MARIENSCHREIN IM AACHENER DOM

RELIQUIEN AUF HEILIGTUMSFAHRT

Der Marienschrein: Meisterwerk der Goldschmiedekunst.
Der Marienschrein: Meisterwerk der Goldschmiedekunst.
Der Aachener Dom ist eines der bedeutendsten frühmittelalterlichen Baudenkmäler in Europa und war zudem sechs Jahrhunderte lang die Krönungskirche der römisch-deutschen Könige. Er wurde 1978 als erstes deutsches Monument in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Der Marienschrein des Doms gilt als einer der bedeutendsten europäischen Kunstschätze. Am Übergang von der Romanik zu Gotik zwischen 1220 und 1239 entstanden, werden in dem Schrein die vier großen Heiligtümer Aachens aufbewahrt: die Windeln und das Lendentuch Jesu, das Kleid Mariens und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers.

Ein Schrein beim Schreiner...
Ein Schrein beim Schreiner...
Kaiser Karl der Große hatte seine Pfalzkapelle, den Aachener Dom, reich mit Reliquien ausgestattet. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden kostbare Geräte und Gefäße zur Aufbewahrung der Reliquien. So auch der goldene Marienschrein, ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst im Land zwischen Rhein und Maas. Seit dem Pestjahr 1349 wird der Schrein alle sieben Jahre bei Prozessionen mitgeführt und nur auf dieser "Heiligtumsfahrt" geöffnet.

...und die Wiederherstellung Einzelteil für Einzelteil.
...und die Wiederherstellung Einzelteil für Einzelteil.
Doch die jahrhundertelangen Strapazen der Heiligtumsfahrt hinterließen deutliche Spuren an dem Schrein. Das vergoldete Silber war verschmutzt oder angelaufen, einige Teile fehlten, andere waren nur notdürftig ausgebessert worden. Genauere Untersuchungen offenbarten immer mehr Beulen, Risse und Löcher an den aus vergoldeten Silberplatten getriebenen Figuren und Reliefs. Über 3.000 Einzelteile, die an dem Schrein befestigt sind, Edelsteinen, Filigran- und Grubenemailleplatten mussten abgelöst und in filigraner Arbeit von Ruß, Staub und Oxidationsspuren befreit werden.

... ein restauriertes Detail...
... ein restauriertes Detail...
Seit März 2000 befindet sich das Kunstwerk wieder im ursprünglichen Glanz an seinem angestammten Platz in der Chorhalle des Aachener Doms. Seither ist wieder der Marienschrein der Aufbewahrungsort für jene vier Reliquien des Aachener Doms, denen besondere Verehrung zuteil wird: Sie gelten als das Kleid, das Maria bei der Geburt Jesu getragen haben soll, als die Windeln Jesu, als das Tuch, in das man das Haupt Johannes den Täufer nach seiner Hinrichtung barg, und als das Lendentuch, das Jesus am Kreuz getragen haben soll. Nach Alter und Machart scheinen die Preziosen eher aus der antiken Welt des Mittelmeeres zu stammen. Doch "wer glaubend schaut, dem ist die Echtheit dieser geistlichen Erfahrung weit mehr wert und wichtiger als die historische Echtheit der Reliquien, die eher einen nebensächlichen Rang erhält", erklärt der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff.



"Ich zeig euch den Dom"

Bild: Mark Ansorg
Bild: Mark Ansorg
Nur in Aachen gibt es ein Bauwerk, das so eng wie kein anderes mit Kaiser Karl dem Großen verbunden ist: seine Pfalzkapelle, der Aachener Dom. 1978 wurde er als erstes Denkmal in Deutschland zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, und täglich werden hier Führungen in verschiedenen Sprachen angeboten. Ein besonders lehrreiches Erlebnis sind die Rundgänge mit den "Domkidz": Das sind etwa 20 speziell geschulte Kinder und Jugendliche, die Gleichaltrigen – aber auch Erwachsenen – kenntnisreich und mit viel Begeisterung Architektur, Ausstattung und die Geschichte des Doms erläutern.

Dass sie die Einnahmen aus den Führungen zur Erhaltung des Domes zur Verfügung stellen, ist für alle Domkidz Ehrensache.<br />
Bild: Mark Ansorg
Dass sie die Einnahmen aus den Führungen zur Erhaltung des Domes zur Verfügung stellen, ist für alle Domkidz Ehrensache.
Bild: Mark Ansorg
Kinder drücken sich nicht nur anders aus als Erwachsene, sie nehmen Räume auch anders wahr und haben andere Fragen. Und "wer sich nicht traut zu fragen, bleibt dumm", sagt Elisabeth Sous (15), die sich mit ihrer jüngeren Schwester Johanna (13) seit mehreren Jahren in der Gruppe ehrenamtlich engagiert. Gut zu erkennen sind die Domkidz an ihren leuchtend roten T-Shirts mit der Aufschrift "Ich zeige euch den Dom".
Die Kunsthistorikerin und langjährige Domführerin Agnes Wirtz hatte 2001 dazu den Anstoß gegeben – sie gehört damit zu den Pionierinnen dieser Art der Kulturvermittlung. Wirtz ist auch Autorin des Buches "Das Kinder-Dombuch. Mit Zeitgeistern unterwegs im Aachener Dom", das 2003 erschienen ist und Pflichtlektüre der jungen Domführer ist.

Mit Leistungsschein

Einmal im Monat treffen sich die Domkidz, um sich intensiv mit ausgewählten Objekten aus dem Dom - wie dem berühmten Marienschrein- zu befassen.<br />
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Bild: Mark Ansorg
Einmal im Monat treffen sich die Domkidz, um sich intensiv mit ausgewählten Objekten aus dem Dom - wie dem berühmten Marienschrein- zu befassen.

Bild: Mark Ansorg
Heute werden die Kidz von Anne Dünnwald und Kathrin Steinhauer betreut, die die 9- bis 16-jährigen Jungen und Mädchen in Etappen schulen. Sind sie dann in der Lage, zu einzelnen Sehenswürdigkeiten wie etwa Königsthron und Barbarossa-Leuchter mit eigenen Worten faktenreich und ausführlich zu erzählen, erhalten sie eine Art Leistungsschein. Wenn sie zwölf davon haben, dürfen die Domkinder selbst durch das Bauwerk führen. Einer der Orte im Dom, den die Kidz näher vorstellen, ist der Marienschrein, bei dessen aufwendiger Restaurierung auch die NRW-Stiftung half. Über ihn gibt es sehr viel zu sagen, deswegen erweitern die Domkidz ständig ihr Wissen. Und Johanna Sous weiß bereits: "Je mehr Führungen man macht, desto selbstbewusster wird man auch."

Stiftungsmagazin 3/2013


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung hat die Restaurierung des Marienschreins maßgeblich unterstützt.

Googlemap aufrufenDomschatzkammer des Aachener Doms
Johannes-Paul-II-Straße
52062 Aachen
Telefon: 02 41 / 47 70 90
www.aachendom.de

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