebirge, lohnt auch ein Abstecher zum historischen Rathaus. Es konnte ebenfalls mithilfe der NRW-Stiftung instand gesetzt werden und wird heute von den vereinen als Begegnungsstätte für Ausstellungen und Kulturveranstaltungen genutzt. www.dringenberg.de

Googlemap aufrufenSchöpfemühle
Zur Schöpfemühle
33014 Bad Driburg

www.schoepfemuehle.de
www.dringenberg.de/heimatverein

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