SCHIFFSBRÜCKE AN DER ALTEN WUPPERMÜNDUNG IN LEVERKUSEN

EIN SCHIFF KANN EINE BRÜCKE SEIN

Die Ausrichtung der drei Masten im Jahr 2013 krönte den langen Kampf um die Schiffsbrücke. Viele Schwierigkeiten waren zu meistern gewesen, wie die Verlegung flexibler Versorgungsleitungen zu den schwimmenden "Pfeilern". (Foto: Silke Kammann)
Die Ausrichtung der drei Masten im Jahr 2013 krönte den langen Kampf um die Schiffsbrücke. Viele Schwierigkeiten waren zu meistern gewesen, wie die Verlegung flexibler Versorgungsleitungen zu den schwimmenden "Pfeilern". (Foto: Silke Kammann)
Den Kommandostand eines Schiffes nennt man bekanntlich Brücke, aber der Leverkusener Schiffsbrücke kommt man damit nicht auf die Spur. Das sehenswerte technische Denkmal an der alten Mündung der Wupper in den Rhein ist keine Wirkungsstätte für Kapitäne, sondern eine verkehrsgeschichtliche Rarität. Dass die Brücke nach Zeiten des Verfalls inzwischen wieder benutzt werden kann, verdankt sie einem unermüdlichen Förderverein. Zwanzig Jahre lang hat er sich dafür eingesetzt, Leverkusen einen traditionsreichen Ausflugsort zurückzugeben.

Viel Grün lockt zu Ausflügen per Rad oder zu Fuß - für Autos ist die Brücke nicht erreichbar.
Viel Grün lockt zu Ausflügen per Rad oder zu Fuß - für Autos ist die Brücke nicht erreichbar.
Die Geschichte der Leverkusener Schiffsbrücke begann um 1920 mit drei Holzbooten und einem simplen Steg. Fußgänger, da- runter viele Arbeiter der Bayer AG, konnten so bequem zwischen den damals noch selbstständigen Orten Rheindorf und Wiesdorf pendeln, die seit 1930 zu Leverkusen gehören. Brückenbetreiber war der Schiffer Heinrich Gless, der die Anlage jahrzehntelang immer wieder veränderte. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs installierte er mit städtischer Unterstützung eine neue Konstruktion aus Eisenpontons, die aber Mitte der 50er-Jahre durch Hochwasser auseinandergerissen wurde. Gless versuchte es daraufhin mit zwei, später mit drei Plattbodenschiffen als schwimmenden Trägern – einem Aalschokker, einer Tjalk und einem Klipper. Das Schiffstrio taufte der Brückenchef auf den Namensdreiklang Einigkeit und Recht und Freiheit.

Ein Fluss wird umgebettet

Schiffer Heinrich Gless an der Schiffsbrücke, an der er ursprünglich sogar Brückenzoll erhoben hatte. (Foto: Gisbert Bleikertz)
Schiffer Heinrich Gless an der Schiffsbrücke, an der er ursprünglich sogar Brückenzoll erhoben hatte. (Foto: Gisbert Bleikertz)
Zusammen mit der inzwischen verschwundenen Gaststätte
"Zur Wuppermündung" war die Schiffsbrücke in den 70er-Jahren ein beliebtes Ausflugsziel. Gleichzeitig veränderte sich der Mündungsbereich der Wupper allerdings dramatisch, weil der Bau einer großen Deponie die Verlegung des Flussbettes erforderte. Ein paar Hundert Meter rheinabwärts entstand jetzt eine ganz neue Mündung, während man die alte vom namengebenden Fluss komplett abtrennte. Als kurzer Nebenarm des Rheins existierte sie je- doch weiter – heute umgeben von einem Landschaftsschutzgebiet, das sich ideal zum Spazieren und Radfahren eignet.

