BISMARCKTURM UNNA IN FRÖNDENBERG

DENKMAL MIT AUSSICHTEN

Der Bismarckturm eröffnet nicht nur neue Perspektiven - von hier aus lassen sich auch die umliegenden Landschaften neu "in den Blick" nehmen.
Der Bismarckturm eröffnet nicht nur neue Perspektiven - von hier aus lassen sich auch die umliegenden Landschaften neu "in den Blick" nehmen.
Wer vor dem 109 Jahre alten Bismarckturm bei Unna steht, blickt auf einen Teil unserer Geschichte. Wer auf dem Turm steht, blickt in weite Landschaften – vom Münsterland über das Sauerland bis ins Ruhrgebiet. Doch leider war das denkmalgeschützte Gebäude jahrzehntelang für Besucher gar nicht mehr zugänglich. Dass der Turm nun endlich wieder für historische Einsichten und landschaftliche Aussichten sorgen kann, ist das Verdienst des 2006 gegründeten "Bismarckturm-Vereins" und von über 50 ehrenamtlichen "Türmern".

Der "Bismarckturm Unna in Fröndenberg" wurde von dem Architekten Bruno Schmitz erbaut. Der Name des 1858 in Düsseldorf geborenen und 1916 gestorbenen Denkmalspezialisten ist heute noch ein Begriff, denn von ihm stammen einige der größten und bekanntesten Bauwerke Deutschlands: das Kyffhäuserdenkmal im Harz, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz, das riesige Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und auch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica.

Wer angesichts dieser wahrhaft "monumentalen" Aufzählung ins Grübeln gerät, der hat den Ausdruck "Denk mal" mit gutem Grund wörtlich genommen. Denn dem pathetischen Kaiser-Wilhelm-Kult oder der maßlosen Verehrung des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck stehen wir heute natürlich mit Distanz gegenüber. Trotzdem sind die Denkmäler des Wilhelminischen Zeitalters aber wichtige Zeugen der Geschichte – die man wie alle Zeugen nur richtig befragen muss, um interessante Auskünfte zu erhalten.

FEUERSÄULEN UND FEUERKÖRBE

Der Bismarckturm bei Unna gewährt interessante Einblicke in die Geschichte und herrliche Ausblicke in die weite Landschaft.
Der Bismarckturm bei Unna gewährt interessante Einblicke in die Geschichte und herrliche Ausblicke in die weite Landschaft.
Eine dieser Fragen könnte lauten: Wie "wilhelminisch" waren eigentlich die Kaiser- und Kanzlerdenkmäler im Zeitalter des "Wilhelminismus"? Höchst unterschiedlich, wie auch der Unnaer Bismarckturm bezeugt: Denn Kaiser Wilhelm II. förderte zwar die öffentliche Verehrung seines Großvaters Wilhelms I. stark, den Bismarckkult aber sah er eher mit Missfallen. Kein Wunder: Schließlich hatte er den einflussreichen Reichskanzler 1890 gezielt aus dem Amt gedrängt, weil er "selbst regieren" wollte.

Statt auf Unterstützung durch den Monarchen ging der Bau von Bismarckdenkmälern denn auch weitgehend auf private Initiativen des Bürgertums und der Studentenschaft zurück. 1898 schrieb die "Deutsche Studentenschaft" sogar einen Wettbewerb aus, bei dem der beste Entwurf für eine "Flammensäule" gesucht wurde, d. h. für einen Turm, auf dem sich ein Leuchtfeuer entfachen ließ. Nach diesem Vorbild sollten überall in Deutschland Türme gleichen Typs errichtet werden, um so an Bismarcks Geburtstag ein Netz von Flammen über das Land spannen zu können. Sieger des Wettbewerbs wurde der Architekt Wilhelm Kreis, dessen Entwurf mit dem bombastischen Namen "Götterdämmerung" später tatsächlich stolze 47-mal auch ausgeführt wurde. Bruno Schmitz hielt sich bei seiner knapp 20 Meter hohen Flammensäule mit "Feuerkorb", die er für Unna errichtete, hingegen an einen eigenen Entwurf. Von dem "Feuerkorb", der einst mit petroleumgetränktem Holz betrieben wurde, ist heute übrigens nichts mehr zu sehen. Seit 1989 befindet sich ein Stahlrohrgerüst an dieser Stelle, das als Bezugspunkt bei der Landesvermessung dient.

