LEHRPFAD "MÜLHEIMER BODENSCHÄTZE" IM RUHRGEBIET

MÜLHEIM MACHT BODEN GUT

Die Schatzkisten machen deutlich, dass ein "Bodenschatz" vieles bedeuten kann.
Die Schatzkisten machen deutlich, dass ein "Bodenschatz" vieles bedeuten kann.
Boden? Das ist für viele Menschen zunächst einmal der Dreck, der an den Schuhsohlen klebt. Noch etwas? Doch, ja! Böden sind Biotop für ungezählte Organismen. Sie speichern Wasser, Humus und Mineralstoffe, sind Wurzelraum für Pflanzen und bilden damit die Grundlage unserer Ernährung. Als begrenzte Ressource brauchen Böden unseren Schutz, ähnlich wie die bedrohte Flora und Fauna. In der Stadt Mülheim haben Fachleute deshalb ausgewählte Böden auf Augenhöhe gebracht. Ein moderner Lehrpfad vermittelt Einsichten in eine faszinierende Welt und schafft eine neue Wertschätzung für das Naturgut, das wir mit Füßen treten.

Unsere Vorfahren waren sicher geübtere Bodenkundler als wir. Am natürlichen Pflanzenwuchs und an der Art, wie eine Hand voll Erde an den Fingern haftete, konnten sie abschätzen, ob ein Boden gut zu pflügen war, was man darauf am besten anbauen konnte oder ob er bei Dauerregen absoff. Wir müssen erst wieder lernen, einen Boden zu lesen. Doch das lohnt sich, findet Dr. Peter Keil: "Die Bodenkunde ist viel zu spannend, um sie nur Fachleuten zu überlassen". Als Leiter der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet und hervorragender Kenner der Natur im "Pott" möchte Keil seine Mitbürger stärker für die Themen Boden und Bodenschutz sensibilisieren: "Die Vielfalt der Böden im Stadtgebiet von Mülheim bietet viele Überraschungen, und es ist wirklich faszinierend, sich mit ihrer Entstehung und ihren Eigenschaften zu befassen."

STAUHORIZONT? PFLUGSOHLE?

Eines steht fest: Gesunde Böden sind nicht zu ersetzen.
Eines steht fest: Gesunde Böden sind nicht zu ersetzen.
Bei der Herstellung der am Lehrpfad gezeigten Bodenaufschlüsse haben Pädagogen und Pedologen (Bodenkundler) zusammengearbeitet. Die insgesamt elf Stationen erklären authentische Bodenprofile oder vermitteln sinnlich die Entstehung, Funktionen und den Schutz von Böden. Wer begreifen möchte, weshalb Waldboden nach Waldboden riecht, was Bodenfarben und Korngrößen aussagen und wie tief Wurzeln und Wurmgänge reichen, kann es hier lernen. Man erfährt auch, welches Ausgangsgestein welchen Boden hervorbringt, ob er einmal als Acker genutzt wurde, oder ob er Spuren einer früheren Besiedlung enthält. Wer die Mülheimer Bodenschätze besucht hat, für den sind Verdichtung, Stauhorizont und Pflugsohle kein wissenschaftlicher Bodennebel mehr, sondern anschauliche Begriffe, die Ordnung in die Unterwelt bringen.

DER BODENSATZ BLEIBT IM OHR

Statt wie auf einem Prozessionsweg hintereinander gereiht, ist ein guter Teil der Stationen an Stellen in der Stadt platziert, wo man sie nicht erwartet, wo aber viele Menschen vorbeikommen. Wer etwa das Parkhaus an der Schlossbrücke verlässt, steht beim Ausgang den "Säulen von Mülheim" gegenüber, die ihm eindringlich zeigen, wie schnell die Zerstörung der Böden in den Ballungsräumen fortschreitet. Und Spaziergänger, die sich auf der Mendener Höhe zum Ausruhen auf eine Parkbank setzen, bekommen aus einem kleinen Lautsprecher den einen oder anderen denkwürdigen "Bodensatz" zugeflüstert.

MIT DOPPELTEM BODEN

Die Boden-Litfasssäulen sind an verschiedenen Orten, unter anderem auch mitten in Mühlheim platziert.
Die Boden-Litfasssäulen sind an verschiedenen Orten, unter anderem auch mitten in Mühlheim platziert.
Die Diplom-Geologin Ulrike Marx, die das Projekt mit entwickelte, möchte die "Bodenschätze" als Angebot verstanden wissen. "Wir wollen die Leute neugierig machen. Viele Menschen sind nämlich höchst interessiert, wenn man ihnen die Unterschiede zeigt, etwa den zwischen einem intakten Ackerboden und dem Boden eines städtischen Sportplatzes." Genau diesen Vergleich erklärt Station 10 in der Ruhraue bei Mülheim-Saarn anhand von zwei Dauerprofilen. Die Gegenüberstellung ist verblüffend, humusgefüllte Regenwurmgänge hier, sterile Schlacke dort. "Jedes Kind weiß heute um die Bedeutung von reiner Luft, sauberem Wasser und hoher Artenvielfalt. Aber dass gesunde Böden eine mindestens ebenso wichtige Lebensgrundlage sind, ist den wenigsten klar."
Gerade die Großstadtböden sind oft großflächig versiegelt, durch industrielle Ablagerungen verschüttet oder durch giftige Altlasten gefährdet. Den verschwenderischen Umgang fortzusetzen, wäre tatsächlich bodenloser Leichtsinn. Kleine Kinder wissen genau, warum: "Wenn es keinen Boden mehr gibt, würden wir ja in die Erde fallen!"
WUSSTEN SIE SCHON...

Dr. Peter Keil und Corinne Buch von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet zeigen die Boden-Litfasssäule beim Mühlheimer Wasserbahnhof.
Dr. Peter Keil und Corinne Buch von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet zeigen die Boden-Litfasssäule beim Mühlheimer Wasserbahnhof.
... dass ein Fingerhut voll Boden eine innere Oberfläche von etwa 100 Quadratmetern hat?
... dass alle Organismen aus einem Kubikmeter Boden, einschließlich der Pilzfäden und Bakterien, zu einer Kette aneinandergereiht der fünffachen Entfernung Erde - Mond entsprächen?
... dass ein einziger Platzregen soviel Boden von einem unbewachsenen flachen Hang schwemmen kann, wie in mehreren hundert Jahren gebildet wurde.
... dass allein in Nordrhein-Westfalen Tag für Tag etwa 155.000 Quadratmeter Boden in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt werden?
... dass der Begründer der Evolutionstheorie, Charles Darwin, sein letztes Buch der Tätigkeit der Regenwürmer widmete? Auf seinem Anwesen hatte er einen großen "Wurmstein" platziert, um zu sehen, wie dieser langsam von den Regenwürmern "eingegraben" wurde.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 1/2009


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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützte die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet bei der Anlage eines Bodenlehrpfads. Insgesamt elf Stationen vermitteln in Mülheim an der Ruhr Wissenswertes über die Zusammensetzung, Entstehung, Funktion und Schutzbedürftigkeit des Bodens.

Googlemap aufrufenDie elf "Bodenstationen" des Mülheimer Bodenlehrpfades befinden sich im Stadtgebiet. Sie lassen sich gut bei einer Radoder Fußwanderung erkunden.

Die Biologische Station und die Stadt Mülheim haben dazu ein Faltblatt entwickelt, das unter anderem in der Tourist-Information erhältlich ist.
bodenschaetze.muelheim-ruhr.de und www.muelheim-ruhr.de/cms/entdeckertouren.html

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