FACHWERKHAUS "STEINRÜCKEN 1" IN SUTTROP

EIN STÜCK SUTTROPER GESCHICHTE IST WIEDER LEBENDIG

Vor Sanierungsbeginn war das Fachwerkhaus in Suttrup mehr als abbruchreif.
Vor Sanierungsbeginn war das Fachwerkhaus in Suttrup mehr als abbruchreif.
Völlig heruntergekommen, abbruchreif und in den Augen vieler Bürger ein echter Schandfleck: Dem alten Fachwerkhaus, gelegen am Schnittpunkt der Kleinbauernsiedlung am Steinrücken im Warsteiner Ortseil Suttrop, drohte knapp 250 Jahre nach seiner Erbauung die Abrissbirne. Wann immer das Gespräch auf das denkmalgeschützte Suttroper Kleinod kam, so waren sich alle Einwohner einig: "Diese alte Rattenburg muss abgerissen werden!"

Nach einem Brandunglück im Jahr 1985 stand das ehemalige Wohn- und Gasthaus leer und fristete seitdem ein trauriges Dasein. Das einst ortsbildprägende und imposante Gebäude verlor mehr und mehr an Substanz. Die zum Teil von Feuerspuren gezeichneten Fenster wurden mit Brettern zugenagelt, das Dach war so undicht, dass bei schlechter Witterung Regenwasser hätte kübelweise gesammelt werden können. Manfred Wagner, Heribert Weber und Heinz Weiken, allesamt Suttroper Bürger, nahmen die stetige Verschlechterung des Kulturgutes mit großer Sorge zur. Um Geld für die aufwendige Sanierung aufzutreiben und das bedrohte Haus aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken, gründeten sie eine Immobiliengesellschaft. Von Anfang an war das Ziel, es für soziale und kulturelle Zwecke zu nutzen. Mit Beginn der Sanierungsmaßnahmen im April 2009 wich die anfängliche Skepsis der Bevölkerung, das Haus wieder zu einem Blickfang des Stadtteils machen zu können. Die Gemeinde verfolgte das Treiben auf der Baustelle sogar zusehends mit lebhaftem Interesse.

Das alte Kleinod im Warsteiner Ortsteil Suttrop ist wieder zu einem Hingucker und Publikumsmagneten geworden.
Das alte Kleinod im Warsteiner Ortsteil Suttrop ist wieder zu einem Hingucker und Publikumsmagneten geworden.
Sanierung mit Hindernissen
Obwohl die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten mit hoher Kompetenz geplant, koordiniert und durch einen denkmalerfahrenen Architekten begleitet wurden, ging die Wiederherstellung des Kleinods keineswegs ohne Probleme vonstatten. Beim Aushub für die Toiletten beispielsweise drohten die Grundmauern nach innen abzurutschen, so dass erhebliche Stützmaßnahmen mit Beton im Keller erforderlich waren. Auch die Zimmereiarbeiten, insbesondere an der Aufhängung des Dachstuhls, waren schwieriger als zunächst gedacht. Für den später geplanten Ausbau des Dachbodens musste die Aufhängung gänzlich geändert werden.

Von Baugerüsten umgeben: Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus wurde eineinhalb Jahre restauriert.
Von Baugerüsten umgeben: Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus wurde eineinhalb Jahre restauriert.
Unzählige kleine Balkensegmente, nach den im 19. Jahrhundert bekannten Konstruktionsstandards verbaut, mussten zudem in mühevoller Kleinarbeit mit Holzverzapfungen erneuert werden – gänzlich ohne den Einsatz von Eisennägeln.
Weiterer Problempunkt: die Verwendung von Lehmmörtel und Lehmziegeln. Denn schließlich sollten ursprüngliche Materialien für das Mauerwerk, beim Innenputz, bei der Isolierung und beim Fachwerkputz zum Wiederaufbau verwendet werden. Die Beschieferung der beiden Fassaden und des Daches mit Naturschiefer wurde durch hiesige Fachhandwerker in historischer Decktechnik durchgeführt. Bei Fenstern, Türen sowie dem Dielentor mussten strenge Denkmalvorschriften eingehalten werden, was die Arbeit zusätzlich erschwerte. "Ein bisschen Verrücktheit gehört schon dazu, ein solches Vorhaben überhaupt in Angriff zu nehmen", so Heinz Weiken, Mitgründer der Immobiliengesellschaft als die ersten Baugerüste das einst so idyllische Haus verdeckten.