GEOGRAFISCHER MESSPUNKT

Als geografischer Messpunkt eignet sich der Unnaer Bismarckturm, weil er auf einem der höchsten Punkte der Gegend liegt, der "Friedrich-Wilhelm-Höhe", 214 Meter über dem Meeresspiegel. Für Ausflügler blieb der Turm aber schon seit Mitte der 1960er-Jahre versperrt, weil es zunächst an Mitteln für eine Sanierung fehlte und später ein kommunaler Kompetenzwirrwarr regelmäßige Öffnungszeiten verhinderte. Dieser Wirrwarr deutet sich schon in dem Namen "Bismarckturm Unna in Fröndenberg" an. Denn das Gebäude heißt so, weil es auf Fröndenberger Gebiet steht, aber der Stadt Unna gehört. Zusätzlich unterliegt es auch noch Zuständigkeiten des Kreises.

TOURISTISCHES SIGNAL

Erst die Initiative des 2006 gegründeten "Bismarckturm-Vereins" vermochte den gordischen Bürokratieknoten zu durchschlagen. Über 50 ehrenamtliche "Türmer" stellen nunmehr die regelmäßige Öffnung des Gebäudes sicher, das ein touristisches Signal in der noch viel zu wenig bekannten Landschaft des "Haarstrangs" setzen soll. Dabei geht es darum, den Blick der Besucher nicht nur für die Geschichte, sondern auch für die umgebenden Kulturlandschaften zu schärfen. So gute Aussichten haben nicht alle der noch existierenden Bismarcktürme – schon allein deshalb, weil einige aus Kostengründen nie als Aussichtstürme konzipiert wurden.
DER REICHSSCHMIED

Otto von Bismarck zählte im 19. Jahrhundert zu den mächtigsten Männern Europas.
Otto von Bismarck zählte im 19. Jahrhundert zu den mächtigsten Männern Europas.
Otto von Bismarck (1815-1898) zählte als preußischer Ministerpräsident und erster Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs zu den mächtigsten Männern des 19. Jahrhunderts. Er hatte entscheidenden Anteil an der Reichsgründung von 1871 und wurde daher auch als "Reichsschmied" bezeichnet. Die Zahl von insgesamt 240 Bismarcktürmen, die man zu seinen Ehren errichtete und von denen noch 172 existieren, klingt eindrucksvoll, aber sie verblasst gegen die Anzahl der Bismarckdenkmäler insgesamt: Es sind über 800. Das berühmteste dürfte die große Statue am Hamburger Hafen sein. Doch nicht nur Denkmäler, sondern auch eine Inselgruppe, das "Bismarckarchipel" in Papua-Neuguinea, und die "Bismarckberge" in Namibia wurden nach dem Reichskanzler benannt. Die Verbreitung seines Namens in entfernte Winkel der Welt hängt u.a. damit zusammen, dass das Deutsche Reich vor dem Ersten Weltkrieg noch überseeische Kolonien und sogenannte "Schutzgebiete" besaß. Doch trotz aller Ehrungen – Bismarck sorgte für viele Konflikte. Die Katholiken z. B. brachte er im "Kulturkampf" gegen sich auf, Sozialisten und Sozialdemokraten versuchte er mit dem repressiven "Sozialistengesetz" zu unterdrücken.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 1/2009


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Der Eintritt ist generell frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützte den Förderverein Bismarckturm Unna in Fröndenberg e. V. bei der Restaurierung des gleichnamigen Denkmals.

Googlemap aufrufenBismarck-Turm Unna auf der Friedrich-Wilhelms-Höhe
Hubert-Biernat-Straße 3a
58730 Fröndenberg
Telefon: 0 23 78 / 38 27 oder 0 23 73 / 97 62 23
www.bismarckturm-verein-unna.de

Der denkmalgeschützte Turm ist im Besitz der Stadt Unna, er liegt aber auf Fröndenberger Stadtgebiet.

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