THIERGARTEN-WANDERWEG BEI ARNSBERG

VOM SEUFZERTAL ZUR RÜDENBURG

Hohlwege und Wälle im Wald sind häufig geschichtsträchtige Orte
Hohlwege und Wälle im Wald sind häufig geschichtsträchtige Orte
Kennen Sie das Herzogtum Westfalen? So wurde früher jener Teil des Sauerlandes genannt, den die Kurfürsten von Köln regierten. In diesem "kölnischen Sauerland" liegt zum Beispiel die Stadt Winterberg, in der sich die Menschen heute gerne bei Ski und Rodel erholen. Aber auch die Kurfürsten selbst kamen schon zur "erlustigung und recreation" ins Herzogtum Westfalen, wo sie in der Umgebung ihrer Residenz Arnsberg das Waidwerk betrieben. Bei Arnsberg lag auch der Kurfürstliche Tiergarten, eine historische Landschaft, die sich heute auf einer erlebnisreichen Wanderroute entdecken lässt. In vielen Stationen führt sie durch reizvolle Natur und erzählt Geschichte und Geschichten – zum Beispiel von der uralten Rüdenburg oder vom gefallenen Schiller.

Das Wort Tiergarten sorgt heutzutage manchmal für Verwirrung, denn viele denken dabei an einen Zoo. Doch barocke Tiergärten waren keine publikumswirksamen Tierschauen, sondern exklusive herrschaftliche Jagdreviere in der Nähe von Schlössern und Residenzen. So ließ auch der Kölner Kurfürst Maximilian Heinrich in den 1650er Jahren ein etwa 250 Hektar großes Gelände westlich von Arnsberg zur Hege des Wildes anlegen, das ihm reiche Jagdstrecken garantieren sollte. Den Untertanen verlangte der adlige Lieblingssport viele Mühen ab: Sie mussten bei den landesherrlichen Jagden oft anstrengende Hilfsdienste leisten und wurden für Wildschäden auf ihren Feldern nicht entschädigt.

Einladung in die Natur

Eine Köhlerhütte verweist auf das in Deutschland fast ausgestorbene Handwerk
Eine Köhlerhütte verweist auf das in Deutschland fast ausgestorbene Handwerk
Anders als früher steht der Arnsberger Tiergarten heute jedermann offen. Es ist eine Einladung an alle, die Landschaft, Geschichte und die Bewegung in der Natur lieben. Als Teil des "Waldreservats Obereimer" gehört das Areal zu den europäischen "Natura 2000-Gebieten", wobei sich der Eichen-Hainbuchenwald in einer elf Hektar großen Naturwaldzelle sogar ganz ohne menschliche Eingriffe entwickeln darf. Insgesamt kommen im Waldreservat 159 verschiedene Pflanzenarten und 36 besonders geschützte Tierarten vor. Bei der Wanderroute wurde daher sehr auf Naturverträglichkeit geachtet.

Nicht weniger als 41 Wegestationen informieren über Sehens- und Staunenswertes. Da wäre zum Beispiel das "Seufzertal", das einst vom Klagen der Pest-, Cholera- und Leprakranken erfüllt war, die abseits der Stadt in einem Siechenhaus ihre Tage verbringen mussten. Aber auch Wolfsjagden, die Köhlerei, ja sogar Eisenbahn- und Bergwerksgeschichte werden thematisiert, und nicht zuletzt erfährt man mehr über die Bedeutung Arnsbergs als Standort der staatlichen NRW- Forstverwaltung, die hier Lehr- und Versuchseinrichtungen unterhält. In handlicher Form bietet ein ausführlicher Erlebniswanderführer Themen und Tipps zur Ausflugsvorbereitung und zum Nachlesen.

