SÄGEMÜHLE IN MESCHEDE-REMBLINGHAUSEN

HARKEN, HÜLSEN, HÖLZER

Sie engagieren sich für die Geschichte ihrer Heimat: Ferdinand Flashar, Karl-Josef Schulte, Hans-Richard Meininghaus, Wilhelm Berghoff (v.l.).
Sie engagieren sich für die Geschichte ihrer Heimat: Ferdinand Flashar, Karl-Josef Schulte, Hans-Richard Meininghaus, Wilhelm Berghoff (v.l.).
Wer anderen zeigt, was eine Harke ist, macht sich meistens nicht beliebt. Besser ist es, wenn man gleich eine ganze "Harkenpinfräsmaschine" vorführen kann. Doch diese Möglichkeit hat weltweit nur der Mühlenverein im sauerländischen Remblinghausen. Schon fünfzehn Jahre lang betreut er in dem kleinen Ort bei Meschede die nostalgische Maschinenwelt der denkmalgeschützten "Sägemühle Schulte". Jüngster Triumph der ehrenamtlichen Tüftler: Die 1905 in Remblinghausen erstmals patentierte "Kleesa men enthülsungsmaschine" ist wieder zum Leben erwacht - obwohl ihr Räderwerk noch weit verwirrender ist als ihr Name.

Sanft blinkt das Wasser des Mühlenteichs herüber. Ein paar Schritte weiter grüßt die barocke Vierzehn-Nothelfer-Kapelle aus dem Jahr 1713. Die alte Sägemühle in Remblinghausen liegt abseits des Verkehrs in idyllischem Grün. Fast könnte man vergessen, dass hier bis 1983 noch hart gearbeitet wurde. Doch spätestens, wenn man die Mühle betritt und einen Blick auf ihr eindrucksvolles Innen leben wirft, wird klar: Wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen, sondern stattdessen zu Brettern verarbeitet werden sollen, dann erfordert das Muskel- und Maschinenkraft.

Turbine und Transmission
In der Remblinghauser Sägemühle wurden nicht nur Bretter gesägt, sondern zum Beispiel auch Holzharken hergestellt.
In der Remblinghauser Sägemühle wurden nicht nur Bretter gesägt, sondern zum Beispiel auch Holzharken hergestellt.
Remblinghausen ist nicht groß, aber die Sägemühle bildete immer so etwas wie einen eigenen Ortsteil. An der Lage abseits des Dorfes hat sich auch im 21. Jahrhundert nichts geändert, und so genügt als Adresse für das Mühlengebäude, das im Jahr 2009 sein 200-jähriges Jubiläum feiern kann, nach wie vor ganz einfach die Bezeichnung "Sägemühle". Erstmals urkundlich erwähnt wurde eine solche Mühle hier schon 1671. Vermutlich gab es sie aber schon viel früher.

Seit 1919 wird die Anlage nicht mehr durch ein Mühlrad, sondern durch eine Turbine angetrieben. Sie nutzte die Wasserkraft effektiver aus, was den Einbau einer "Transmission" erlaubte - eines komplizierten Systems aus Treibriemen und Riemenscheiben, mit dem sich unterschiedlichste Maschinen in Gang setzen ließen. Das war zuallererst natürlich die Sägevorrichtung selbst, das sogenannte Horizontalgatter, bei dem sich das Sägeblatt waagerecht bewegt und der Baumstamm auf einem schienengeführten Wagen zur Säge vorgeschoben wird.

Vom Baumstamm zur Wäscheklammer
Bereits seit 15 Jahren betreut der Mühlenverein Remblinghausen die nostalgische Maschinenwelt.
Bereits seit 15 Jahren betreut der Mühlenverein Remblinghausen die nostalgische Maschinenwelt.
Doch die Sägemühle war mehr als nur eine "Bretterfabrik". Sie umfasste auch eine komplette Stellmacherwerkstatt, in der Pferdewagen, Kutschen und landwirtschaftliche Geräte hergestellt wurden. Selbst hölzerne Wäscheklammern gehörten lange zur Produktpalette. Zusätzlich war im Obergeschoss des Turbinenhauses auch noch eine große Dreschmaschine installiert, auf der die Bauern ihr Getreide dreschen lassen konnten. Besonders beeindruckend: In der Maschine prasselte das Korn mit solcher Wucht, dass es im Lauf der Jahre sogar starke Bohlen zu durchlöchern vermochte.

