DAS HEIMHOF-THEATER BURBACH

BURBACHER BÜHNENBILDER

Der Bühnenraum des Heimhof-Theaters bewahrt nostalgische Atmosphäre, verfügt aber über moderne Technik.<br />
<br />
Bild: Förderverein Heimhoftheater e. V.
Der Bühnenraum des Heimhof-Theaters bewahrt nostalgische Atmosphäre, verfügt aber über moderne Technik.

Bild: Förderverein Heimhoftheater e. V.
Alfred Nobel wurde berühmt als Stifter des Nobel-Preises und als Erfinder des Dynamits. Dass er sich auch als Bühnenautor versucht hat, ist weniger bekannt, doch würde es ihm sicherlich gefallen, dass in einem einst von der Dynamit Nobel AG errichteten Gebäude seit fast sechzig Jahren Theater gespielt wird. Das Heimhof-Theater im siegerländischen Burbach benötigt zum Glück aber keinen Sprengstoff für zündende Programme. Dank namhafter Künstler und einer stilgerechten Sanierung springt der Funke hier ganz allein auf kreative Weise über.

Ursprünglich diente der hufeisenförmige Gebäudekomplex zur Unterbringung von Pferden. Der 22 Meter hohe ehemalige Wasserturm ist ein Wahrzeichen der Gegend.<br />
<br />
Bild: Förderverein Heimhoftheater e. V.
Ursprünglich diente der hufeisenförmige Gebäudekomplex zur Unterbringung von Pferden. Der 22 Meter hohe ehemalige Wasserturm ist ein Wahrzeichen der Gegend.

Bild: Förderverein Heimhoftheater e. V.
"Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken." Die Foyer-Inschrift erinnert daran, dass das Heimhof-Theater im Schillerjahr 1955 eröffnet wurde, in dem sich der Tod des Dichters zum 150. Mal jährte. Die grafische Gestaltung der Inschrift ist typisch für das Design der 50er Jahre, das sich in dem Theater bemerkenswert vollständig erhalten hat. Sogar die Original-Tapete im Zuschauerraum ist noch vorhanden. Passend zu diesem nostalgischen Flair lockt der Heimhof regelmäßig mit der Vorführung alter Filmklassiker. Da Nostalgie allein aber noch kein ausreichendes Programm ist, stehen aktuelle Live-Veranstaltungen im Vordergrund, wobei der Bogen vom Improvisationstheater über Konzerte bis hin zu Kabarett, Comedy und Kindervorstellungen reicht.

Explosiver Beginn

1955 wurde dem Ostflügel des Heimhofs ein Theaterfoyer vorgesetzt, das sich auch im Innern bis heute seine originale Gestalt bewahrt hat.<br />
<br />
Bild: Hedwig Nieland / LWL
1955 wurde dem Ostflügel des Heimhofs ein Theaterfoyer vorgesetzt, das sich auch im Innern bis heute seine originale Gestalt bewahrt hat.

Bild: Hedwig Nieland / LWL
Namhafte Künstler wie Dieter Hildebrandt oder Thomas Freitag gastierten im Heimhof-Theater, und TV-Entertainer Eckart von Hirschhausen führte hier schon Zauberkunststücke vor, als der große Fernsehruhm für ihn noch gar nicht absehbar war. Dabei dienten die 1917 errichteten Heimhof-Gebäude ursprünglich nicht Kultur und Kurzweil, sondern dem Vertrieb von Sprengmitteln, die damals aufgrund gesetzlicher Bestimmungen mit Pferdefuhrwerken ausgeliefert werden mussten. Nachdem bei einer Explosion in den Werksstallungen zahlreiche Pferde umgekommen waren, sollten die Tiere künftig abseits der eigentlichen Fabrikation gehalten werden. So entstand ein U-förmiger Komplex mit Ställen, Futterkammern, Wagenschuppen und Garagen. Der 22 Meter hohe Wasserturm wurde zum Wahrzeichen der Gegend.

Ein Mosaik aus Plakaten erinnert an die aus Tanz, Musik, Film, Kabarett und Schauspiel zusammengesetzte Theatergeschichte.<br />
<br />
Bild: Förderverein Heimhoftheater e. V.
Ein Mosaik aus Plakaten erinnert an die aus Tanz, Musik, Film, Kabarett und Schauspiel zusammengesetzte Theatergeschichte.

