DER BALKHAUSER KOTTEN IN SOLINGEN

SCHARFE KÜNSTE AN DER WUPPER

Nicht Strom, sondern Strömung trieb die vielen Schleifkotten an, die es früher an der Wupper gab. <br />
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Bild: Lars Langemeier
Nicht Strom, sondern Strömung trieb die vielen Schleifkotten an, die es früher an der Wupper gab.

Bild: Lars Langemeier
Schwerter aus Solingen seien überall auf der Welt bekannt, schrieb einst Winnetou-Erfinder Karl May, der in einem seiner Romane sogar ein Degenduell mit "Solinger Ware" ausfechten lässt. Ob der Schriftsteller auch schon die makabre Redensart vom "Gruß aus Solingen" kannte, womit laut Sprichwortlexikon ein Dolchstoß gemeint ist? Zum Glück nutzen die meisten von uns Solinger Klingen nur als friedliche Haushaltshelfer. Stumpf sollten aber auch die nicht sein. Alles über den richtigen Schliff erfährt man beispielsweise im Balkhauser Kotten an der Wupper.

Im Balkhauser Kotten wurde die Bewegungsenergie des äußeren Wasserrades durch eine sechs Meter lange Holzwelle auf das innen liegende Kammrad übertragen.<br />
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Bild: Lars Langemeier
Im Balkhauser Kotten wurde die Bewegungsenergie des äußeren Wasserrades durch eine sechs Meter lange Holzwelle auf das innen liegende Kammrad übertragen.

Bild: Lars Langemeier
Vor gut 300 Jahren gab es in Solingen über hundert Schleifkotten. Die Häuser standen durchweg an Fließgewässern, weil ihre mechanischen Werkstätten mit Wasserkraft angetrieben wurden. Das hölzerne Wasserrad am Balkhauser Kotten zeugt mit seinen vier Metern Durchmesser bis heute von der Leistungsfähigkeit dieser traditionellen Energiequelle. Um 1920 hielt das Rad mit seinen bis zu 30 Pferdestärken die Arbeitsplätze von 56 Schleifern buchstäblich in Schwung. Die Schleiferei war damals übrigens – wie schon seit dem 17. Jahrhundert – noch ein Doppelkotten, sprich: es gab Werkstattgebäude beiderseits des Wassers.

Geschliffene Ratschläge

Bild: Lars Langemeier
Bild: Lars Langemeier
Der äußere Kotten fiel 1950 dem Straßenbau zum Opfer, dem Innenkotten hingegen war eine Zukunft als Museum beschieden. 1962 wurde es eröffnet, erlebte schon sieben Jahre später durch einen Brand beinahe ein vorzeitiges Aus, konnte aber dank vieler Spenden und mit Unterstützung der Stadt Solingen bis 1972 originalgetreu wieder aufgebaut werden. Man erfährt hier zum Beispiel, dass das plötzliche Zerspringen der Schleifsteine früher eine tödliche Gefahr bildete, weshalb die Steine teilweise von einem "Geschirr" umgeben waren und mit Wasser gekühlt wurden.

Bild: Lars Langemeier
Bild: Lars Langemeier
Das Museum wird heute vom "Kuratorium Balkhauser Kotten e. V." betreut und hat an fünf Tagen der Woche geöffnet. Oft bedient ein Schleifer die urtümlichen Geräte. Auch Schleifkurse werden angeboten. Teilnehmer, die danach fragen, ob eins ihrer Messer nachgeschärft werden sollte, müssen mit der Antwort rechnen: "Am besten, Sie ziehen ab!" – Das ist keine unhöfliche Abfuhr, sondern vielmehr ein guter Rat, denn unter "Abziehen" versteht der Experte eine besondere Art des Feinschliffs.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 1/2013


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Die NRW-Stiftung half dem Kuratorium Balkhauser Kotten dabei, das Schleifereimuseum in Solingen zu modernisieren und das Mühlrad zu erneuern. Der Balkhauser Kotten ist eine der beiden Produktionsstätten, die von den einst rund 100 Schleifereien in Solingen erhalten geblieben sind.

Googlemap aufrufenSchleifermuseum Balkhauser Kotten
Balkhauser Kotten 2
42659 Solingen
Telefon: 0212 3835453
E-Mail: museu@balkhauser-kotten.de
Internet: www.balkhauser-kotten.de

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr

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