DIE HISTORISCHE STADTANLAGE VON DORMAGEN-ZONS

ZONS UND DER ZAUBER DES MITTELALTERS

Der Mühlenturm wurde als Teil der Stadtbefestigung im 14. Jahrhundert gebaut.<br />
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Bild: Lars Langemeier
Der Mühlenturm wurde als Teil der Stadtbefestigung im 14. Jahrhundert gebaut.

Bild: Lars Langemeier
"Von Köln fuhr ich auf dem Rhein gen Zons, von Zons aus gen Neuß ..., danach gen Düsseldorf, ein Städtlein." Der Maler Albrecht Dürer schrieb diese Worte in sein Tagebuch, als er im Jahr 1520 per Schiff auf dem Rhein unterwegs war. Im "Städtlein" Düsseldorf lebten damals tatsächlich nur etwa dreitausend Menschen, so dass selbst Dürers unbestechlichem Künstlerauge die moderne NRW-Landeshauptstadt völlig fremd erscheinen müsste. Zons hingegen hätte dem Maler noch immer viel Vertrautes zu bieten. Denn die einstige Zollfeste am Rhein hat sich ihr mittelalterliches Stadtbild bis heute erhalten – mit romantischen Winkeln, imposanten Mauern und stolzen Türmen.

Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts kam in Zons nur in Form einer kleinen Rübenfabrik an. Während anderswo damals die einengenden Stadtmauern fielen, blieben sie in der einstigen Zollfeste weitgehend erhalten. <br />
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Bild: Lars Langemeier
Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts kam in Zons nur in Form einer kleinen Rübenfabrik an. Während anderswo damals die einengenden Stadtmauern fielen, blieben sie in der einstigen Zollfeste weitgehend erhalten.

Bild: Lars Langemeier
Vor allem die gut erhaltene Stadtbefestigung verleiht Zons sein besonderes Flair. Für den Besucher entfaltet sich die Atmosphäre schon beim Durchschreiten des Rheintors im Norden der Stadt oder beim Gang durch das Südtor, das zur Burg "Friedestrom" führt. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, der sollte den alten Mühlenturm besteigen und sich dabei klarmachen, dass große Teile der historischen Tore, Türme und Mauern ringsum bei der Ankunft Albrecht Dürers schon über hundert Jahre alt waren. Zons wurde bereits 1373 zur Stadt erhoben und im Anschluss daran mit einer 1.100 Meter langen Befestigung umgeben. Aber wozu benötigte der kleine Ort, in dem allenfalls fünfhundert Menschen lebten, diese aufwendige Befestigung überhaupt? Wurde hier vielleicht ein mittelalterlicher Schatz gehütet? Letzteres kommt der Sache recht nahe, befand sich in Zons doch eine jener rheinischen Zollstätten, die von Schiffern und Kaufl euten jahrhundertelang Gelder und Güter einsammelten.

Zu neuen Ufern

Rund ein Fünftel des historischen Stadtareals nahmen die Gebäude der Burg Friedestrom ein. <br />
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Bild: Lars Langemeier
Rund ein Fünftel des historischen Stadtareals nahmen die Gebäude der Burg Friedestrom ein.

Bild: Lars Langemeier
Die Stadt erhob den Rheinzoll nicht auf eigene Rechnung. Die Einnahmen standen vielmehr dem Kölner Erzbischof zu, der 1372 eine Zollstätte aus Neuss nach Zons verlegt hatte und den neuen Standort durch wehrhafte Bauten schützen wollte. Dass aus dieser Maßnahme buchstäblich ein Aufbruch zu neuen Ufern wurde, lag allerdings nicht am Erzbischof, sondern an Vater Rhein: 1374 veränderte er nach einem dramatischen Hochwasser seinen Lauf und floss seitdem nicht mehr in einer weiten südlichen Schleife an Zons vorbei, sondern passierte die Stadt in fast gerader östlicher Linie. Weitere Flussbettverlagerungen führten dazu, dass Zons heute durch eine bis zu 800 Meter breite Flussaue von dem Strom getrennt wird. Doch zumindest hat der Ort nie das Rheinufer wechseln müssen – anders als das nah gelegene, ehemalige Römerkastell Haus Bürgel, das heute der NRW-Stiftung gehört und in dem die einst zu Fuß erreichbare Zonser Maternus-Kapelle stand: Seit dem Rheindurchbruch von 1374 ist es von Zons aus nur noch per Fähre über den Rhein zu erreichen.

