INSTITUT FÜR UMWELT- UND ZUKUNFTSFOSCHUNG/STERNWARTE

BLICK INS ALL

Der legendäre Sputnik-Keller ist vor kurzem restauriert worden.
Der legendäre Sputnik-Keller ist vor kurzem restauriert worden.
Lautlos segelt der erste Weltraumbesucher am 4. Oktober 1957 durchs All. Nur die Radiosignale des russischen Sputnik rasen unhörbar in Richtung Erde. In einem kleinen Keller in der Sternwarte Bochum werden sie aufgefangen und sorgen so für eine Sensation. Denn nirgends sonst in Deutschland – und zeitweilig in ganz Europa – können die Signale des Weltraumpioniers direkt empfangen werden. Die Sternwarte Bochum ist so die einzige deutsche Quelle für Informationen, die über die der russischen Dienststellen hinausgehen. Der Satellit rückt das Ruhrgebiet in den Mittelpunkt der Weltraumforschung. Der kleine Raum, in dem die Signale empfangen wurden, ist bis heute als "Sputnik-Keller" legendär.

Weg vom Smog der Großstadt wollte Kaminski die Sternwarte bauen.
Weg vom Smog der Großstadt wollte Kaminski die Sternwarte bauen.
Die Bochumer nennen die Sternwarte scherzhaft "Kap Kaminski" – nach ihrem Gründer Heinz Kaminski. Nach Ende des 2. Weltkriegs machte der Chemieingenieur und Hobbyastronom seinen Traum wahr und begann, eine Volkssternwarte aufzubauen. Er wollte den Blick der Menschen inmitten von Trümmern auf etwas richten, was unveränderlich schön bleibt: die Sterne und Planeten. 1953 wurde Kaminski hauptamtlicher Leiter. 1956 errichtete er eine Außenstelle mit zwei Kuppelbauten auf dem Bockenberg – bis heute Standort der Sternwarte. Mit der Sputnik-Sensation 1957 kam der Ruhm. Seitdem galt der Professor als Autorität auf seinem Gebiet. Die Volkssternwarte Bochum wurde zu einer ersten Anlaufstelle für Journalisten aus ganz Deutschland. Auch als am 12. April 1961 Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall fliegt, belagern sie tagelang das Haus Kaminskis.

Im Großformat wird das Bild der Erde gezeigt. Quelle: EUMETSAT
Im Großformat wird das Bild der Erde gezeigt. Quelle: EUMETSAT
Im Oktober 1999 erlitt das "Kap Kaminski" einen schweren Schlag, als die kugelförmige Hülle des Radar-Doms (kurz: Radom) in sich zusammenfiel und einen Großteil der Inneneinrichtung dabei zerstörte. Mit Spenden zahlreicher Bürger der Region sowie öffentlichen und Stiftungsgeldern wurden die Räume wieder aufgebaut. Heute wird hier das Bild der Erde aus dem Weltall empfangen und großflächig gezeigt. Besondere Angebote vermitteln außerdem ein authentisches Bild der technischen Entwicklung rund um die Weltraumforschung: Museumsstücke der Warte sind unter der kuppelförmigen Traglufthalle ausgestellt. Diese besteht aus 161 vernähten Polyesterbahnen, die durch einen von drei Gebläsen erzeugten Überdruck aufrecht werden. Das Schmuckstück der Sternwarte, der Sputnik-Keller, wurde originalgetreu rekonstruiert.

Heinz Kaminski und sein Nachfolger Thilo Elsner
Heinz Kaminski und sein Nachfolger Thilo Elsner
Heute betreibt das Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung (IUZ) die Sternwarte. Sie ist eingerichtet als Museum zur Weltraumfahrt, sowie als Agenda 21-Zentrum NRW. Das Aktionsprogramm Agenda 21 der UNO beschäftigt sich mit der nachhaltigen Entwicklung unserer Erde. Heinz Kaminski sah die Hauptaufgabe des Instituts "in der Verdeutlichung der Agenda 21. Weil wir exklusiv die Möglichkeit besitzen, die Erde live aus dem Weltall darzustellen und zu zeigen, wie der Mensch leben müsste." Im Jahre 2002 verstarb der Wissenschaftler im Alter von 80 Jahren. Die Sternwarte wird von seinem Nachfolger Thilo Elsner weitergeführt. Die Blicke der Öffentlichkeit bleiben nach Bochum gerichtet...


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützte die Volkssternwarte Bochum bei der Wiederherstellung der Räume, die beim Einsturz der Radom-Hülle zerstört wurden.

Googlemap aufrufenInstitut für Umwelt- und Zukunftsforschung / Sternwarte
Blankensteiner Straße 200 a
44797 Bochum
Telefon: 02 34 / 4 77 11
www.sternwarte-bochum.de

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