FILMSTUDIO GLÜCKAUF IN ESSEN

DAS ÄLTESTE FILMTHEATER IM RUHRGEBIET

Das 1924 gegründete Essener "Filmstudio Glückauf" zählt heute zusammen mit dem "Universum-Theater" im westfälischen Bünde zu den dienstältesten Filmbühnen Nordrhein-Westfalens. Zur Eröffnung wurde "Nanuk, der Eskimo" von Robert J. Flaherty vorgeführt, der erste abendfüllende, wenn auch nicht immer ganz wahrheitsgetreue Dokumentarstreifen der Stummfilmära. Die Gründer des Lichtspielhauses setzten sich von Anfang an für das sogenannte Reformkino ein – "sittlich reine und lehrreiche Bilder" sollten das Publikum begeistern. Doch die belehrenden Filme über Natur und Kultur der fernen Länder konnten die aufwühlenden Sensationsfilme nicht ersetzen, die Kinobesucher blieben weg.

Hauptinitiatorin der Aktion "Rettet das Filmstudio" ist die Chefin der Essener "Lichburg" Marianne Menze, hier mit Prof. Wilfried Breyvogel (li.) und Jochen Sander.
Hauptinitiatorin der Aktion "Rettet das Filmstudio" ist die Chefin der Essener "Lichburg" Marianne Menze, hier mit Prof. Wilfried Breyvogel (li.) und Jochen Sander.
Den ersten richtigen Erfolg genoss das Kinotheater erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. Nach dem Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg beschädigten Gebäudes wurde es 1953 zum Filmstudio mit "intimer Kammerspielatmosphäre" umgestaltet. Das Studio war immer noch im Keller des Glückauf-Hauses, eines großen Bürokomplexes aus den 20er Jahren, untergebracht. Die Räumlichkeiten wurden gemäß dem damaligen Modetrend eingerichtet. Die heute denkmalgeschützte Innenausstattung mitsamt Bestuhlung, Bar und Lampen verleiht dem Kinopalast eine nostalgische Atmosphäre – authentisches 50er-Jahre-Flair in 1924 entworfenen Räumen. Damals wurde das Kino Mitglied in der Gilde der Filmkunsttheater. 1991 gewann das Filmstudio unter neuer Leitung noch einmal an Profil und wurde zu einem der am häufigsten ausgezeichneten Programmkinos in Deutschland.

Eine Treppe führt hinab in die Lichtspielräume.
Eine Treppe führt hinab in die Lichtspielräume.
2001 änderte sich die Situation schlagartig: Aufgrund statischer Probleme musste das Glückauf-Haus komplett geräumt werden. Zwischenzeitlich wurde das "Filmstudio Glückauf" in der ehemaligen Schalterhalle auf der Zeche Zollverein beheimatet, was ihm erhebliche Besucherrückgänge einbrachte. Die alten Lichtspielräume waren jedoch nicht mehr zu retten und das Filmstudio wurde 2007 fast komplett abgerissen: Lediglich die Ziegelstein-Fassade konnte vor dem Abriss bewahrt werden. Innerhalb der nächsten zwei Jahre entstand hinter dieser denkmalgeschützten Fassade ein neues Bauwerk, in dem auch das Lichtspielhaus mit der kostbaren Kinoinnenausstattung erneut seinen Platz fand. Nicht zuletzt verdankt das traditionsreiche Kino seine Wiedergeburt dem Engagement des gemeinnützigen Vereins "Rettet das Filmstudio e.V." Die Initiative der Essener Kinobetreiber Marianne Menze und Hanns-Peter Hüster und eine groß angelegte Spendekampagne ermöglichten es, das historische denkmalgeschützte Filmstudio wieder in altem Glanz herzustellen.

Die Fassade Essener "Filmstudio" stammt aus dem Jahr 1924.
Die Fassade Essener "Filmstudio" stammt aus dem Jahr 1924.
Das denkmalgeschützte Filmstudio "Glückauf" wurde am 18. Dezember 2009 wiedereröffnet. Den Gästen wurde dabei in einem der letzten vollständig erhaltenen Kinosäle der 20er Jahre der Stummfilm "Nanuk, der Eskimo" gezeigt, der schon bei der Eröffnung des Kinos 1924 gelaufen war und diesmal von den Solisten der Essener Philharmoniker begleitet wurde. Als einziges historisches Kino unter den Projekten des Kulturhauptstadtjahrs "RUHR.2010" sichert das Filmstudio "Glückauf" seinem Publikum ein ganz besonderes Kinoerlebnis.

(Fotos: Frank Vinken)

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 1/2010


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Die NRW-Stiftung hat den Verein Rettet das Filmstudio e.V. bei der Restaurierung der denkmalgeschützten Inneneinrichtung mit einer sechsstelligen Förderung unterstützt.

Googlemap aufrufenTreffpunkt:
"Filmstudio Glückauf"
Rüttenscheider Straße 2
45128 Essen
Telefon: 0201 275555
www.rettet-das-filmstudio.de

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