DEUTSCHES KLINGENMUSEUM IN SOLINGEN

MESSER, GABEL, TISCHKULTUR

Besucher erfahren alles über die Messerherstellung.
Besucher erfahren alles über die Messerherstellung.
Wer erfand die Gabel? Seit wann kennen Menschen die Schere, das Messer, den Löffel? Wie fertigte man in früheren Zeiten einen Degen und welches Material verwendete man dafür? Das Deutsche Klingenmuseum in Solingen geht diesen und anderen Fragen zu Blankwaffen und vertrauten Alltagsgegenständen nach.

Das beidhändige Trabantenschwert wurde um 1580 von dem Solinger Schmiedemeister Johann Allich angefertigt.
Das beidhändige Trabantenschwert wurde um 1580 von dem Solinger Schmiedemeister Johann Allich angefertigt.
Im ehemaligen Klosterhof Gräfrath wird die Tischkultur mit ihren Sitten und Gebräuchen in den vergangenen Jahrhunderten porträtiert. Bestecke und Gedecke, wie wir sie heute kennen, waren im Mittelalter noch weitgehend unbekannt. Weil es bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts auch an der Tafel allgemein üblich war, seine Speisen mit dem Finger zu essen, mussten diese schon vorher mundgerecht zugeschnitten werden. Das Vorschneiden wurde aber nicht von Dienern oder Mägden übernommen, sondern blieb die vornehme Aufgabe von hohen Würdenträgern. Bauern und andere einfache Leute hatten dagegen vielfach nur ein einziges Messer, das sowohl zur Arbeit als auch zum Aufspießen des Fleisches diente. Der Gebrauch der Gabel ist sogar erst seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Und auch 100 Jahre später, zur Zeit des 30jährigen Krieges, war es immer noch üblich, mit den Fingern zu essen.

Tafelsilber tafelweise im Klingenmuseum.
Tafelsilber tafelweise im Klingenmuseum.
In einer der größten thematischen Sammlungen präsentieren sich Bestecke und Schneidwerke aller Epochen und Kulturen ebenso wie die Handwerkskunst der alten Solinger Schwertschmiede. Der große Bedarf an Blankwaffen wie beispielsweise Degen führte im 30jährigen Krieg (1618 bis 1648) zu einer bis dahin nicht gekannten Nachfrage an Klingen. Der weitaus größte Teil von ihnen war nicht etwa für Prunkwaffen, sondern für den Einsatz im Feld bestimmt. Bündelweise belieferten die Solinger Klingenschmiede nahezu alle kriegführenden Nation in Europa. Die Sammlung heimischer Ausstellungsstücke erlaubt tiefe Einblicke in die Geschichte und Vielfalt dieses typisch bergischen Handwerks.

Blankwaffen und sogar Rüstungen zeigt das Museum.
Blankwaffen und sogar Rüstungen zeigt das Museum.
Schon 1904 richtete die Solinger Fachschule für Metallgestaltung eine Vorbildersammlung für ihre Schüler ein, in den 50er Jahren entstand daraus das Deutsche Klingenmuseum. Nach dem Erwerb zweier großer Bestecksammlungen besaß das Museum bald auch die umfangreichste Bestecksammlung der Welt. Mit dem Umzug des Museums in den Klosterhof Gräfrath bot sich 1991 die Möglichkeit, die Sammlung durch zusätzliche Exponate zu ergänzen.

Mit ihren reichen Verzierungen erfüllten die großen Bidenhänder bisweilen auch repräsentative Zwecke.
Mit ihren reichen Verzierungen erfüllten die großen Bidenhänder bisweilen auch repräsentative Zwecke.
Ein besonderes Exponat, das mit erneuter Unterstützung der NRW-Stiftung erworben wurde, stellt das beidhändige Trabantenschwert aus der Schutztruppe des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel dar. Das ungewöhnlich qualitätsvolle Stück wurde um 1580 von dem Solinger Schmiedemeister Johann Allich angefertigt. Schwerter dieses Typs konnten durchaus 1,60 bis 1,90 Meter lang sein. Wer ein solches Schwertungetüm zu führen verstand, gehörte damit zu einer militärischen Elite, die den doppelten Sold erhielt: den Doppelsöldnern. Man setzte sie zum Beispiel ein, wenn es darum ging, die Fahne der eigenen Truppe vor der Eroberung zu schützen.

Aber auch bei den sogenannten "Trabanten" spielten Bidenhänder eine wichtige Rolle - bei den Leibwächtern und Schutztruppen adliger Herren. Mit seinen reichen Verzierungen weist das Trabantenschwert im Klingenmuseum allerdings darauf hin, dass die großen Bidenhänder bisweilen auch repräsentative Zwecke erfüllten - als sogenannte "Vortrageschwerter", die dem Herrscher vorangetragen oder die bei Zeremonien genutzt wurden.


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützte das Deutsche Klingenmuseum in Solingen beim Kauf von Exponaten für eine höfische Tafel des 18. Jahrhunderts und beim Erwerb einer Bestecksammlung des 20. Jahrhunderts. Mit finanzieller Unterstützung konnte auch das beidhändige Trabantenschwert, das um 1580 von dem Solinger Schmiedemeister Johann Allich angefertigt wurde, erworben werden.

Googlemap aufrufenDeutsches Klingenmuseum
Klosterhof 4
42653 Solingen
Telefon: 02 12 / 25 83 60
www.klingenmuseum.de

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