Eine Burg aus uralten Zeiten

Das Rittergut Obereimer: Einst war es das Torhaus des Hauses Obereimer, heute beherbergt das Gemäuer das Forstamt Arnsberg.
Das Rittergut Obereimer: Einst war es das Torhaus des Hauses Obereimer, heute beherbergt das Gemäuer das Forstamt Arnsberg.
Zu den Höhepunkten der Strecke – auch im wörtlichen Sinn – zählen die Reste der Rüdenburg, die fast 300 Meter hoch über den Tälern von Ruhr und Walpke liegen. Die Anfänge der "Alten Burg", wie sie manchmal zu Recht genannt wird, führen in eine ferne Vergangen- heit zurück. Vor über 900 Jahren wurde die Rüdenburg von einem mächtigen Grafengeschlecht erbaut, aber bereits im 14. Jahrhundert dem Verfall überlassen! Kein Wunder, dass sich Sagen um die Ruinen spinnen wie etwa die von der geheimnisvollen "ledernen Brücke", über die einst die Burgbewohner ihren Feinden entkamen – die aber zerriss, als letztere ihnen zu folgen versuchten. Die vor kurzem wieder aufgenommene archäologische Erforschung und Sicherung der Rüdenburg wird in den kommenden Jahren unter Leitung des Burgen- experten Joachim Zeune und mithilfe der NRW-Stiftung fortgesetzt, damit Besucher eines der wertvollsten Bodendenkmäler Nordrhein- Westfalens wieder besser erleben können. Denn auch wenn die Archä- ologen sicherlich keine lederne Brücke finden werden – Brücken in die Vergangenheit können sie trotzdem für uns bauen.
Der gefallene Schiller

Diese handgezeichnete Karte von 1653 stand am Anfang. Wie ein Detektiv sicherte der Arnsberger Förster Wolfram Blanke die Spuren der Heimat- und Wirtschaftsgeschichte.
Diese handgezeichnete Karte von 1653 stand am Anfang. Wie ein Detektiv sicherte der Arnsberger Förster Wolfram Blanke die Spuren der Heimat- und Wirtschaftsgeschichte.
Goethe steht aufrecht, Schiller liegt danieder – zumindest im "Kurfürstlichen Thiergarten Arnsberg". Zwar haben die beiden Dichter nie persönlich den Weg hierhin gefunden, dafür wurden aber zwei besonders eindrucksvolle Bäume nach ihnen benannt. Schon vor über 100 Jahren als Naturdenkmäler eingetragen, hat das 21. Jahrhundert ihnen nun unterschiedliche Schicksale bereitet. Die Goethe-Eiche ragt wie schon seit etwa 350 Jahren weiter empor, die Schiller-Buche hingegen wurde 2007 vom Sturmtief Kyrill zu Fall gebracht. Es wird allerdings noch Generationen dauern, bis ihr hölzerner Torso endgültig vergangen ist, wie Bernward Selter, der Autor des Erlebniswanderführers betont. Im Übrigen ist gerade Totholz ein unabdingbares Merkmal naturnaher Wälder, ohne das viele Pilz-, Käfer- und Vogelarten nicht existieren können.
Weitere Informationen:

Die kulturhistorische Route im "Kurfürstlichen Thiergarten Arnsberg" ist ein 12 km langer Wanderweg nahe bei Arnsberg. Von verschiedenen Zugängen aus können Sie den mit der Sauerland-Waldroute und dem Ruhrtalradweg vernetzten Rundweg begehen.

Die Station 1 liegt in unmittelbarer Nähe zur Jägerbrücke/Jägerhaus, Ecke Wennigloherstraße/Thiergartenstraße in Arnsberg.

Genaue Anfahrtsinformationen finden Sie auf www.erlebnis-waldkultur-arnsberg.de. Dort stehen auch GPS-Daten des Rundwanderweges zur Verfügung.

Der Arnsberger Heimatbund e.V. hat einen informativen Film über den Thiergarten auf YouTube eingestellt. Klicken Sie hier: www.youtube.com/watch?v=wIM9CcZxtkQ

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 1/2013


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Der Eintritt ist generell frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützte den Arnsberger Heimatbund dabei, einen neuen Wanderweg durch den historischen "Thiergarten" anzulegen.
www.erlebnis-waldkultur-arnsberg.de

Googlemap aufrufenStart:
Jägerbrücke Arnsberg
Ecke Wennigloherstraße/Thiergartenstraße
59821 Arnsberg
www.erlebnis-waldkultur-arnsberg.de

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