FALKENBURG IN BERLEBECK

BURGENBAU IM NAMEN DER ROSE

Die mittelalterliche Falkenburg gehört zu den<br />
wichtigsten historischen Orten in NRW, denn sie war die Keimzelle des Landes Lippe.
Die mittelalterliche Falkenburg gehört zu den
wichtigsten historischen Orten in NRW, denn sie war die Keimzelle des Landes Lippe.
Nordrhein-Westfalen gehört zu den Bundesländern mit einem "Doppelnamen". Das NRW-Wappen ist aber nicht zwei-, sondern sogar dreiteilig, denn es zeigt außer dem Rheinsymbol und dem Westfalenross auch die Lippische Rose. Ihre Blüte begann vor rund 800 Jahren, als auf dem Falkenberg nahe Detmold eine mächtige Höhenburg entstand, die als die Wiege des Landes Lippe gilt. Um die eindrucksvolle Burgruine, die heute vom Verein "Die Falkenburg e.V." betreut wird, ranken sich spannende Geschichten von ritterlichen Fehden, herzoglichen Geiseln – und einer Fürstin, die aus Burgmauern Straßen machte.

Geografisch gesehen liegt der Kreis Lippe im östlichen Westfalen. Echte Lipper lassen sich aber ungern als Ostwestfalen bezeichnen, denn ihre Heimat hat eine ganz eigene Geschichte: Während alle anderen Gebiete des heutigen Landes NRW spätestens 1815 an Preußen fielen, blieb das Fürstentum Lippe noch bis 1918 selbstständig. Dass es nicht zu der drohenden Verschmelzung mit der preußischen Provinz Westfalen kam, war vor allem das Verdienst einer außer gewöhnlichen Frau – Fürstin Pauline zur Lippe, die von 1802 bis 1820 regierte. Ihr gelang das Kunststück, in den Konflikten der Großmächte stets im richtigen Moment auf der richtigen Seite zu stehen und so die Unabhängigkeit ihres Miniaturstaates mit seinen 80.000 Einwohnern zu bewahren.

Mit der Geschichte der Falkenburg eng verbunden: Fürstin Pauline zur Lippe.
Mit der Geschichte der Falkenburg eng verbunden: Fürstin Pauline zur Lippe.
Burgmauern als Straße
Im Umgang mit der Falkenburg beschritt Pauline im wahrsten Sinne des Wortes ganz neue Wege: Sie ließ große Mengen an Steinen von der Burg abtransportieren, um sie für den Bau einer Straße zu verwenden, die über die "Gauseköte" führte – einen Gebirgspass zwischen Detmold und Paderborn. Allerdings: Die Falkenburg war schon seit dem 16. Jahrhundert nur noch eine unbewohnte Ruine und wurde keineswegs zum ersten Mal als Steinbruch missbraucht. Der Verfall hatte eingesetzt, seitdem die lippischen Herrscher lieber in Detmold residierten, wo man noch heute mitten in der Stadt das landesherrliche Schloss bewundern kann.

Solange die Sanierung noch nicht abgeschlossen ist, darf das Burggelände nur bei Führungen betreten werden.
Solange die Sanierung noch nicht abgeschlossen ist, darf das Burggelände nur bei Führungen betreten werden.
Es war eine stolze Geschichte, die mit der Falkenburg in Trümmern lag. Der Bau war um 1190 von Bernhard II. zur Lippe begonnen worden, einem berühmten Adligen der Stauferzeit, den man häufig an der Seite so mächtiger Herren wie Heinrich dem Löwen oder Kaiser Friedrich Barbarossa sah. Da Bernhard im Alter allerdings Mönch und später auch noch Bischof wurde, führte sein Sohn Hermann den Burgenbau weiter. Unter ihm entstand auf dem Falkenberg eine der größten mittelalterlichen Festungen Westfalens, die mit ihrer mächtigen Ringmauer und ihren vorgelagerten Bastionen als uneinnehmbar galt. Dafür eignete sie sich aber umso besser, um Gefangene festzuhalten. Das musste 1404 Herzog Heinrich von Braunschweig-Lüneburg leidvoll erfahren, der mitsamt einem Gefolge von 100 Mann erst gegen ein hohes Lösegeld wieder freikam. Bei einem anschließenden Rachefeldzug vermochte jedoch auch er, die Falkenburg nicht einzunehmen.