Modern eingerichtete Schulungsräume bieten genügend Platz, um effektiv zu lernen.
Modern eingerichtete Schulungsräume bieten genügend Platz, um effektiv zu lernen.
Doch alle Anstrengung hat sich gelohnt. Nach nunmehr knapp eineinhalbjähriger Restaurierung erstrahlt das alte Haus von Ende 1830 wieder in neuem Glanz. Besonders gelungen ist die Wiederherstellung der Außentreppe mit dem geschmiedeten Geländer. Gefertigt in althergebrachter Schmiedekunst und traditionsbewusstem Design ist es ein besonderer Blickfang im Eingangsbereich. Die Außengestaltung unterstreicht den Charakter der einst bäuerlichen Umgebung durch einen kleinen Bauerngarten und durch passende Pflasterungen. Sanitär- und Heizungsinstallation ebenso wie die Elektronik entsprechen modernen Standards.

Ein Haus für die Bürger
Darüber hinaus ist das Suttroper Denkmal zu einem Ort kultureller Begegnung geworden. Es dient Suttroper Gruppen und Vereinen seit dem Umbau als Versammlungsort und bietet im unteren Bereich dank gemeinnütziger Partner wie der Initiative für Jugendhilfe, Bildung & Arbeit und dem Heimatverein Suttrop etliche Bildungsangebote für benachteiligte junge Menschen, um deren Berufschancen zu verbessern. Ein zweckmäßig und bewusst modern gestalteter Schulungsraum schafft alle Voraussetzungen für ein effektives Lernen. Im Ober- und Dachgeschoß befinden sich vier Appartementwohnungen mit kompletter Küchenausstattung, die für Hilfsbedürftige zur Verfügung stehen. Im Nordflügel finden, ungestört vom übrigen Publikumsverkehr, Sozialberatungen statt.

Der liebevoll angelegte Bauerngarten unterstreicht den Charakter der einst bäuerlichen Umgebung.
Der liebevoll angelegte Bauerngarten unterstreicht den Charakter der einst bäuerlichen Umgebung.
Das vom Volksmund bereits liebvoll als "Kleine Suttroper Akademie" getaufte ehemalige Gaststättengebäude wird in seinen vielfältigen Funktionen und seiner Innengestaltung höchsten Maßstäben gerecht. Unter der Federführung des Heimatvereins kann das Erdgeschoss nicht nur für die Vereinsarbeit, sondern auch für Ausstellungen zum historischen Kalkabbau in Suttrop genutzt werden.
Zurzeit geben die so genannten "Suttroper Schätze" in fünf Vitrinen ihrem Betrachter einen Einblick in die natürlichen Ressourcen des Heimatraums.

Zur feierlichen Eröffnung des "Haus Steinrücken 1" am 11. Juli 2010, zu der auch NRW-Stiftungspräsident Jochen Borchert (2.v.r.) gekommen war, wurde das Haus seiner sozialen und kulturellen Bestimmung übergeben.
Zur feierlichen Eröffnung des "Haus Steinrücken 1" am 11. Juli 2010, zu der auch NRW-Stiftungspräsident Jochen Borchert (2.v.r.) gekommen war, wurde das Haus seiner sozialen und kulturellen Bestimmung übergeben.
Nach der feierlichen Einweihung am 11. Juli 2010 konnte das "Haus Steinrücken 1" nun offiziell seiner sozialen und kulturellen Bestimmung übergeben werden. Maßgeblich daran beteiligt war auch die NRW-Stiftung, die für die Inneneinrichtung und die Gestaltung des Bauerngartens einen finanziellen Zuschuss gab. Jetzt soll sich das Baudenkmal durch sein gemeinnütziges Konzept Zug um Zug zu einem Kristallisationspunkt Suttrops entwickeln. Nach seiner Rettung und den positiven Reaktionen der Bürger nimmt dieser Wunsch konkrete Formen an.


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Bei der Restaurierung des alten Fachwerkhauses im Warsteiner Ortsteil Suttrop bezuschusste die NRW-Stiftung die Inneneinrichtung und die Gestaltung des Bauerngartens.

Googlemap aufrufenHeimatverein Suttrop e.V.
Starenweg 3
59581 Warstein-Suttrop
Telefon: 02902 2520
ai-weber@web.de
www.suttrop-online.de/Heimatverein.141.0.html

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