Bild: Förderverein Heimhoftheater e. V.
Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges diente der Heimhof zunächst noch als provisorische Unterbringung für auswärtige Arbeitskräfte. Danach wurde er bis 1929 seinem eigentlichen Zweck als Stallung zugeführt und anschließend ganz unterschiedlich genutzt, wobei er im Zweiten Weltkrieg zeitweilig sogar als Luftschutzraum fungieren musste. Als im Jahr 1951 eine Initiative das kulturelle Leben im Raum Burbach neu beflügeln wollte, erklärten sich die Eigentümer der Sprengstoff-Fabrik bereit, den Ostflügel der ehemaligen Ställe als Veranstaltungsstätte zur Verfügung zu stellen. So entstand zunächst der so genannte Heimhof-Saal. Die Theater-Ära im engeren Sinne begann dann 1955, dem Saal setzte man damals das noch heute existierende Foyer vor.

Geschichte in Plakaten

Der Innenraum des Theaterfoyers hat sich bis heute seine originale Gestalt bewahrt.<br />
<br />
Bild: Hedwig Nieland / LWL
Der Innenraum des Theaterfoyers hat sich bis heute seine originale Gestalt bewahrt.

Bild: Hedwig Nieland / LWL
Die alten Plakate im Backstage-Bereich zeugen bis heute von der Programmvielfalt, die es über Jahrzehnte hinweg im Heimhof zu erleben gab. Vom Kosaken-Chor bis zu "Wer hat Angst vor Virginia Wolf?" war es oft nur ein kleiner Schritt im Terminkalender. Da niemand das Theater grundlegend umgestaltete, konnte es sich seinen historischen Charme bis heute bewahren. Allerdings führte dringender Sanierungs bedarf im Jahr 2007 zu einer längeren Unterbrechung des Betriebs. Der Förderverein Heimhof-Theater e. V., der die Spielstätte im Jahr zuvor erworben hatte, fand damals zum Glück genug Unterstützer für einen stil- und denkmalgerechten Neuanfang, wobei der Verein auch Sanitäranlagen und Garderobenbereich an heutige Anforderungen und Vorschriften anpasste. Schon 2010 konnte das Theater neu eröffnet werden, der Spielplan bietet seitdem ein buntes kulturelles Kaleidoskop. Der erste reguläre Termin nach der Neueröffnung wurde im April 2010 von Kabarettist Fritz Eckenga bestritten. Sein Fazit: "Ich habe viele Theater gesehen, aber selten so ein schönes."
Natur und Kultur im Dreiländereck

An nur zwei Stellen bildet Nordrhein-Westfalen mit jeweils zwei anderen Bundesländern ein sogenanntes Dreiländereck. Bei Beverungen an der Weser stößt NRW mit Hessen und Niedersachsen zusammen, im siegerländischen Burbach mit Hessen und Rheinland-Pfalz. Burbach ist zugleich die südlichste Gemeinde Westfalens. Naturfreunde finden hier im Naturschutzgebiet Gambach eine der wenigen noch existierenden Wacholderheiden in NRW, Wanderer können den Rothaarsteig genießen. Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung förderte in Burbach unter anderem das Handwerksmuseum "Leben und Arbeiten" sowie die Restaurierung der Alten Schule und der Alten Vogtei, in der sich heute das Burbacher Kulturbüro befindet – mit einer Vorverkaufsstelle für die Veranstaltungen im Heimhof-Theater.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 1/2013


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen



Druckversion  [Druckversion]
Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützte den Förderverein Heimhof-Theater e. V. bei der Restaurierung der gleichnamigen Spielstätte in einem denkmalgeschützten Gebäude im siegerländischen Burbach-Würgendorf. Firmen oder andere Interessierte können das Theater auch komplett mieten.

Googlemap aufrufenHeimhof-Theater Burbach
Heimhofstraße 7a
57299 Burbach
Telefon: 0 27 36 / 5 09 68 50
www.heimhoftheater.de

Bookmark and Share