NATURSCHUTZGEBIET GILLENBUSCH IM KREIS DÜREN

DIE BLAUE BLUME DES RURTALS

In der Nähe (35 Km) vom alten Bahnhof Nideggen-Brück hat sich eines der größten wilden Vorkommen des Hasenglöckchens in Deutschland gebildet.
In der Nähe (35 Km) vom alten Bahnhof Nideggen-Brück hat sich eines der größten wilden Vorkommen des Hasenglöckchens in Deutschland gebildet.
In England, Frankreich und Belgien ist der Anblick Tausender Hasenglöckchen nichts Ungewöhnliches. Dort stehen sie in vielen Wäldern und verwandeln die Krautschicht im Frühjahr in ein blaues Blütenmeer. Hierzulande kennt man das Hyazinthen-Gewächs mit den nickenden Glockenblüten eher aus Gärten und Parks. Nur Eingeweihte wissen, dass es vom Atlantischen Hasenglöckchen in Deutschland auch wilde Vorkommen gibt, und zwar ausschließlich in Nordrhein-Westfalen. Der Gillenbusch am Rande der Rurniederung im Kreis Düren gehört zu den wenigen Gebieten, wo die hübsche Pflanze auch bei uns in großer Zahl gedeiht.

Bevor die Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) der Rurniederung vor etwa 70 Jahren in der botanischen Fachwelt Aufmerksamkeit erregten, waren von dieser Art innerhalb Deutschlands nur ganz wenige Wuchsorte bekannt. Als man diese Bestände in Westfalen und Niedersachsen genauer unter die Lupe nahm, erwiesen sie sich aber allesamt als nicht ursprünglich: Ihre auffällige Nachbarschaft zu alten Adelssitzen und ihre teilweise exotische Begleitflora waren ein klares Indiz, dass sie auf Gartenpflanzen zurückgingen. In der Rurniederung zwischen Linnich und Hückelhoven dagegen standen die"Waldhyazinthen" abseits von Häusern und Gärten. Damals wie heute sind sich die Fachleute deshalb einig, dass dieses Vorkommen natürlich ist.

VON LICHT UND WÄRME WACHGEKÜSST

Viel Licht im Frühjahr braucht das Hasenglöckchen. Wachsen andere Büsche zu rasch zu stark, geht die empfindliche Pflanze oft ein.
Viel Licht im Frühjahr braucht das Hasenglöckchen. Wachsen andere Büsche zu rasch zu stark, geht die empfindliche Pflanze oft ein.
Einer der schönsten Bestände des Hasenglöckchens ist der im Gillenbusch nordöstlich von Linnich. Der pensionierte Förster Hans Rother aus Wassenberg kennt das Wäldchen schon seit vielen Jahrzehnten, und er weiß, dass die überlieferte Form der Waldnutzung den Hasenglöckchen nicht schadet. Im Gegenteil: Bis in die 50er-Jahre wurde der Gillenbusch regelmäßig in sogenannte Lose unterteilt – schmale Parzellen, wo die Bauern aus Glimbach Brennholz machen durften. "Im Jahr danach war hier alles blau – offenbar fördert ein gelegentliches Auslichten der Baum- und Strauchschicht die Vitalität der Blumen." Das bestätigt auch Gebietsbetreuer René Mause, Mitarbeiter der Biologischen Station im Kreis Düren. Er stellte nämlich fest, dass die Zahl blühender Hasenglöckchen zurückging, nachdem sich in der Strauchschicht Holunder ausgebreitet hatte, eine Folge des stärkeren Nährstoffeintrags aus der Umgebung: "Der Holunderstrauch entfaltet sein Laub sehr früh und wirft schon Schatten, wenn die Hasenglöckchen gerade austreiben." Mause wusste, was zu tun war: "Wir haben die Holunderbüsche kräftig zurückgeschnitten. Außerdem werden Gehölze wie Roteichen und Hybridlinden, die hier ursprünglich nicht vorkamen, gefällt und als Kaminholz verwertet." Der gewünschte Effekt ließ nicht lange auf sich warten. Auf mehr als 5.000 blühende Hasenglöckchen schätzt er den heutigen Bestand. Für den Kreis Düren ist das einzigartig und sogar deutschlandweit gehört die Population im Gillenbusch damit zu den größten der Republik. Zudem ist das Hasenglöckchen an den Jahresrhythmus des lichten Waldes optimal angepasst. Es hat seine Reserven für das nächste Jahr größtenteils schon eingelagert, wenn sich das Laubdach der Bäume schließt. Bald darauf verwelken seine Blätter. Für ein halbes Jahr erinnert dann nichts daran, dass in 20 Zentimeter Tiefe Tausende von Zwiebeln ruhen und darauf warten, von der Frühjahrswärme wachgeküsst zu werden.