Die Schiffsbrücke im Luftbild: Unten der Ponton, der den Rheinklipper "Einigkeit" von 1907 ersetzt, in der Mitte der 13 Meter lange Aalschokker "Recht" von 1924, oben die gut 17 Meter lange Tjalk "Freiheit" von 1902. (Foto: Karl Lange)
Die Schiffsbrücke im Luftbild: Unten der Ponton, der den Rheinklipper "Einigkeit" von 1907 ersetzt, in der Mitte der 13 Meter lange Aalschokker "Recht" von 1924, oben die gut 17 Meter lange Tjalk "Freiheit" von 1902. (Foto: Karl Lange)
Die am alten Platz verbliebene Schiffsbrücke wurde 1983 unter Denkmalschutz gestellt. Verfall und mutwillige Beschädigungen machten ihr aber schwer zu schaffen. 1992 ließ ein Brand die "Recht" sinken. Nachdem das Auftreten einer mysteriösen holländischen Firma schließlich auch noch die Eigentumsverhältnisse verunklart hatte, schien für ein Stück Leverkusener Identität endgültig das Aus gekommen zu sein. Der 1995 gegründete Förderverein "Schiffsbrücke Wuppermündung" aber setzte alles daran, sein marodes Patenkind zu retten. Nach Überwindung zahlloser technischer, finanzieller und bürokratischer Hürden wurde Richtfest gefeiert. Als dann auch noch Schiffsmasten, Elektroinstallationen und viele andere Dinge nachgerüstet waren, konnte Ostern 2014 die endgültige Inbetriebnahme der Brücke bejubelt werden – Café und Kiosk inklusive.

Buddelschiffe und Bundesverdienstkreuze

Auf dem Rheinuferweg blickt man Richtung Süden zur Leverkusener Autobahnbrücke. (Foto: Karl Lange)
Auf dem Rheinuferweg blickt man Richtung Süden zur Leverkusener Autobahnbrücke. (Foto: Karl Lange)
Anders als früher spielen heute nur noch die Schiffe "Recht" und "Freiheit" ihre tragenden Rollen für die Brücke, an die Stelle der "Einigkeit" ist hingegen ein Ponton getreten. Da man aber auch in Leverkusen den Wert der Einigkeit kennt, hat der Förderverein dem Klipper neue, Aufgaben zugedacht. Fahrbereit ankernd soll er eventuell Ausflüge auf dem Rhein ermöglichen. Drängender war indes die Entwicklung eines Nutzungskonzeptes für die Brücke selbst, die zusätzlich zum Imbissbetrieb ungewöhnlichen Raum für vielfältige Veranstaltungen bietet. Weinverkostungen, kriminalistische Lesun- gen, Konzerte, Buddelschiff-Bastelkurse und nicht zuletzt Aktionen für Kinder standen bereits erfolgreich auf dem Programm. "Brückenspaß voraus!", kann man da nur sagen – nicht ohne zu erwähnen, dass der Fördervereinsvorsitzende Karl Lange und die Geschäftsführerin Gabriele Pelzer wegen ihres von vielen Mitstreitern unterstützten Engagements mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurden.

Text: Ralf J. Günther
Über die Wupper und über der Wupper

Insgesamt fast 200 Brücken führen buchstäblich "über die Wupper". Wenige Flüsse in Deutschland werden dabei auf so außergewöhnliche Weise überquert und überspannt wie der Bergische Amazonas. Zwischen Remscheid und Solingen kreuzt ihn zum Beispiel die 1897 eröffnete Müngstener Brücke, Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke, die bereits seit einigen Jahren als Kandidatin für das UNESCO-Weltkulturerbe gehandelt wird. Fast noch ungewöhnlicher: Die Strecke der Wuppertaler Schwebebahn verläuft auf insgesamt zehn Kilometern zwölf Meter hoch über dem Fluss. Mit der Leverkusener Schiffsbrücke ist jetzt ein weiterer einzigartiger Zeuge der NRW-Verkehrsgeschichte wieder erlebbar – während zugleich der geplante Neubau der in Sichtweite liegen- den Leverkusener Rheinbrücke bald ein ganz neues Kapitel dieser Geschichte schreiben wird.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2016/Nr. 1


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen

20.09.2013, NRW-Stiftung

Die Freigabe der Schiffsbrücke hat sich leider verzögert, zunächst aufgrund von Hochwasser und dann wegen der großer Hitze, die ein Arbeiten auf der Schiffsbrücke zeitweise unmöglich machten. Die größte Verzögerung entstand aber durch Vandalismusschäden.

Aktuelle Informationen zum Sachstand auf der Internetseite des Vereins: www.schiffsbruecke.com
16.09.2013, Lothar Franke

hallo ihr Lieben,
ich vermisse die Aussage ob die Schiffbrücke nun tatsächlich geöffnet ist. Als alter Kölner misstraue ich solchen Vorhersagen, siehe kölner U-Bahnbau.
mfG
Lothar F


Die NRW-Stiftung unterstützte die Instandsetzung der Schiffsbrücke. Infos und Öffnungszeiten von Kiosk und Café unter www.schiffsbruecke.com

Googlemap aufrufenRheinuferweg 100
51371 Leverkusen-Rheindorf
www.schiffsbruecke.com/

Bookmark and Share