DIE REFORMATION IM REVIER

DIE REFORMATION IM REVIER

Mit bizarren Masken versuchten sich die Ärzte gegen die Pest zu schützen
Mit bizarren Masken versuchten sich die Ärzte gegen die Pest zu schützen
Als Martin Luther 1522 auf der Wartburg in Thüringen die Bibel ins Deutsche übersetzte, konnte er nicht ahnen, dass das Buch der Bücher auch einmal in einer "Schalke 04-Edition" erscheinen würde. Ein Exemplar davon findet man in der Ausstellung des Gladbecker Luther Forums, wo die Geschichte der Reformation im Ruhrgebiet nicht nur in großen Zusammenhängen, sondern auch anhand vieler vergnüglicher Details erzählt wird. Der berühmte Reformator selbst würde bei einem Rundgang die Lutherbibel und die von ihm entworfene Lutherrose sofort wiedererkennen – über Lutherkekse, Lutherbier und Lutherbonbons aber wohl eher staunen.


Geld gegen Sündenstrafen

Das Lutherforum
Das Lutherforum
Das ausgehende Mittelalter, in das Martin Luther im Jahr 1483 hineingeboren wurde, war eine Epoche voller Gegensätze. Während der von Johannes Gutenberg erfundene Buchdruck die Informationsvermittlung technisch revolutionierte, blühte zugleich eine wundergläubige und oft naive Religiosität. Die sogenannten Ablassbriefe nährten die Hoffnung der Menschen, sie könnten sich oder ihre Angehörigen von Sündenstrafen freikaufen.

Der Handel mit Ablässen wurde dadurch zum einträglichen Geschäft, mit dem die päpstliche Kurie unter anderem den Neubau des Petersdoms in Rom finanzierte. Als Martin Luther sich 1517 mit seinen 95 Thesen scharf gegen den Ablasshandel wandte, leitete er damit eine kirchliche Erneuerungsbewegung ein, die schließlich in einer eigenständigen Konfession mündete.


Über vier Ebenen erstreckt sich die Ausstellung im Forum
Über vier Ebenen erstreckt sich die Ausstellung im Forum
Das Luther Forum in Gladbeck zeichnet den Einfluss der evangelischen Kirche auf jene Region nach, die seit der Industrialisierung "Ruhrgebiet" genannt wird. Dabei geht es oft um Themen, an die man zunächst kaum denken würde. So ist es weitgehend in Vergessenheit geraten, dass auch die Zuwanderung von Arbeitskräften in die aufblühende Ruhrindustrie etwas mit der Konfessionsgeschichte zu tun hat:

Katholische Unternehmer warben Arbeiter gerne in den katholisch geprägten Gegenden des heutigen Polens an, evangelische Industrielle hingegen bevorzugten Protestanten aus Masuren. Weil Letztere sich vor allem im Raum Gelsenkirchen konzentrierten, war auch der Fußballverein Schalke 04 lange von evangelischen Mitgliedern masurischer Abstammung geprägt. Ganz anders sah es hingegen bei Borussia Dortmund aus, einem Verein, der 1909 aus einer katholischen Jugendorganisation hervorgegangen ist.

Markenzeichen Luther

Die Lutherrose - Luthers "Markenzeichen"
Die Lutherrose - Luthers "Markenzeichen"
Der Rundgang durch die vier Ebenen des Luther Forums bietet eine große Fülle von Eindrücken aus Kunst, Politik, Musik und Alltag. Ein mehrfach wiederkehrendes Leitmotiv ist dabei die Lutherrose, jenes "Logo", das Martin Luther selbst entworfen hat, um damit die Echtheit seiner Briefe und Botschaften zu beglaubigen. Es zeigt auf weißer Blüte ein schwarzes Kreuz in einem roten Herz und wurde von dem Reformator als "Merkzeichen" seiner Theologie bezeichnet. Heutzutage ist der Name Luther übrigens auch zum Markenzeichen für Produkte mit eher kalorienhaltigen Botschaften geworden. Das beweist eine Vitrine, in der neben Lutherbrot und Lutherbier auch die von der evangelischen Kirche als Werbemittel eingesetzten Lutherbonbons liegen – die sogar ihre eigene Internetseite haben!
Medien machen Geschichte

Eine besondere Attraktion im Luther Forum ist der von der NRW-Stiftung mitfinanzierte Medientisch, der wie ein überdimensionales elektronisches Buch funktioniert. Paradox: Man blättert hier völlig papierlos ausgerechnet in einem Kapitel der Geschichte, für das bedrucktes Papier von ganz besonderer Bedeutung war. Denn in den Meinungsstreitigkeiten der Reformationszeit wurden so häufig Flugblätter eingesetzt, dass das 16. Jahrhundert dadurch einen ersten Höhepunkt in der Geschichte der Massenmedien markierte.

Das Gegenstück zum Medientisch bildet im Luther Forum der funktionsfähige Nachbau einer Druckerpresse, wie sie von Johannes Gutenberg erfunden wurde. Kinder haben unter Anleitung die Möglichkeit, in das Kostüm eines mittelalterlichen Buchdruckers zu schlüpfen und sich selbst an der handbetriebenen Maschine zu versuchen, nach der wir Zeitungen noch heute als "Presse" bezeichnen.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2/2011


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Die NRW-Stiftung half dem Martin Luther Forum Ruhr dabei, im Gemeindezentrum
der denkmalgeschützten Markuskirche in Gladbeck eine Dauerausstellung über die Reformation im Ruhrgebiet einzurichten. Gemäß der Aufgabe als "Forum" werden außerdem zahlreiche Seminare, Diskussionsrunden und andere Veranstaltungen angeboten.

www.lutherforum-ruhr.de

Googlemap aufrufenMartin Luther Forum Ruhr
Bülser Straße 38
45964 Gladbeck
Telefon: 0 20 43 / 7 84 97 12
www.lutherforum-ruhr.de

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