SCHLOSS DRACHENBURG BEI KÖNIGSWINTER

INBEGRIFF DER RHEINROMANTIK IM SIEBENGEBIRGE

Als Wahrzeichen von Königswinter ist die Drachenburg weithin sichtbar.
Als Wahrzeichen von Königswinter ist die Drachenburg weithin sichtbar.
Auf halber Höhe zum Drachenfels liegt weithin sichtbar Schloss Drachenburg. Halb verfallen blickte das von 1882-1884 erbaute Juwel der Rheinromantik über Jahrzehnte auf Königswinter herab. 16 Jahre lang hat die NRW-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Stadt Königswinter und dem Land NRW das Schloss von Grund auf restauriert. Im Sommer 2010 wurden die letzten Gerüste abgebaut, der Prachtbau erstrahlt seither wieder in altem Glanz.

Der Naturpark Siebengebirge zählt zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands. Mitten in dieser Idylle ließ sich Stephan Sarter einen Wohntraum in opulenter Gründerzeitarchitektur erbauen. Dank einer damals neuen Bauweise waren die Arbeiten für den Prachtbau nach nur drei Jahren (1882-1884) abgeschlossen. So rasch das Schloss stand, so lang hat seine Wiederherrichtung gedauert. Im Frühjahr 1995 begannen die ersten Bauarbeiten für die umfassende Restaurierung des Ensembles von Schloss Drachenburg. Um die Spuren, die Kriegsbeschädigungen, unsachgemäße Reparaturen und die vielfältige Nutzung des Gebäudes hinterlassen hatten, zu beseitigen, waren viel Zeit und 31,5 Millionen Euro an Geldern des Landes NRW und der NRW-Stiftung notwendig.

An der Südseite des Schlosses liegt der prachtvolle Venusgarten.
An der Südseite des Schlosses liegt der prachtvolle Venusgarten.
Über ähnliche Mittel verfügte auch der Bauherr Stephan Sarter. Der Sohn eines Bonner Gastwirtes war nach einer Banklehre als Börsenmakler an der Pariser Börse zu Reichtum gekommen, insbesondere mit der Finanzierung des Suezkanals und als Berater der Rothschilds. Dem Geist der Zeit entsprechend wollte er seinen Reichtum auch zeigen. Er kaufte sich einen Adelstitel und gab als Baron Stephan Sarter das Traumschloss in Auftrag.

Außen wie innen ist das Schloss von einem Nebeneinander zahlreicher "Neostile" geprägt, früherer Stilepochen, die zeitgenössisch aktualisiert wurden. So wurden Stuckdecken im Renaissancestil mit barocken Möbeln im Schlafzimmer oder ein gotisches Netzgewölbe mit einer barocken Balustrade im Musiksaal kombiniert. Die zierliche Venusterrasse vor der Südfassade und der weitläufige Park scheinen Teil einer eleganten Schlossanlage zu sein, wohingegen die Ansicht von Norden mit dem mächtigen Turm an die Wehrhaftigkeit einer Burg erinnert. Mit seinem Stilmix ist Schloss Drachenburg ein Musterbeispiel für die Bauweise des Historismus (siehe untenstehenden Kasten).

Mit historischen Möbeln eingerichtete Schlossräume geben einen Einblick in die Wohnkultur des späten 19. Jahrhunderts.
Mit historischen Möbeln eingerichtete Schlossräume geben einen Einblick in die Wohnkultur des späten 19. Jahrhunderts.
Der zeitgenössische Kunstkritiker Johannes Proelss war damals voll Lob für das Bauwerk: "Elegante Privat-, Arbeits-, Toiletten-, Schlaf- und Frühstückszimmer für den Schlossherrn und seine Gäste zeugen vom gediegenen Geschmack des Bauherrn und der hohen Stufe des rheinischen Kunsthandwerks." Ein Luxus, der Königen und Kaisern würdig war und für eine entsprechende Gästeliste sorgte: Victoria Adelaide Mary Louisa von Großbritannien und Irland nächtigte im hochherrschaftlichen Ehrenfremdenappartement. Ebenso der Kronprinz von Griechenland nebst Gattin und Prinzessin Charlotte zu Schaumburg-Lippe. Vom Empfangssaal bis zu den Gästezimmern hatte der Schlossherr an Einrichtung und Ausstattung nicht gespart. Das schönste Accessoire gab die Natur dazu: Die einmalige Aussicht auf das Rheintal. Sarter selbst konnte diese Pracht allerdings nie genießen: Er hat Schloss Drachenburg nie bewohnt.

