TONGRUBE AM BRINK UND WÖLBACKER BEI COESFELD

NATUR AUS ZWEITER HAND - EINE ERFOLGSGESCHICHTE

Laubfrosch (Foto: Birgit Stephan)
Laubfrosch (Foto: Birgit Stephan)
Kaum jemand würde unmittelbar am Stadtrand von Coesfeld eine Naturoase vermuten. Eine etwa 3 Meter tiefe Tonabgrabung wurde hier vor langer Zeit aufgegeben. Das Schicksal vieler ähnlicher Biotope – anschließend verfüllt und "rekultiviert" zu werden – blieb der Tongrube am Brink jedoch erspart, so dass sich hier ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere entwickeln konnte.

Munter quaken an sonnigen Tagen hunderte von Wasserfröschen in den flachen Gewässern im tiefsten Teil der Grube, in denen im Frühsommer üppig der Wasserhahnenfuß blüht. Aber erst gegen Abend machen sich ganz besondere Bewohner des Gebietes lautstark bemerkbar: die Laubfrösche, die hier eines der größten Vorkommen im Münsterland besitzen.

Knotiges Mastkraut (Foto: Kerstin Wittjen)
Knotiges Mastkraut (Foto: Kerstin Wittjen)
Als einziger einheimischer Frosch klettert der Laubfrosch wie seine Verwandten in den Regenwäldern in die Büsche und Bäume. Anders als die tropischen Frösche, die oft leuchtend gelb oder rot gefärbt sind, ist der Laubfrosch aber grün wie das Blattwerk und damit so gut getarnt, dass er meist erst nach längerem Suchen zu entdecken ist. Als weitere Amphibien kommen Kamm- Teich- und Bergmolch in der nur 3.6 Hektar großen Tongrube vor sowie 33 Libellenarten, darunter Raritäten wie Feuerlibelle und Torf-Mosaikjungfer.

Auch botanische Kostbarkeiten sind im Gebiet zu finden, manche davon wiederum nur für "Eingeweihte" zu erkennen, wie das Zierliche Tausendgüldenkraut und das sehr seltene Knotige Mastkraut an den Ufern einiger Kleingewässer.

Vom NABU Coesfeld wieder aufgebaute landschaftstypische Weidehütte kurz vor der Fertigstellung. (Foto: Thomas Zimmermann)
Vom NABU Coesfeld wieder aufgebaute landschaftstypische Weidehütte kurz vor der Fertigstellung. (Foto: Thomas Zimmermann)
Viel auffälliger ist dagegen das leuchtend rot blühende Breitblättrige Knabenkraut, das sich inzwischen auf beweideten Freiflächen der Tongrube angesiedelt und ausgebreitet hat.

An die Tongrube grenzen zwei Grünlandflächen, die zusammen mit der Abgrabungsfläche (ein rund 8 Hektar großes Areal) seit 2004 im Rahmen des Vertragsnaturschutzes beweidet werden. Derzeit sind sieben Jungrinder als "Landschaftspfleger" eingesetzt, um auch den Gehölzaufwuchs in der Tongrube einzudämmen. Zudem wurden zwei flache Kleingewässer angelegt, um Tieren und Pflanzen der Feuchtgebiete weiteren Lebensraum zu bieten. Eine landschaftstypische Weidehütte als Unterstand für die Rinder wurde 2005 mit Unterstützung der NRW-Stiftung im Gebiet originalgetreu wieder aufgebaut. Das Baumaterial stammt von einer 100-jährigen Hütte, die an anderer Stelle weichen musste.

Der Wölbacker (Foto: Birgit Stephan)
Der Wölbacker (Foto: Birgit Stephan)
Zum Naturschutzgebiet gehört auch der 10 Hektar große Wölbacker, ein landwirtschaftliches Kulturdenkmal aus dem Mittelalter und Zeugnis einer historischen Form des Ackerbaues. Beim Pflügen der schweren und nassen Lehmböden wurde von innen nach außen um die Beete herumgefahren und die Schollen von den Seiten stets in die Mitte geworfen. So entstanden mit der Zeit Aufwölbungen, die ackerbaulich genutzt und durch dazwischen verlaufende Senken entwässert wurden. Der Wölbacker gehört zu den am besten erhaltenen des Kreisgebietes, wird heute aber nicht mehr beackert, sondern als Grünland genutzt.


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Die NRW-Stiftung erwarb für Zwecke des Naturschutzes im Bereich des NSG Brink rund 30 Hektar naturschutzwürdige Flächen. Eine landschaftstypische Weidehütte als Unterstand für die Rinder wurde 2005 mit Unterstützung der NRW-Stiftung im Gebiet originalgetreu wieder aufgebaut.

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48653 Coesfeld

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48653 Coesfeld
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