DIE RAUCHGASKAMINE IN BESTWIG

FÜCHSE AUS BRUCHSTEIN

Die sogenannten "Füchse" leiteten giftige Gase aus den Bleigruben ab.<br />
<br />
<small>(Foto: Gemeinde Bestwig)</small>
Die sogenannten "Füchse" leiteten giftige Gase aus den Bleigruben ab.

(Foto: Gemeinde Bestwig)
Kamin-Romantik lässt sich am besten an Winterabenden genießen. Doch in der sauerländischen Gemeinde Bestwig am Rande des Arnsberger Waldes kann man auch bei sommerlichen Temperaturen herrliche Stunden am Kamin verbringen. Den Schürhaken braucht man dabei nicht – empfehlenswert wäre aber ein Fernglas.

Es sind zwei mächtige Rauchgaskamine, von denen hier die Rede ist, Überreste eines ehemaligen Bergbaugebietes, in dem schon vor einem halben Jahrtausend Blei-, Zink- und Silbererze verhüttet wurden. Nach dem heute zu Bestwig gehörenden Ort Ramsbeck heißt es das "Ramsbecker Revier". Unter den Preußen entstand hier 1835 am Fuß des 745 Meter hohen Bastenbergs eine neue Bleihütte. Ihre Abgase mussten aufgrund behördlicher Auflagen ab 1854 über einen Kanal aus Bruchsteinmauerwerk – den sogenannten Fuchs – hinauf zu einem Kamin in der luftigen Höhe des Bastenbergs geleitet werden. Die Hütte ist seit 1907 stillgelegt, der Kamin steht aber immer noch. Fuchs und Kamin gibt es auch auf dem Steinberg in Bestwig-Ostwig – jedoch nur aufgrund einer Fehleinschätzung. Denn nachdem die Ramsbecker Gruben durch die Stolberger Zink AG übernommen worden waren, hoffte man auf das "größte Industriezentrum Europas". Ein Millionenbetrag floss 1853 in den Bau der neuen Friedrich-Wilhelm-Hütte in Ostwig. Doch die Hoffnungen schmolzen ebenso schnell dahin wie das Erz, dessen Ergiebigkeit man überschätzt hatte. Die Bauarbeiten wurden schon nach zwei Jahren wieder eingestellt.

Bequeme Rast und gute Aussicht: Station des Wanderwegs.<br />
<br />
<small>(Foto: Gemeinde Bestwig)</small>
Bequeme Rast und gute Aussicht: Station des Wanderwegs.

(Foto: Gemeinde Bestwig)
Der nie in Betrieb genommene Steinberg-Kamin bietet inzwischen andere Perspektiven. Auf Initiative der Ostwiger St.-Antonius-Schützenbrüderschaft ist er durch eine Wendeltreppe und eine Plattform zum Aussichtsturm mit fantastischen Blicken über das Ruhr- und Elpetal geworden. Zudem hat ihn der LWL im Mai 2011 zum Denkmal des Monats gekürt, denn vergleichbare Industrierelikte findet man in Deutschland nur noch an drei anderen Orten – und natürlich am Bastenberg. Um den dortigen Rauchgaskamin kümmert sich seit 1982 der "Kamin-Fahnen Förderverein". Ihm ist ein kleines Lorendenkmal zu verdanken. Er organisiert auch Feste und hat eine Fahneaufgepflanzt – eine echte, keine Rauchfahne.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2/2012


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen



Die NRW-Stiftung unterstützte die Sanierung des Rauchgaskamins Bestwig auf dem Bastenberg und des Rauchgaskamins Ostwig auf dem Steinberg.

Googlemap aufrufenDer kürzlich eröffnete Bergbau-Wanderweg Ramsbeck führt auf rund zehn Kilometern an zwölf Stationen mit Bergbaurelikten der ehemaligen Blei- und Zinkgrubenbetriebe vorbei. Eine der Stationen ist auch der Rauchgaskamin Bestwig.

Informationen unter 02905 523 oder www.bestwig.de

Bookmark and Share