"GRÜNE SPIELSTADT" IN BONN

WUNDERBARE WEIDEN-WELT

Die Initiatoren des Projekts: Dr. Walfried Pohl und Luzia Mayer.
Die Initiatoren des Projekts: Dr. Walfried Pohl und Luzia Mayer.
"Das Haus wächst mir über den Kopf", jammert mancher Eigenheimbesitzer, der nicht bedacht hat, wie viel Arbeit die eigenen vier Wände machen. Auf einem ehemaligen Gärtnereigelände am Stadtrand Bonns ist das anders: Dort freut man sich, wenn die Häuser über den Köpfen üppig sprießen. Beim Renovieren rücken die Besitzer auch nicht mit Maurerkelle und Farbeimer an, sondern mit der Astschere. Die Häuser in der "Grünen Spielstadt" bestehen nämlich aus lebenden Pflanzen und verbinden Naturgestaltung, Naturerlebnis und Umweltbildung.

Wuchernde Tipis, lebende Pavillons und fantasievolle Heckenhäuser bieten eine spannende Kulisse zum Lernen und Spielen.
Wuchernde Tipis, lebende Pavillons und fantasievolle Heckenhäuser bieten eine spannende Kulisse zum Lernen und Spielen.
Bekanntermaßen sind Weidenruten sehr biegsam und elastisch, sie lassen sich leicht zu Gerüsten flechten oder zu Bögen formen. Außerdem sind die Äste enorm regenerationsfähig. In den feuchten Boden gesteckt, wurzeln sie und treiben wieder aus. Aus einem kahlen Zweiggerüst lässt sich so binnen weniger Wochen eine grünende Laube herstellen. Tipis und Tunnel aus Weidenruten sind mittlerweile bei Kindergärten und Schulen beliebte Projekte. Doch lange Zeit gab es nirgendwo eine "Musterhaus-Siedlung" für die pflanzlichen Konstruktionen. Das änderte sich 1996. Seinerzeit überließ die Stadt Bonn einen Teil ihres Stadtgärtnerei-Grundstücks dem Deutschen Werkbund Nordrhein-Westfalen als Experimentierfeld. Der lud Fachleute und Laien ein, die bauen durften, was das (Grün-)Zeug hielt. Aus ganzen Wagenladungen von Weidenruten und -ästen entstanden im Verlauf mehrerer Workshops Dutzende von organischen Skulpturen. Neben Lauben, Pavillons und Laufgängen wuchsen Objekte wie das "Reisigsofa" und der Fantasievogel "Schneller Brüter". Zunächst waren sie als Anregung für Kindergärten, Schulen, Gartenbesitzer, Stadt- und Landschaftsplaner gedacht. Außerdem nahm das Projekt "Aus Hecken werden Häuser" als Bonner Beitrag an der Weltausstellung Expo 2000 teil.

Wachstum und Gestaltung

Eine besondere Anerkennung war die Verleihung des Bonner Umweltpreises im Jahr 2006.
Eine besondere Anerkennung war die Verleihung des Bonner Umweltpreises im Jahr 2006.
Als die ersten Weidenruten 1996 Wurzeln schlugen, wussten die "Obergärtner" Luzia Mayer und Dr. Walfried Pohl noch nicht, wie lange die Weidenhäuser stehen bleiben könnten. Nach dem Ende der Expo welkte zwar die finanzielle Förderung der "Grünen Spielstadt", aber nicht das Interesse der Öffentlichkeit. Über mehrere Jahre sprangen die Initiatoren deshalb selbst mit jeweils fünfstelligen Eurobeträgen ein, um die laufenden Kosten zu decken. "Das Geld, das andere fürs Studium ihrer Kinder abzweigen müssen, haben wir in unser Projekt gesteckt", so Pohl rückblickend. Dass die damals gepflanzten Stecklinge mittlerweile 12 weitere Jahresringe zugelegt haben und sich ungebremster Vitalität erfreuen, macht die Initiatoren stolz und glücklich. Eine besondere Anerkennung war die
Den Bonnern bietet die Grüne Spielstadt nicht nur ökologische Anschauung, sondern auch Erholung und Umweltbildung.
Den Bonnern bietet die Grüne Spielstadt nicht nur ökologische Anschauung, sondern auch Erholung und Umweltbildung.
Verleihung des Bonner Umweltpreises im Jahr 2006. Spannend finden die beiden, dass sich die Grüne Spielstadt weiterentwickelt. Das können und sollen auch die fleißigen ehrenamtlichen Helfer nicht ändern, die das Gelände in Schuss halten, störende Äste abschneiden oder austreibende Zweige einflechten. Einigen Bauwerken sieht man erst auf den zweiten Blick an, dass sie als Rutenbündelkonstruktion oder Flechtwerk begonnen haben. Mit Begriffen wie Naturobjekt, Gartenlaube, Spielzelt oder Kunst wird man den faszinierenden Grün bauten ohnehin nicht gerecht. Die natürliche Dynamik mischt den Inhalt solcher Schubladen ständig durch. So wirkt das über fünf Meter hohe "Grüne Klassenzimmer" des Lebendbau-Architekten Marcel Kalberer von weitem wie eine natürliche Gehölzgruppe. Erst wenn man die Innenwand der halbschattigen Kuppel betrachtet, erkennt man die Doppelnatur des geräumigen Weidenhauses.

"Wir brauchen noch Zauberer und Druiden ..."

Der Laufgang aus Weiden und wildem Wein zieht Kinder immer wieder in seinen Bann.
Der Laufgang aus Weiden und wildem Wein zieht Kinder immer wieder in seinen Bann.
Den Bonnern bietet die Grüne Spielstadt nicht nur ökologische Anschauung, sondern auch eine abwechslungsreiche Kulisse für Erholung und Umweltbildung. Im Sommerhalbjahr wird das Gelände beispielsweise für Weidenbau-Workshops und als Treffpunkt der Bonner NABU-Junior-Ranger genutzt. Für den Nachwuchs gibt es eine besondere Kurzweil: Während die Eltern im Schatten eines Silberweiden-Pavillons picknicken, teilt Ruth Bozek die Kindergruppe für ein spannendes Rollenspiel ein. Kurz darauf bevölkern kleine Späher, Elfen und Druiden das Gelände. Während ihres einstündigen Abenteuers suchen sie versteckte Gegenstände, erkennen Duftpflanzen und lösen Tierrätsel. Zwischendurch rennen die Kleinen juchzend durch die "Kinderschnecke" oder schleichen durch die Laufgänge und Kriechtunnel der "Zauber-Weiden-Welt".

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2008


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Die "Grüne Spielstadt" auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei Bonn ist eine parkähnliche, rund 7.500 Quadratmeter große Anlage mit über 30 verschiedenen "Lebendbauten". Sie entstand mit Unterstützung der NRW-Stiftung unter der Leitung von Dr. Walfried Pohl und Luzia Mayer vom Deutschen Werkbund NW. Im Jahr 2007 übernahm der Wissenschaftsladen Bonn die Anlage an der Straße "Im Dransdorfer Feld".

Googlemap aufrufenAnschrift:
Im Dransdorfer Feld
53121 Bonn
Telefon: 0228 2016116
info@gruene-spielstadt.de

Weitere Informationen und Gruppenanmeldungen unter www.gruene-spielstadt.de

Geöffnet ist die Weiden-Welt an jedem ersten Sonntag im Monat von 11 - 17 Uhr, außerdem gibt es zahlreiche Zusatzveranstaltungen.

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