Das Highlight unter all den urtümlichen Technikschätzen der Mühle aber ist zweifellos die Kleesamenenthülsungsmaschine, kurz auch Kleemühle genannt. Ihre Räder und Rollen, ihre Transportbänder und ihr Elevator - eine Art "Klee-Lift" - dienten eigentlich nur zur Gewinnung von profanem Saatgut. Doch die rumpelnde Achterbahnfahrt, die der Kleesamen dabei nehmen musste, wird selbst hartnäckige Technikmuffel erfreuen.

Technik am Faden
Die Sägemühle umfasst eine komplette Stellmacherwerkstatt.
Die Sägemühle umfasst eine komplette Stellmacherwerkstatt.
Für die Mitglieder des Mühlenvereins bedeutete das "Projekt Kleemühle" viele Stunden Tüftelei. Zwar ist die Patentschrift noch vorhanden, die Mühlenbetreiber Josef Schulte im Jahr 1905 eingereicht hatte, doch im Laufe der Zeit erlebte seine Maschine so manche konstruktive Nachbesserung. Und so griffen die Remblinghauser Mühlenenthusiasten lieber erst einmal zu Bindfäden, um sämtliche Bewegungsabläufe zunächst in aller Vorsicht nachvollziehen zu können. Erst als sie sich sicher waren, nicht mehr "den Faden zu verlieren", wurden schließlich die echten Treibriemen gespannt.

Und die Harkenpinfräsmaschine? Damit werden heute wieder die dünnen Stäbe gefertigt, die das Ausgangsmaterial für die Zähne der berühmten Remblinghauser Holzharken bilden. So eine traditionelle Holzharke lässt sich jedermann gern zeigen - und mancher begeisterte Mühlenbesucher erwirbt sie sogar als Andenken.
Klee und Kaff

Seit 1919 wird die Anlage nicht mehr durch ein Mühlrad, sondern durch eine Turbine angetrieben.
Seit 1919 wird die Anlage nicht mehr durch ein Mühlrad, sondern durch eine Turbine angetrieben.
Kaff? Das Wort darf man in Remblinghausen ruhigen Gewissens aussprechen, hat es doch nicht das Geringste mit dem Ort zu tun. Es ist einfach der niederdeutsche Ausdruck für "Spreu". Letztere ist keineswegs so wertlos, wie es die bekannte Redensart "die Spreu vom Weizen trennen" anzudeuten scheint. In Remblinghausen fing man die beim Getreidedreschen mit der Dreschmaschine anfallende Spreu in einem besonderen Vorratsraum auf, dem Kaff- oder Kawebunker. Sie eignete sich zum Beispiel als Viehfutter. Aber auch beim Kleemahlen entsteht Kaff. Die Bauern durften die Kleesamenenthülsungsmaschine umsonst benutzen, wenn sie dieses Kaff dem Müller überließen. Denn der konnte es in Meschede gewinnbringend absetzen: Ein dort ansässiger Matratzenhersteller verwendete es als Füllstoff für seine Produkte.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2009


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt ermäßigt.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützte den Sägemühlenverein Remblinghausen in Meschede bei der Herrichtung einer alten Sägemühle, von denen es in Westfalen nur noch wenige gibt. In dem denkmalgeschützten Gebäude können heute den Besuchern verschiedene Arbeitsgänge vorgeführt werden.

Googlemap aufrufenKulturdenkmal Sägemühle Remblinghausen
Sägemühle 17
59872 Meschede
Telefon: 02 91 / 5 08 02
www.saegemuehle-remblinghausen.de

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