Das Kneippzimmer diente früher als Sakristei.
Das Kneippzimmer diente früher als Sakristei.
Nach seinem Tod im Jahr 1902 wurde Schloss Drachenburg zu einer Art Luxushotel. Der Junggeselle Sarter hatte weder Testament noch Erben hinterlassen. So ersteigerte sein Neffe, der Jurist Jakob Biesenbach, das Anwesen und gestaltete es als "Sommerfrische" für wohlhabende Reisende. Auf dem Parkgelände ließ er Blockhäuser für die Unterbringung der Gäste errichten und das Schlossinnere der neuen Nutzung entsprechend anpassen. In späteren Jahren beherbergte das Schloss unter anderem ein katholisches Internat, wurde als Frauengenesungsheim genutzt, als Schule der Nationalsozialisten und als Ausbildungsstätte für Eisenbahner. Im Zweiten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde das Gebäude schwer beschädigt und verfiel in der Folge zusehends. Die Genehmigung zum Abriss war bereits erteilt, als 1971 der Privatmann Paul Spinat, ein Liebhaber repräsentativer Wohnkultur, das Ensemble erwarb und es damit für die Nachzeit rettete.

Seit 1986 stehen Schloss Drachenburg und seine Parkanlagen unter Denkmalschutz. Dank der aufwändigen Renovierungsarbeiten der Nordrhein-Westfalen Stiftung in enger Kooperation mit dem Land NRW und der Stadt Königswinter ist heute von den großen Schäden nichts mehr zu sehen. Die Venusterrasse und der 36 Meter hohe Nordturm mit seiner Rundum-Aussicht sind jetzt ebenso wieder zu bewundern wie Nibelungenzimmer, Bibliothek oder Jagdzimmer.

Seit 1986 steht Schloss Drachenburg unter Denkmalschutz.
Seit 1986 steht Schloss Drachenburg unter Denkmalschutz.
Um das gründerzeitliche Baudenkmal zu erhalten und es öffentlich zugänglich zu machen, hatte die NRW-Stiftung 1989 das Schloss Drachenburg von seinem letzten Privatbesitzer gekauft und es dann an die Stadt Königswinter übertragen. Der Startschuss für die Instandsetzung fiel dann 1994, nachdem die NRW-Stiftung vorher ein umfangreiches Gutachten hatte erstellen lassen. Nachdem im ersten Bauabschnitt die Umfassungsmauern am Eselsweg und an der unteren Grundstücksgrenze saniert wurden, begannen 1997 die Arbeiten zur Instandsetzung des Hauptgebäudes. In den Jahren von 1997 bis 2000 wurde zudem die Vorburg restauriert und ausgebaut, die heute von der Stiftung Naturschutzgeschichte als Archiv, Forum und als Museum genutzt wird. Hierfür waren zusätzliche 4,5 Millionen Euro notwendig, die zum überwiegenden Teil aus Mitteln des Bonn-Berlin-Ausgleichs finanziert werden konnten.

Im Hauptgebäude begann nach Fertigstellung der imposanten Kunsthalle im Jahre 2004 die behutsame Restaurierung der Innenräume. Kuppel inklusive Treppenanlage wurden rekonstruiert, ebenso Aufzug und Aussichtsplattform. Im Frühjahr 2010 wurden diese Arbeiten an der Hauptburg dann endgültig abgeschlossen. Die Schlossräume sind jetzt mit historischen Möbeln eingerichtet, die das ursprüngliche Erscheinungsbild nahezu authentisch wiedergeben und dem Besucher einen Einblick in die gründerzeitliche Wohnkultur des späten 19. Jahrhunderts vermitteln.

Wie ein verzaubertes Märchenschloss thront die Drachenburg über dem Rheintal.
Wie ein verzaubertes Märchenschloss thront die Drachenburg über dem Rheintal.
Der neue Rundgang führt die Besucher gleich zu Beginn in eine Ausstellung im Erdgeschoss des Schlosses, wo sie sich ein Bild von der äußerst wechselvollen Geschichte des Schlosses und seiner immerhin elf Besitzern machen können. Auch die 16-jährige Bau- und Renovierungsphase, wird in der Ausstellung thematisiert. Auch während der Restaurierungsphase wurden die Räumlichkeiten der Burg so weit wie möglich für Besucher offen gehalten, um ihnen einen Einblick in die zwar langfristigen, aber auch spannenden Arbeiten für den Erhalt dieses einzigartigen Denkmals zu geben. Das einzige, was sich über all die Jahre nicht geändert hat, ist der Weg nach oben: Zu erreichen ist Schloss Drachenburg entweder über die historische Zahnradbahn, zu Fuß oder auf dem Rücken eines Esels.
Historismus als Zeitgeist

