NATURSCHUTZGEBIET LIESE- UND BOXELBACHTAL

WALDIDYLL AM DIESTEDDER BERG

Die Natternzunge ist ein etwa 20 cm hohes unauffälliges Farngewächs. Sie hat nur ein einziges Blatt. Der Name bezieht sich auf die Form der schmalen Sporangienähre.
Die Natternzunge ist ein etwa 20 cm hohes unauffälliges Farngewächs. Sie hat nur ein einziges Blatt. Der Name bezieht sich auf die Form der schmalen Sporangienähre.
In einem echten Gebirgsland hätten Erhebungen wie die der Beckumer Berge vermutlich nicht mal einen Namen. In der westfälischen Tieflandsbucht, wo jeder Hügel als Landmarke weithin auffällt, ist das freilich anders. So kann man im Kreis Warendorf auch auf dem Diestedder Berg in der Gemeinde Wadersloh Höhenluft schnuppern, ragt der doch gut und gerne 60 Meter über die Umgebung hinaus. Spektakulär ist der Diestedder Berg aber nicht als Gipfel, sondern als arten- und abwechslungsreiches Naturschutzgebiet.

Kernstück ist ein Waldgebiet mit alten Buchen, unter denen sich im April und Mai ein Teppich aus Bärlauch und weiteren Frühblühern ausbreitet. An anderen Stellen bestimmen Eichen und Hainbuchen die Baumschicht. Eine botanische Kostbarkeit ist ein reiches Vorkommen der seltenen Natternzunge (Ophiglossum vulgatum). Das unscheinbare Farngewächs gehört zu einer Verwandtschaft, die es schon vor annähernd 60 Millionen Jahren im frühesten Tertiär gab.

Verkalkt und dennoch völlig gesund
Anderswo nistet der Uhu stets an Felsen. Am<br />
Diestedder Berg hat er sich dagegen in einem<br />
Bussardhorst auf einem Baum eingerichtet.
Anderswo nistet der Uhu stets an Felsen. Am
Diestedder Berg hat er sich dagegen in einem
Bussardhorst auf einem Baum eingerichtet.
Eine Besonderheit ersten Ranges ist ein Erlensumpfwald, der von einem lang gestreckten Quellhorizont gespeist wird. Auf seinem Weg durch die kreidezeitlichen Ablagerungen hat das oberhalb versickerte kohlensaure Niederschlagswasser reichlich Kalk gelöst. Am Unterhang trifft es dann auf wasserstauende Schichten und tritt dort in breiter Front aus. Dabei rieselt das mit Carbonat gesättigte, also extrem "harte" Wasser durch eine lückige Decke aus Sumpfpflanzen. Da sie ihm laufend Kohlendioxid entziehen, bringen sie das Carbonat zum Ausfällen: Wie der Kalkbelag auf den Metalloberflächen einer alten Waschmaschine, so überziehen die feinen hellen Sinterkrümel die bodennahen Pflanzenteile und verbacken stellenweise zu einem schwammigen Gestein. Dieser Vorgang ist ein typisches Merkmal sogenannter Kalktuffquellen, die im Bergland nicht selten sind, im Tiefland aber eine seltene Ausnahmeerscheinung darstellen. Und auch der "Diestedder Berg" gehört trotz seines Namens zum Tiefland, denn Geografen rechnen eine Landschaft, die unter 300 Metern bleibt, eben definitionsgemäß zum Tiefland, mögen einzelne Hügel noch so steil sein und von den Bewohnern der Umgebung von jeher "Berg" genannt werden.

Es geht auch ohne Fels
Der hohe Anteil prächtiger Rotbuchen, die störungsarme Lage und die reich strukturierte Umgebung machen den Diestedder Berg zu einem bevorzugten Revier für anspruchsvolle Vögel: Schon im Spätwinter künden die im Synchronflug über dem Wald kreisenden Kolkraben, dass sie einen der hohen Bäume als Revierzentrum auserkoren haben. Auch der Rotmilan gehört zu den regelmäßigen Brutvögeln, sein Aktionsradius erstreckt sich allerdings weit in die Umgebung. Der dichte Wald dient ihm nur als Horstplatz, manövrieren kann der große Greifvogel zwischen den Bäumen nur schlecht. Stattdessen sieht man ihn regelmäßig über den Viehweiden und Äckern von Altendiestedde und Sünninghausen. Kreisend oder im schaukelnden Suchflug hält er dort Ausschau nach Wühlmäusen und Regenwürmern oder er belästigt andere Greifvögel, bis die ihm entnervt ihre Beute abtreten.

Krähengroß, schwarz mit rotem Scheitel: Der Schwarzspecht lebt nur in Wäldern mit ausreichend alten und dicken Bäumen.
Krähengroß, schwarz mit rotem Scheitel: Der Schwarzspecht lebt nur in Wäldern mit ausreichend alten und dicken Bäumen.
Ein anderer typischer Bewohner der alten Buchenbestände, der jedoch nur selten den Wald verlässt, ist der Schwarzspecht. Ganzjährig kann man sein lautes "kliöhh" durch den Wald hallen hören. Wo er eine seiner selbst gezimmerten Höhlen aufgibt, zieht im Jahr darauf die Hohltaube ein. Auch dieser scheue Waldvogel verrät sich am ehesten durch seine Rufe, die wie ein entferntes "huh-wupp, huh-wupp, huh-wupp" klingen. In diesem Jahr hat sogar ein Uhupaar im Diestedder Wald gebrütet. Die große Eule, die sonst fast ausschließlich in schwer zugänglichen Felswänden und Steinbrüchen horstet, ist bei Diestedde mangels entsprechender Felsnischen kurzerhand zum Baumbrüter geworden. In zehn Metern Höhe bezog Bubo bubo einen verlassenen Bussardhorst.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2010


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Im Liese- und Boxelbachtal bei Wadersloh im Kreis Warendorf erwarb die NRW Stiftung für Zwecke des Naturschutzes rund 55 Hektar Wald. Etwa die Hälfte dieser Fläche wird von naturnahen, teilweise 150 Jahre alten Laubholzbeständen eingenommen. Noch vorhandene Nadelholzforste sollen nach und nach in standortheimischen Laubwald umgewandelt werden.

Googlemap aufrufenDiestedder Berg
59329 Wadersloh

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