RELIQUIENSCHREINE IM KLOSTER BENTLAGE

UNIVERSUM MITTELALTERLICHER FRÖMMIGKEIT

Kunstvolle Verzierungen schmücken die Knochen.
Kunstvolle Verzierungen schmücken die Knochen.
Den schlichten Mauern des Klosters Bentlage in Rheine ist nicht anzusehen, welche Kostbarkeiten sich dahinter verbergen: Zwei reich verzierte Schreine aus der Zeit um 1490, die mit Dutzenden von Knochen gefüllt sind. Diese Reliquien erinnern an eine Welt frommer Heiligenverehrung und mittelalterlichen Wunderglaubens. Die Mönche jener Zeit waren davon überzeugt, dass Gebete vor den Schreinen Gehör finden würden. Denn Knochen, die von Heiligen stammten, schrieben sie wundersamen Kräfte zu.

Kreuzherren gründeten 1437 Kloster Bentlage.
Kreuzherren gründeten 1437 Kloster Bentlage.
Die beiden Schreine im Kloster Bentlage bergen mehr als 100 solcher Reliquien. Ein kleines Universum mittelalterlicher Frömmigkeit nimmt den Besucher unserer Tage gefangen. Schritt für Schritt erkundet der Betrachter Farben, Formen, Aufbau und Bedeutung der Kunstwerke. Und auch ein Hauch der Ehrfurcht, die die Gläubigen des Mittelalters vor den Schreinen ergriffen haben mag, lässt sich erahnen. Denn hier, bei den Reliquien, fühlten sie sich der Person des Heiligen besonders nahe. Deshalb versprachen die vor den Schreinen vorgetragenen Bitten um Heilung von Krankheit oder das Ende von Hunger und Krieg die besten Erfolgsaussichten.

Die Inschrift erzählt von der wechselhaften Geschichte des Klosters.
Die Inschrift erzählt von der wechselhaften Geschichte des Klosters.
Die Wunderkraft, die den Reliquien zugeschrieben wurde, erklärt die prachtvolle Ausstattung ihrer Umhüllung. Einer der Bentlager Schreine ist aufwändig mit Mustern und Figurenbildern geschmückt. Der so genannte Schädelschrein lässt den Blick auf die Gebeine der Heiligen zu. Auf den Goldgrund der Innenwand sind Dutzende Reliquien geheftet. Brokat, Seide, Edelsteine und Bergkristalle zieren die Knochen und Schädel. Solch wertvolle Zeugnisse sakraler Kunst aus der Zeit der Vorreformation – das prachtvolle Relief entstand 1499 – suchen ihresgleichen in Deutschland. Darüber hinaus beherbergt das Kloster Bentlage noch weitere Schätze: Sandsteinskulpturen von Heinrich Brabender. Im Jahr 1500 vollendete er Apostelfiguren, die eindrucksvoll den künstlerischen Wandel von der Spätgotik zur Renaissance veranschaulichen.

Die Bibliothek der Europäischen Märchengesellschaft im Obergeschoss
Die Bibliothek der Europäischen Märchengesellschaft im Obergeschoss
Das Obergeschoss des Klosters dient als "Westfälische Galerie". Die Arbeiten stammen aus den Beständen des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und dokumentieren die Entwicklung der Moderne in Westfalen seit 1900. Werke expressionistischer Künstler wie Morgner, Viegener, Böckstiegel, Rohlfs oder Mense sind ebenso darunter wie Arbeiten von Josef Albers, Fritz Levedag und Wilhelm Imkamp, die der Bauhaus-Stil beeinflusst hat. Die Kunstentwicklung von 1945 bis heute zeigen wechselnde Ausstellungen aus den Beständen des Landesmuseums und der Westfälischen Provinzial Feuersozietät.

Und wem die Wunderkraft der heiligen Reliquien noch nicht genug ist, der kann sich im Nordflügel in die Welt des Übersinnlichen begeben. Hier ist die Bibliothek der Europäischen Märchengesellschaft untergebracht.


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt ermäßigt.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die beiden Reliquienschreine des Klosters Bentlage wurden auf Initiative des dortigen Fördervereins restauriert. Die finanziellen Mittel dazu kamen von der NRW-Stiftung, der Stadt Rheine und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Kloster Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine
Telefon: 0 59 71 / 91 84 00
www.kloster-bentlage.de

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