STATION NATUR UND UMWELT IN WUPPERTAL

ABENTEUER NATURKUNDE

Klimaschutz predigen, aber Energie zum Fenster hinauszuheizen, das passt schlecht zusammen. Eine ungute Erinnerung beschleicht die Mitglieder des Fördervereins der Station Natur und Umwelt in Wuppertal, wenn sie an das schlecht isolierte Gebäude zurückdenken, das ihnen viele Jahre als Treffpunkt und Veranstaltungsort diente. Doch damit ist es jetzt vorbei. Seit ihr neues Quartier fertig ist, können sie mit gutem Gewissen für das Ökobewusstsein ihrer Mitmenschen werben – auch wenn sich ihre jüngsten Kunden noch nicht so sehr für umweltschonendes Bauen, sondern mehr für Frösche, Igel und Räuberverstecke interessieren ...

Sponsoren, Bauherren, Architekten, der Umweltminister und die Vertreter der Stadt Wuppertal durchtrennen symbolisch das grüne Band zur Eröffnung des Neubaus.
Sponsoren, Bauherren, Architekten, der Umweltminister und die Vertreter der Stadt Wuppertal durchtrennen symbolisch das grüne Band zur Eröffnung des Neubaus.
Rainer Hölterhoff kennt die Geschichte der Station von Anfang an, denn schon seit 1984 begleitet der Lehrer Schülergruppen jeden Alters ins Grüne. Ihre neue Station, Mitten im Naturlehrgebiet, setzt nun neue Maßstäbe im ökologischen Bauen: Das moderne Holzhaus, bei dem die NRW-Stiftung bei der Inneneinrichtung maßgeblich geholfen hat, besticht durch seine Passivbauweise. Solaranlagen, begrünte Dächer und ein Windrotor sorgen für den Energiehaushalt. So wird nun nicht nur das Platzangebot den heutigen Ansprüchen gerecht, sondern auch das Themenspektrum, das die neue Station zu bieten hat.

Massiver und moderner Holzbau: Die neue Station Natur und Umwelt (Architektur: Kaufmann und Schacht / Foto: Olaf Faustmann)<br />
Massiver und moderner Holzbau: Die neue Station Natur und Umwelt (Architektur: Kaufmann und Schacht / Foto: Olaf Faustmann)
Sieben Hektar große Lehr- und Erlebnisgelände unmittelbar vor dem Haus runden das imposante Bild der Station ab. Zu jedem Thema und für jede Jahreszeit gibt es hier das passende Biotop: vom Teich bis zum Laubwald, von der Trockenmauer bis zur Blumenwiese. Und wenn seine Kundschaft eine richtige "Forschungsexpedition" machen will, zieht Rainer Hölterhoff mit dem ganzen Haufen ins Landschaftsschutzgebiet Gelpetal, wo man naturbelassene Bäche untersuchen, ausgedehnte Laubwälder durchstreifen und spannende Heimatgeschichte erkunden kann.

Sind Kartoffeln wirklich essbar?
Jugendliche beim Lernen an der Natursteinmauer des Freiluft-Unterrichtsplatzes.
Jugendliche beim Lernen an der Natursteinmauer des Freiluft-Unterrichtsplatzes.
Manchmal sorgt auch ein Blick aufs Klitzekleine für Faszination. "Iii! – wie schön!", entfährt es einer Schülerin, als sie eine Spinne unter dem Binokular betrachtet. "Bei so einer Reaktion kann man doch wunderbar einhaken", so der Pädagoge. Wie interessiert, aber auch wie unsicher manche Stadtkinder beim Thema Natur sind, erlebte Hölterhoff kürzlich, als eine Grundschulklasse im Garten des Außengeländes die Früchte ihrer eigenen Arbeit erntete. Im April hatten die Schüler dort unter seiner Anleitung Kartoffeln gelegt. Im Spätsommer kam die Klasse erneut, um auf "ihrem" Acker die Knollen auszumachen. Als die anstrengende Arbeit geschafft war, fragte ihn ein Kind ungläubig: "Könnte man die jetzt wirklich essen?" Aber auch Detailkenntnis blitzt manchmal unerwartet auf: "Neulich war ich mit einer fünften Klasse am Teich und habe denen von der Ringelnatter erzählt, die hier noch regelmäßig vorkommt", berichtet Hölterhoff, "da war ein Junge dabei, der kannte sich super gut aus – ein echter Schlangenexperte!" Nicht nur der Pädagoge, sondern auch die Klassenkameraden waren mächtig beeindruckt.

"Die kriege ich alle"
Vorstand des Fördervereins: Vorsitzender Peter L. Engelmann, Stellvertreterin Dr. Katja Hombrecher, Schatzmeister Rainer Hölterhoff und Geschäftsführer Wolfgang Roeseler.
Vorstand des Fördervereins: Vorsitzender Peter L. Engelmann, Stellvertreterin Dr. Katja Hombrecher, Schatzmeister Rainer Hölterhoff und Geschäftsführer Wolfgang Roeseler.
Ganz gleich, ob die Kinder und Jugendlichen Vorwissen mitbringen oder auf ein neues Thema erst einmal eingestimmt werden müssen, Hölterhoffs Feuer für die Natur springt ganz schnell über: Deshalb hat er auch kein Problem mit Halbwüchsigen, die meinen, es sei cool, Desinteresse zu mimen. "Die kriege ich alle!", sagt er. Entscheidend sei, "wenn die merken, dass ich mich selbst für das begeistere, was ich ihnen zeige und erkläre. Das gilt für jedes Fach – wer nicht für seine eigenen Themen schwärmen kann, der kann auch anderen nicht den Spaß am Lernen und Ausprobieren vermitteln." Außer Lehrer Hölterhoff arbeiten für die Station noch 18 Fachkräfte auf Honorarbasis, darunter mehrere Biologinnen. Die meisten Veranstaltungen richten sich an den Nachwuchs. Spielerisches Erforschen der Natur, im Rahmen einer "Waldolympiade", einer "Räuberfreizeit" oder als Wald-Detektive.

"Von ganz klein bis groß"
Der moderne Holzbau bietet viel Licht und Raum.
Der moderne Holzbau bietet viel Licht und Raum.
Wer mit den Grashüpfern und Fröschen noch nicht mithalten kann, kommt einmal wöchentlich in die Schneckengruppe. Da wird gematscht, geklettert und experimentiert. Die Größeren treffen sich zu Amphibienschutz-Aktionen oder lernen, wie sich Müll vermeiden, trennen und verwerten lässt. Erwachsene, die heimische Wildkräuter und Heilpflanzen kennenlernen möchten, sind hier genauso an der richtigen Adresse.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2010


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Die NRW-Stiftung hat die Station Natur und Umwelt bei der Inneneinrichtung des neuen Hauses maßgeblich unterstützt.

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42349 Wuppertal
Telefon: 0202 563-6291
Fax: 0202 563-8071
mail@stnu.de
www.stnu.de

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