NATURSCHUTZGEBIET OLDEMÖLLS VENNEKEN IM KREIS BORKEN

NATURIDYLLE IM WESTMÜNSTERLAND

Die Dinkelaue bietet vielen Tieren und Pflanzen einen störungsarmen Lebensraum.<br />
Die Dinkelaue bietet vielen Tieren und Pflanzen einen störungsarmen Lebensraum.
Wer mit dem Finger blind und per Zufall auf ein Satellitenfoto des Münsterlandes tippt und sich dann ganz nah ins Bild zoomt, landet höchstwahrscheinlich auf einem Maisacker, vielleicht auch in einem Getreidefeld, auf einer Viehweide oder in einer Siedlung. Ein Glücksfall dagegen wäre die Punktlandung in einem naturnahen Wald oder einem intakten Gewässer. Oldemölls Venneken im Kreis Borken ist ein solcher Glücksfall. Ein 12,5 Hektar großes Dünengebiet mit einem Mosaik aus unterschiedlichen Waldtypen: alte Kiefern und Eichen auf den trockenen Rücken, Erlenbruchwald in den sumpfigen Senken.

Leser aus dem Münsterland mögen uns nachsehen, dass wir eine so eindeutige Benennung wie "Oldemölls Venneken" erklären, aber bereits für die meisten rheinischen Ohren klingt dieser plattdeutsche Flurname fremd und unverständlich. Das Venneken, also ein kleines Venn, bezeichnete hier eine sumpfige Niederung mit Heideweihern und Röhrichten. Im speziellen Fall gehörte das Venn seit alters her zu einer Hofstelle, die ihren Namen Oldemölle ("alte Mühle") von einer Wassermühle übernahm, welche schon im 14. Jahrhundert aufgegeben worden war. Wahrscheinlich war das Venneken einst größer, heute ist der Name für das abwechslungsreiche Waldgebiet reserviert. Es steht unter Naturschutz und liegt am Rand der Dinkelaue im Süden der Gemeinde Heek.

Ein Sumpf im Wandel

Bis zu einem Meter hoch wächst die Scheinzypergras-Segge.<br />
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<small>(Foto: biopix)</small>
Bis zu einem Meter hoch wächst die Scheinzypergras-Segge.

(Foto: biopix)
Während die sumpfigen Senken noch vor einigen Jahrzehnten als unwirtlich und minderwertig galten, wird im Kreis Borken heute viel dafür getan, grundwassernahe Lebensräume als Naturschutzflächen zu erhalten. Auch die Dinkelaue nördlich der Düstermühle soll abschnittsweise wieder zu einer echten Lebensader werden. Wo man in der Vergangenheit die Uferlinie verkürzt und Abflusshindernisse beseitigt hatte, macht man solche Eingriffe heute rückgängig. Der Fluss soll sein Bett selbst gestalten können und dadurch als Lebensraum gefährdeter Arten aufgewertet werden. Oldemölls Venneken ist dabei ein wichtiger ergänzender Baustein. Wegen des mosaikartigen Nebeneinanders unterschiedlich feuchter und nährstoffreicher Vegetationstypen ist die Flora sehr artenreich entwickelt. Stellvertretend für die üppige Krautschicht der nassen Senken seien Gelbe Schwertlilie, Sumpf-Blutauge und Wasserfeder genannt. Der besondere Reiz des Gebiets ist nicht nur seine idyllische Lage, sondern auch der geringe Erschließungsgrad. Wer Ruhe und Nähe zur Natur sucht, findet sie hier.

Brutbiotop und Vogelbad

Die zarten Blüten der Wasserfeder erinnern an ein Vergissmeinnicht, sind aber viel größer.<br />
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<small>(Foto: Richard Dom/piclease )</small>
Die zarten Blüten der Wasserfeder erinnern an ein Vergissmeinnicht, sind aber viel größer.

(Foto: Richard Dom/piclease )
Ruhe suchen auch viele Tiere, die das Naturschutzgebiet am Rand der Dinkelniederung bewohnen. In manchen Jahren ziehen Wespenbussard und Baumfalke in den hohen Kiefern ihre Jungen groß, an einem verschwiegenen Teich brüten Reiherente oder Zwergtaucher und von der Abenddämmerung an jagen Fledermäuse an den Waldrändern. An die 20 verschiedene Fisch- und Rundmaularten sind in diesem Abschnitt der Dinkel nachgewiesen, darunter auch das eigentümliche Bachneunauge. Ein besonders typischer Bewohner ist der Eisvogel. Von einer Sitzwarte aus stürzt er sich kopfüber ins Wasser, um Elritzen, Stichlinge und junge Forellen zu erbeuten. Geeignete Brutplätze findet der kleine hellblaue Jäger an senkrechten lehmigen Uferabbrüchen. Dort gräbt er sich eine etwa 70 cm lange Bruthöhle mit einem kleinen Kessel am Ende. Die einzige Unterlage für die etwa sechs Eier besteht aus Gräten und anderen anrüchigen Abfällen. "Dicke Luft" im Hause Eisvogel verursacht aber auch der Kot der Jungen, mit dem die Altvögel unweigerlich in Berührung kommen. Kein Wunder, dass sie ein starkes Bedürfnis nach Körperpflege haben. Immer wieder unterbrechen sie ihren Tagesablauf durch "Badestürze" in sauberes Wasser.

Füttern im Kreisverkehr

Das Bachneunauge profitiert von der Intaktheit des Biokomplexes.<br />
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<small>(Foto: Bernd Stemmer)</small>
Das Bachneunauge profitiert von der Intaktheit des Biokomplexes.

(Foto: Bernd Stemmer)
Wo wir schon das Familienleben des faszinierenden Uferbewohners ausleuchten: Wie versorgt man eigentlich eine Eisvogel-Kinderschar im Dunkel einer Höhle? Eine einfache Tischordnung garantiert zumindest, dass es gerecht zugeht: Wie in einem kleinen Karussell sitzen die Jungen im Kreis. Wenn ein Altvogel an der Mündung der Niströhre landet, verdeckt er das einfallende Licht und ruft leise. Die Jungen lernen rasch, dass dieses Signal eine Mahlzeit ankündigt. Wer gerade am nächsten zum Eingang sitzt, streckt den Eltern den offenen Schnabel entgegen und nimmt ein Fischchen in Empfang. Geht das Licht im Eingang wieder an, weil der Altvogel abgeflogen ist, dreht das Junge sein Hinterteil in Richtung Ausgang, schießt meist noch seinen flüssigen Kot ab und setzt sich wieder zurück in den Kreis. Dann rücken alle Jungen eine Position weiter. Auf diese Weise kommen sie gleich häufig an die Reihe.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2/2012


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Für den nachhaltigen Schutz der Dinkel hat die NRW-Stiftung im Kreis Borken Flächen mit einem naturnahen Bachverlauf und reichhaltigem Arteninventar erworben. Das Gebiet wird von der Naturfördergesellschaft für den Kreis Borken betreit

Googlemap aufrufenDas Naturschutzgebiet Dinkelaue liegt zwischen Heek und Legden. Ein Wanderweg (größtenteils Feldweg) startet am Gasthof Düstermühle in Legden.

Naturfördergesellschaft für den Kreis Borken e.V.
Burloer Straße 93
46325 Borken
Internet: www.nfg-borken.de

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