UNSER DENKMAL. WIR MACHEN MIT.

EHRENAMTLICHES ENGAGEMENT IN DER BAU- UND BODENDENKMALPFLEGE

Als "Domkidz" führen die jungen Ehrenamtlichen Anna Warnecke, Johanna Sous, Franz Harren und Karoline Stoschek (v.l.) Besucher durch den Aachener Dom.<br />
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Bild: Mark Ansorg
Als "Domkidz" führen die jungen Ehrenamtlichen Anna Warnecke, Johanna Sous, Franz Harren und Karoline Stoschek (v.l.) Besucher durch den Aachener Dom.

Bild: Mark Ansorg
Der Förderturm auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Erin in Castrop-Rauxel, Burg Blankenheim in der Eifel oder die Zitadelle in Jülich – ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen wären diese Bauwerke vermutlich abgerissen, verfallen oder vergessen. Heute jedoch sind sie denkmalgeschützt und für viele Menschen ein wichtiger Teil ihrer Heimat. Nun ist die Erhaltung und Pflege des gebauten kulturellen Erbes natürlich zuerst eine staatliche Aufgabe. Eine wichtige Rolle spielt aber auch in der Bau- und Bodendenkmalpflege zunehmend das Engagement ehrenamtlicher Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger, an die sich das Projekt "Unser Denkmal – Wir machen mit." richtet.

Was zeichnet ein Denkmal aus? Ist alles, was alt ist, ein Denkmal? Und was unterscheidet die "Obere Denkmalbehörde" von der "Unteren Denkmalbehörde"? – Noch vor den eigentlichen Pflegearbeiten stehen oftmals viele Fragen. Ausschlaggebend ist dabei letztlich, welche Entwicklungen ein Denkmal bezeugt und was es jetzt und in Zukunft zu erzählen hat. Nach diesem so genannten "Zeugniswert" sind nicht nur Burgen, Schlösser, Kirchen und andere kulturgeschichtlich oder touristisch prägnante Bauwerke denkmalwert. Auch Zeugnisse des ländlichen und städtischen Wohnens, Arbeitsstätten und Produktionshallen und mitunter gar Stätten der nationalsozialistischen Diktatur können diesen Kriterien entsprechen, bei denen es um geschichtliche Ereignisse, historische Bauformen, Handwerkstechniken oder Lebeweisen vergangener Epochen geht und um die Frage, wie dies für künftige Generationen bewahrt werden soll.

Fortbildung mit Theorie und Praxis

Haus Meer in Meersbusch.<br />
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Bild: Mark Ansorg
Haus Meer in Meersbusch.

Bild: Mark Ansorg
Viele Experten betonen, dass in der Denkmalpflege die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und den zuständigen Behörden gut ist. Hilfreich sind etwa Hinweise von Bürgern, die mit sehr genauen Orts- und Geschichtskenntnissen den Fachämtern helfen können, die mitunter selbst die Ärmel hochkrempeln und dabei helfen, anstehende Restaurierungsarbeiten zu organisieren. Dabei möchten die ehrenamtlichen Helfer jedoch auf Augenhöhe mit eingebunden werden. Eine 2011 durchgeführte Umfrage des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz und des Westfälischen Heimatbundes unter den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern zeigte, dass gut 80 Prozent der Befragten sich eine Stärkung der eigenen Position wünschen, sich mit Seminaren und Praxistipps fortbilden möchten und konkrete Leitlinien wünschen. Das Projekt "Unser Denkmal – Wir machen mit." setzt genau hier an. Eine Wanderausstellung, eine Broschüre und die Website www.unser-denkmal.de zeigen anhand von ausgewählten Beispielen, was in der Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Behörden beachtet werden muss, wie man richtig inventarisiert und dokumentiert, welcher Versicherungsschutz wofür nötig ist oder wie eine Maßnahme in der Öffentlichkeit richtig "vermarktet" werden kann.