Das Schloss Drachenburg gilt als Musterbeispiel für die Bauweise des Historismus. Dass es sich bei dem Begriff aber keineswegs nur um eine kunstgeschichtliche Stilrichtung handelt, darauf machte der Historiker Friedrich Meinecke bereits 1936 aufmerksam. Er beschreibt den Historismus als eine Geisteshaltung, die zwar im Einklang mit der Aufklärung steht, dabei aber die historischen Wurzeln für alle Zustände in der Gegenwart nicht ausblendet. Meinecke schreibt, dass der Stilmix des Historismus auch eine Art Sehnsucht nach einer eindeutigen und stilvollen Vergangenheit zum Ausdruck bringt, die letztlich den eigenen sozialen Status gegenüber einer oft als widersprüchlich empfundenen Gegenwart legitimieren sollte. Die Bestätigung aus der Vergangenheit ist das wichtigste Anliegen des Historismus.

Ein Erbe für die Buntglasfenster

175.000 Euro kann die Nordrhein-Westfalen-Stiftung für die Rekonstruktion von Buntglasfenstern auf Schloss Drachenburg in Königswinter zur Verfügung stellen. Die Mittel stammen aus einer Erbschaft, die die NRW-Stiftung jetzt von einem Engländer erhalten hat.

Bald leuchten die Fenster wieder in der Farbigkeit der Gründerzeit.
Bald leuchten die Fenster wieder in der Farbigkeit der Gründerzeit.
Eine britische Kanzlei hatte die NRW-Stiftung darüber informiert, dass Douglas George Leicester aus Brighton einen Teil seines Vermögens der Nordrhein-Westfalen-Stiftung vermachte. Dass sich die Arbeit der NRW-Stiftung bis England herumgesprochen hatte, war kein Zufall, kannte Leicester die Drachenburg doch von verschiedenen Besuchen im Rheinland. Immer wieder setzen Menschen, die sich den Aufgaben der NRW-Stiftung verbunden fühlen, die Nordrhein-Westfalen-Stiftung oder ihren Förderverein als Erben ein", sagt Stefan Ast, Stiftungsreferent der NRW-Stiftung. "Wir sorgen dafür, dass ihr Vermögen nach ihren Wünschen verwendet wird, wie jetzt im aktuellen Beispiel für die Rekonstruktion der Buntglasfenster. "In den letzten Jahren konnten durch Spenden bereits einige Oberlichter in Räumen von Schloss Drachenburg rekonstruiert werden. Durch die Erbschaft ergibt sich nun die Möglichkeit, zwei großflächige Fenster in Auftrag zu geben. "So
Zeichnung der Mayerschen Hofkunstanstalt
Zeichnung der Mayerschen Hofkunstanstalt
wird das Nibelungenzimmer durch die Rekonstruktion und Ergänzung endlich seinen ursprünglichen Raumeindruck wiederbekommen", freut sich Kunsthistorikerin Walburga Schulte Wien vom Museum Schloss Drachenburg. Zudem erhält die Kunsthalle fünf weitere Lanzettenfenster, die mit einem schon beauftragten Rosettenfenster einen Teil der Farbigkeit und des vergangenen Raumeindruckes zurückbringen werden. "Bei fast jeder Führung werden wir gefragt, warum man durch die Fenster in der Kunsthalle nicht hinausschauen kann, und die Antwort ist jedes Mal dieselbe: Die satinierten Fenster sind Stellvertreter für die im Krieg zerstörten Buntglasfenster, die auch historisch mit Sicherheit ein vollkommen anderes Raumempfinden ermöglicht haben", so Kunsthistorikerin Schulte Wien. Die Buntglasfenster, die jetzt in Auftrag gegeben werden, sind ein wichtiger Schritt auch für künftige Aufgaben. "Schließlich warten noch weitere 70 Fenster auf die Rekonstruktion und die Vervollständigung des rheinischen Kleinodes, das häufig als ‚Neuschwanstein des Rheinlandes‘ bezeichnet wird", so Martina Grote, Geschäftsführerin der NRW-Stiftung.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2015/2


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Schloss Drachenburg bei Königswinter

PDF (834 KB)
Von 1994 bis 2010 wurde Schloss Drachenburg in Königswinter von der NRW-Stiftung in enger Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Königswinter restauriert. Innen- und Außenbereiche wurden ebenso wie die Vorburg mit großem Aufwand wiederhergestellt. Im Schloss können Räume für Trauungen und Veranstaltungen gemietet werden.

Googlemap aufrufenSchloss Drachenburg
Drachenfelsstraße 118
53639 Königswinter
Telefon: 02223 901970
www.schloss-drachenburg.de

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