Der Bau der Falkenburg war um 1190 von Bernhard II. zur Lippe begonnen worden.
Der Bau der Falkenburg war um 1190 von Bernhard II. zur Lippe begonnen worden.
Burg im Dämmerschlaf
In den letzten Jahrzehnten lag die Ruine der Falkenburg weitgehend unbeachtet in tiefem Dämmerschlaf. Nur der Zahn der Zeit arbeitete unverdrossen weiter – mit fatalen Folgen, denn das kostbare Bodendenkmal wurde nach und nach immer instabiler. Bis dann eine Initiative des lippischen Radiomoderators und Musikers Arne Heger 2004 zur Gründung des Vereins "Die Falkenburg e.V." führte, der seitdem für umfassende Sicherungs- und Ausgrabungsarbeiten gesorgt hat.

Dabei wurden nicht nur verschüttete Mauerabschnitte von bis zu 2,80 Meter Höhe freigelegt, sondern teilweise auch neue Aufmauerungen vorgenommen, damit Besucher das Ruinenplateau künftig wieder gefahrlos betreten können. Wenn die Arbeiten einmal abgeschlossen sind, wird die Falkenburg nicht nur ein attraktives touristisches Ziel, sondern auch ein stimmungsvoller Ort für Kulturveranstaltungen sein. Bis dahin gibt es allerdings noch viel zu tun: Derzeit ist das Betreten der Anlage für Unkundige noch immer lebensgefährlich und daher nur bei Führungen gestattet.
Grabungsfunde: So wurden Wölfe geangelt

Die Grabungen an der Falkenburg brachten inzwischen über 20 Wolfsangeln zum Vorschein.
Die Grabungen an der Falkenburg brachten inzwischen über 20 Wolfsangeln zum Vorschein.
Zum ersten Mal in Westfalen-Lippe haben Forscher des Landschaftsverbandes LWL jetzt in Detmold sogenannte Wolfsangeln aus dem 13. Jahrhundert gefunden. An der Detmolder Falkenburg entdeckten die Archäologen 20 der eisernen Haken, mit denen im Mittelalter Wölfe gefangen wurden. Die ungefähr 20 Zentimeter langen Fundstücke aus Detmold werden ab Februar 2010 in der Ausstellung "AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen" im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen sein. Seit rund fünf Jahren graben Archäologen des LWL auf der Stammburg der Edelherren zur Lippe in Detmold. "Die Wolfsangeln sind sicherlich der Höhepunkt der Grabungen", so Dr. Stefan Leenen, wissenschaftlicher Projektleiter der kommenden Ausstellung. "Sie zeigen, wie groß die Bedrohung der Burgbewohner durch Wolfsrudel in den umgebenden Wäldern dieser Höhenburg gewesen sein muss." Wolfsangeln sind ungewöhnlich geformte eiserne Haken, die mit Fleischködern bestückt an einem Seil in Bäume gehängt wurden – die Wölfe bissen an wie Fische und verendeten.
Grabungsfunde: Hundepfeifen aus vergangener Zeit

Auch nach 600 Jahren sind die gefundenen Hundepfeifen noch voll funktionsfähig.
Auch nach 600 Jahren sind die gefundenen Hundepfeifen noch voll funktionsfähig.
Ein 600 Jahre altes Geräusch, so etwas findet man nicht alle Tage. Auf der Falkenburg bei Detmold ist den Archäologen die kleine Sensation trotzdem gelungen. Bei ihren jüngsten Ausgrabungen stießen sie auf zwei mit Löchern versehene Gegenstände aus Knochenmaterial. Es waren Kleinteile mit Pfiff, wie sich bald herausstellte – mittelalterliche Hundepfeifen, die beim Hineinblasen einen schrillen Ton erzeugen. Einmal mehr erwies sich damit die Falkenburg, deren denkmalgeschützte Ruine mithilfe der NRW-Stiftung gesichert wurde, als Ort für außergewöhnliche Funde.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 1/2011


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen



Die NRW-Stiftung unterstützt auf Anregung des Vereins "Die Falkenburg e.V." die Restaurierung des Bodendenkmals im Bereich der Oberburg. Bereits seit 2005 koordiniert der Verein dort Grabungs- und Sanierungsarbeiten und bietet Führungen an.

Googlemap aufrufenFalkenburg e. V.
Volkwinstraße
32758 Detmold
kontakt@falkenburg-lippe.de
www.falkenburg-lippe.de

Bookmark and Share