WAS DER NAME ERZÄHLT

Nach einer griechischen Sage sind die Hyacinthoides non-scripta benannt. Zur Gattung der Hyazinthengewächse gehören sie allerdings nicht.
Nach einer griechischen Sage sind die Hyacinthoides non-scripta benannt. Zur Gattung der Hyazinthengewächse gehören sie allerdings nicht.
Erklärungsbedürftig ist der wissenschaftliche Name Hyacinthoides non-scripta, der auf die griechische Mythologie verweist: Hyazinth, ein unwiderstehlich schöner Königssohn, war der Schwarm von Apoll. Als sich die beiden jungen Männer einmal im Diskuswerfen übten, lenkte der von Eifersucht erfüllte Westwind Apolls Wurfscheibe ab, sodass sie Hyazinth am Kopf traf und tödlich verletzte. Wo sein Blut den Boden berührte, sprossen Blumen, nämlich Hyazinthen, aus der Erde, und auf ihren Blüten konnte man die Buchstaben AY, den Ausruf des Schmerzes, lesen. Von dieser "antiken" Hyazinthe unterschied sich das Hasenglöckchen nach Auffassung der Pflanzenkundler im 17. Jahrhundert dadurch, dass auf seinen Blüten keine Buchstaben zu finden waren. Sie gaben ihm deshalb zunächst den lateinischen Namen Hyacinthus non-scriptus, also "nicht beschrifteter Hyazinth". Diesen Namensbestandteil behielt die Pflanze bis heute, auch wenn das Hasenglöckchen mittlerweile einer anderen botanischen Gattung zugeordnet wurde.

Wer die Hasenglöckchen in freier Natur erleben möchte, kann das Naturschutzgebiet Gillenbusch, unmittelbar östlich des Linnicher Ortsteils Glimbach aufsuchen, wo Tausende der "Blauen Blumen" zu sehen sind.
WUSSTEN SIE SCHON ...

In der Biologischen Station Kreis Düren erfahren die Besucher vieles über Flora und Fauna der Region.
In der Biologischen Station Kreis Düren erfahren die Besucher vieles über Flora und Fauna der Region.
... dass Zwiebelgewächse wie das Hasenglöckchen die optimale Lage im Waldboden selbst regeln? Einige Wochen nach der Samenkeimung an der Oberfläche treibt die junge Pflanze eine schlanke Wurzel in die Tiefe und verankert sie dort. Anschließend schrumpft diese Wurzel und zerrt so den schlanken Spross eine Handspanne tief in den Boden hinab. Dabei legt sich die Haut der Zugwurzel in Falten wie eine drei Nummern zu lange Hose. Der Abstieg der Pflanze unter die Humusschicht dauert freilich ein paar Monate. Erst dort, wo sie vor Frost und Trockenheit geschützt ist, rundet sich die Sprossbasis zu einer Zwiebel.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 1/2009


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen

16.05.2012, NRW-Stiftung

Sehr geehrter Herr Specht,

Sie haben Recht. Der Eintrag in der Karte beruhte auf dem Standort der Biologischen Station. Wir haben dies jetzt korrigiert. Genauere Angaben zum NSG Gillenbusch erhalten Sie über die Internetseite des Landesamtes für Natur- Umwelt und Verbraucherschutz NRW, siehe: www.naturschutzinformationen-nrw.de/nsg/de/fachinfo/gebiete/gesamt/DN_018.
14.05.2012, Karl-Wilhelm Specht

Sehr geehrte Damen und Herren,
am gestrigen Sonntag, 13.5.2012, besuchte ich die Biologische Station im Alten Bahnhof Nideggen, um mich dort nach dem Vorkommen des Hasenglöckchens im Gillenbusch "bei Nideggen" zu erkundigen. Der junge Mann, der gerade Dienst hatte, konnte mir nicht weiterhelfen. Nach nochmaligem Betrachten Ihrer Website wird mir klar, warum: Die Kartendarstellung ist falsch. Der Gillenbusch ist bei Glimbach nahe Linnich, wie im Text auch richtig erwähnt. Zumindest wo Linnich li [...] mehr


Druckversion  [Druckversion]
Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung erwarb für die Biologische Station im Kreis Düren eine rund drei Hektar große Waldfläche im Naturschutzgebiet Gillenbusch bei Linnich im Kreis Düren, auf der das seltene Hasenglöckchen wächst.

Googlemap aufrufenDie Biologische Station hat ihren Sitz im ehemaligen Bahnhof Nideggen-Brück. Im einstigen Güterschuppen hat sie eine naturkundliche Dauerausstellung eingerichtet, die sonntags geöffnet ist.
www.biostation-dueren.de

Wer die Hasenglöckchen in freier Natur erleben möchte, kann das Naturschutzgebiet Gillenbusch, unmittelbar östlich des Linnicher Ortsteils Glimbach aufsuchen, wo Tausende der "Blauen Blumen" zu sehen sind.

Bookmark and Share