MUSEUM MENSCH UND JAGD BRÜGGEN

DIE GESCHICHTE DER JAGD IST ERÖFFNET

Hirsch und Hase sind drin im deutschen Jagdrecht, Elefanten dagegen würde man im Paragrafendschungel vergeblich suchen. Dennoch ist ein riesiger Dickhäuter, erlegt von einer illustren Jagdgesellschaft unweit der Weser, ein zentraler "Hingucker" im Museum Mensch und Jagd in der schönen Burg Brüggen im Kreis Viersen. Wer wissen möchte, was es mit der ungewöhnlichen Beute auf sich hat, dem sei der Besuch einer neuen Ausstellung zur "Geschichte der Jagd" empfohlen.

Burg Brüggen war früher einmal Grenzfeste des Herzogtums Jülich.
Burg Brüggen war früher einmal Grenzfeste des Herzogtums Jülich.
So viel sei verraten: Die Geschichte der Jagd in Nordrhein-Westfalen ist mindestens zweitausend Mal älter als unser Bundesland. So fand die tödliche Begegnung zwischen dem Rüsseltier und seinen Verfolgern bereits in der letzten Zwischeneiszeit vor 120.000 Jahren statt. Bezeugt ist sie durch eine 240 Zentimeter lange Stoßlanze aus Eibenholz. Die urtümliche Harpune fand man zwischen den Rippen des Waldelefanten, der keine 50 Kilometer außerhalb des heutigen Landes NRW sein Leben aushauchte, zweifellos einer der frühesten und spektakulärsten Nachweise menschlicher Jäger an Rhein und Weser.

Als das Wild noch Lunte roch
Später folgten Pfeil und Bogen sowie die Armbrust als klassische Jagdwaffen. Letztere blieb bis weit in die Neuzeit das Maß der Dinge, denn Feuerwaffen waren noch Jahrhunderte nach ihrer Erfindung viel zu unpraktisch. Bis ein Rad- oder Steinschlossgewehr geladen, in Anschlag gebracht und ausgelöst war, hatte das Wild längst Lunte gerochen und war verschwunden. So interessant die Entwicklung der Jagdwaffen auch sein mag, bei den Exponaten spielen sie eine Nebenrolle. "Die Geschichte der Jagd ist nicht die Erfindung des Zielfernrohrs oder die Novellierung des Deutschen Jagdgesetzes", bestätigt Peter Bürger, der die Ausstellung im engen Austausch mit der Museumsleiterin und Försterin Daniela Happ und anderen Fachleuten entwickelt hat – "viel interessanter ist doch, wie sich die Bedeutung der Jagd unter sich wandelnden kulturellen und gesellschaftlichen Vorzeichen verändert hat." Wann und wo mutierte sie vom reinen Nahrungserwerb zum Statussymbol? Wie und warum wurde sie von einem Privileg des Adels zu einer bürgerlichen oder bäuerlichen Beschäftigung? Dass es diesen Wandel gab, davon künden beispielsweise auch die Kochbücher des 19. Jahrhunderts. Wo vorher nur Eisbein und Hähnchen gesotten wurden, füllen jetzt Rezepte für Hirschkeule und Wildschweinbraten die Seiten.

Der Jäger in uns
Besonders spannend sind jene Aspekte, bei denen die Besucher in eigenen Verhaltensweisen plötzlich jagdliche Gewohnheiten oder Fertigkeiten wiedererkennen. Dafür muss man weder einen Hut mit "Dachsbart" besitzen noch je bei der Kirmes-Schießbude auf eine Plastikrose angelegt haben. Das evolutionäre Erbe findet sich in der Ausdauer und Findigkeit eines erfolgreichen Schnäppchen- oder Autogrammjägers genauso wie in der Kombination von "richtigem Riecher", Kraft und Schnelligkeit eines Torjägers. Und wenn sich das Fußballteam zum Grillen trifft, unterscheiden sich die Gruppenrituale vielleicht nur unwesentlich von denen einer Jägerhorde der Vorzeit. Das ahnt der Besucher bereits, wenn er den Ausstellungsraum betritt und vor einer gemütlichen Feuerstelle steht. Sein Nebenmann am vorgeheizten Grillrost ist nämlich Homo erectus, sein 400.000 Jahre alter Vorfahr. Hätte der unsere Sprache erlernen können, hätte er seine Jagdabenteuer vielleicht als echt krass und die gemeinsame Mahlzeit am Feuer als voll cool geschildert. Kühl bleibt das Grillgut hier tatsächlich, denn die knisternden Flammen züngeln auf Flachbildschirmen. Auf Knopfdruck gibt es dafür dann Nahrung fürs Hirn: spannende Filme über den Alltag heutiger Jägerkulturen.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 01/2010


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

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Mit Hilfe der NRW-Stiftung ist in dem Museum Mensch und Jagd, welches in der Burg Brüggen untergebracht ist, der Bereich "Geschichte der Jagd" neu eingerichtet.

Googlemap aufrufenMuseum Mensch und Jagd
Burgwall 4
41379 Brüggen
Telefon: 0 21 63 / 5 70 11 91
www.menschundjagd.de

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