Märchenhaftes Zons

Zons ist seit 1975 ein Ortsteil von Dormagen, darf sich aber offiziell "Stadt Zons" nennen.<br />
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Bild: Lars Langemeier
Zons ist seit 1975 ein Ortsteil von Dormagen, darf sich aber offiziell "Stadt Zons" nennen.

Bild: Lars Langemeier
Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 48) wurde Zons mehrfach von Pestepidemien und schweren Bränden heimgesucht, was seine Entwicklung stark hemmte. Auch durch die Industrialisierung erhielt es wenig Impulse, so dass es hier im Gegensatz zu vielen anderen Städten nie die Notwendigkeit gab, die einengenden Stadtmauern zugunsten des wirtschaftlichen Wachstums niederzureißen. Zons ist daher eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte am Rhein. Mit seiner märchenhaften Kulisse zieht es zahlreiche Besucher an – und seit vielen Jahrzehnten auch mit seinen Märchenspielen, die alljährlich im Sommer vor der Burg stattfinden. Leider hat sich aber bislang noch keine gute Fee gefunden, die dem Zahn der Zeit Einhalt bieten könnte, der in Form von Feuchtigkeit und Verwitterung seit langem an den Zonser Stadtmauern nagt.

Bis 2015 stehen jetzt Restaurierungsarbeiten an. Denn Zons, das heute zu Dormagen gehört, soll auch künftig spannende Abstecher ins Mittelalter ermöglichen – ganz im Sinne jenes ritterlichen Helden, über den Wilhelm Busch einst dichtete:

"Jetzo zieht er nach der Heimat
Nach der Heimat geht sein Trachten
Doch in Zons am grünen Rheine
Will der Ritter übernachten."
Zoll um Zoll

Bild: Archiv im Rhein-Kreis Neuss
Bild: Archiv im Rhein-Kreis Neuss
Bis ins 19. Jahrhundert hinein kamen Schiffe auf dem Rhein im wahrsten Sinne des Wortes nur "Zoll um Zoll" voran. Die Zollstationen waren so zahlreich, dass Waren am Ende des Weges oft dreimal so viel kosteten wie zu Beginn. Der aus Nürnberg kommende Albrecht Dürer hatte sogar dem Bischof von Bamberg eigens ein Gemälde verehrt, um im Gegenzug einen "Zollbrief" zu erhalten, mit dem er auf dem Main und auch an vielen Erhebungsstellen des Rheins abgabenfrei blieb. Einen der Hauptgründe des rheinischen Zollwirrwarrs bildete die territoriale Zerrissenheit Deutschlands: So war Zons im Mittelalter eine kurkölnische Zollstätte, schon im nahen Düsseldorf mussten jedoch Abgaben an die Grafen von Berg entrichtet werden.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 1/2013


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Der Förderverein Feste Zons konnte mithilfe der NRW-Stiftung bereits den Mühlenturm restaurieren und erneuert nun die Stadtmauer. Tuff-, Trachyt- und Ziegelsteine insbesondere der westlichen Befestigungsanlage werden ausgebessert und eine neue Mauerkrone aus Feldbrandsteinen aufgesetzt. Die Zonser Stadtanlage kann weiterhin besichtigt werden. Informationen unter: www.foerderverein-denkmalschutz-stadt-zons.de

Googlemap aufrufenFörderverein Denkmalschutz Stadt Zons e. V.
Nievenheimer Straße 7
41541 Dormagen
Telefon: 0 21 33 / 340
www.foerderverein-denkmalschutz-stadt-zons.de

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