DAS SCHMAROTZERHAUS IN MENDEN

BAUDENKMAL MIT ANLEHNUNGSBEDÜRFNIS

Initiator der Mendener Stiftung war Peter Hoppe (l.), hier zusammen mit Jutta Toering-Struck und Dirk Hartmann.
Initiator der Mendener Stiftung war Peter Hoppe (l.), hier zusammen mit Jutta Toering-Struck und Dirk Hartmann.
Die eigenen vier Wände weiß jeder zu schätzen. Doch auch Wände kosten Geld. Wäre es da manchmal nicht viel günstiger, sich einfach eine Hauswand zu leihen? Ein kleines Fachwerkhaus im sauerländischen Menden zeigt, wie so etwas geht: Als es im frühen 18. Jahrhundert erbaut wurde, da begnügte es sich mit drei eigenen Wänden, lehnte sich dafür aber mit der Rückseite kurzerhand an die Stadtmauer an. Schmarotzerhaus" wird es deswegen liebevollspöttisch genannt. Die Menschen, die hier wohnten, führten jedoch alles andere als ein Schmarotzerleben, es waren zumeist kleine Handwerker, die für ihren Lebensunterhalt schwer arbeiten mussten.

Einsturzgefährdet, unbewohnt, vom Schwamm zerfressen – 1986 wurde das Schmarotzerhaus zwar unter Denkmalschutz gestellt, weil es an einen Gebäudetyp erinnert, der anderswo fast immer zum Opfer von Umbau oder gar Abriss wurde. Bis zum Auftauchen eines Rettungsengels für das darbende Bauwerk sollten aber trotzdem noch zwanzig Jahre vergehen. Die Wende kam erst, als der engagierte Mendener Bürger Peter Hoppe 2007 in seiner Stadt die "Stiftung Denkmal und Kultur" gründete. Ihm gelang es, die Stadtväter davon zu überzeugen, dass das Schmarotzerhaus als Standort eines kleinen Museums eine neue Zukunft haben könne.

Denkmal des Monats
Den Besuchern werden Wohnverhältnisse und Arbeitsräume präsentiert, wie sie für kleine Handwerkerfamilien einmal typisch waren.
Den Besuchern werden Wohnverhältnisse und Arbeitsräume präsentiert, wie sie für kleine Handwerkerfamilien einmal typisch waren.
Genau 300 Jahre nach seiner Erbauung ist das frisch restaurierte Schmarotzerhaus im Herbst 2009 eröffnet worden. Besucher können hier Wohn- und Arbeitsverhältnisse nachvollziehen, unter denen ärmere Bevölkerungsschichten oft noch bis ins 20. Jahrhundert hinein lebten. Nicht gering war übrigens die Überraschung, als sich herausstellte, dass gleich am ersten Tag zwei in Menden längst nicht mehr ansässige ehemalige Bewohner des Hauses gekommen waren. Für zwanzig Mark im Monat hatte das Ehepaar, das heute in Dortmund zu Hause ist, in den 1940er-Jahren im Schmarotzerhäuschen gewohnt. Dass das bescheidene Domizil vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe einmal als "Denkmal des Monats" ausgezeichnet werden würde, konnte damals natürlich niemand ahnen. Der Ehrentitel wurde dem Schmarotzerhaus wegen seiner beispielhaften Sanierung im
November 2009 zuteil.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2010


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Der Eintritt ist generell frei.

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Mithilfe der NRW-Stiftung und weiterer Förderer konnte die Mendener Stiftung Denkmal und Kultur das "Schmarotzerhaus" von 1709 restaurieren und als Museum einrichten. www.mendener-stiftung.de

Googlemap aufrufen"Schmarotzerhaus"
An der Stadtmauer 5
58706 Menden
Telefon: 0 23 73 / 39 22 00
www.mendener-stiftung.de

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