Lernen, um Geschichte zu bewahren

In der Museumsschule in Hiddenhausen im Kreis Herford können Besucherinnen und Besucher bei Christa Gante Unterricht wie vor 100 Jahren erleben.
In der Museumsschule in Hiddenhausen im Kreis Herford können Besucherinnen und Besucher bei Christa Gante Unterricht wie vor 100 Jahren erleben.
Für manche Ehrenamtliche beginnt ihr Engagement mit einem Freiwilligen Jahr in der Denkmalpflege (FJD). "Wir lernen unheimlich viel. Das Freiwillige Jahr ist eine super Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.", sagen Jessica Petch und Julian Salber, die ein FJD absolvierten und dabei z. B. bei der Vermessung der Krypta von St. Peter in Zülpich geholfen haben. Für viele ist das Bewahren von Erinnerungen vor allem dann wichtig, wenn man damit auch die Öffentlichkeit erreicht: "Wir wollen gegen das Vergessen erzählen", erklärt Ulrich Bauhaus sein Engagement. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des Heimatvereins in Dingden hat er inmitten der Ortschaft das Haus der unter den Nationalsozialisten verfolgten Familie Humberg umfassend restauriert und als Gedenkstätte eingerichtet.

Mit großem persönlichen Einsatz restaurieren Vereinsmitglieder in Ennigerloh eine im Jahr 1869 errichtete Mühle, die sie vor dem Abriss bewahren konnten.<br />
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Bild: Mark Ansorg
Mit großem persönlichen Einsatz restaurieren Vereinsmitglieder in Ennigerloh eine im Jahr 1869 errichtete Mühle, die sie vor dem Abriss bewahren konnten.

Bild: Mark Ansorg
"Wenn man auch in die Vergangenheit schaut, begreift man die Gegenwart umso besser.", sagt auch Josef Gora, der ehrenamtlich seit rund 20 Jahren im Kreis Warendorf archäologisch und paläontologisch wertvollen Objekten auf der Spur ist und dabei etwa Feuersteinzeuge und Knochenreste von Höhlenlöwen und Wollnashorn fand. Selbst das Schädelfragment eines Neanderthalers war dabei – dieser sensationelle Fund beweist die frühe Anwesenheit unseres mutmaßlichen Urahns in Westfalen und ist heute im Archäologie-Museum in Herne zu bewundern. Dass aus einem anfangs eher belächelten Engagement eine Erfolgsstory werden kann, beweist das Engagement von Klaus Michael Lehmann aus Castrop-Rauxel. Dem Fotograf und einigen Freunden lagen die sichtbaren Zeugen des Bergbaus so sehr am Herzen, dass sie zuerst in einer lockeren Bürger-Initiative zusammenfanden und dann den Erin Förder-Turm-Verein gründeten. Gemeinsam erreichten sie, dass die schon offiziell zum Abriss freigegebenen Fördergerüste der Zeche Erin in Castrop-Rauxel und Herne unter Denkmalschutz gestellt und restauriert wurden. Beide Gerüste sind heute weithin sichtbare Wahrzeichen ihrer Städte, auf die die Verantwortlichen so stolz sind, dass sie nachts angestrahlt werden. "Bis heute ist es für mich fast ein Wunder, dass wir das geschafft haben", sagt Lehmann und er weiß, dass auch hier das Ehrenamt deutlich und nachhaltig Zeichen gesetzt hat.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 1/2013


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"Unser Denkmal. Wir machen mit."

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"Unser Denkmal. Wir machen mit." war ein Gemeinschaftsprojekt des Landschaftsverbandes Rheinland, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. und des Westfälischen Heimatbundes e.V., gefördert mit Mitteln der Projektträger sowie der Regionalen Kulturförderung des LVR und der LVR-Kulturstiftung.

Googlemap aufrufenIn den Jahren 2013 bis 2014 wurden an verschiedenen Orten in NRW die begleitende Wanderausstellung gezeigt. Nach Projektabschluss steht jetzt noch die Broschüre als Download zur Verfügung (siehe oben).

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