DAS "NATURSCHUTZGEBIET LISTERTAL" IM MÄRKISCHEN KREIS

DER KÜHLE HAUCH DES EBBE

Unter Naturfreunden ist das Listertal bekannt für seine Vorkommen des Eisenhutblättrigen Hahnenfußes.
Unter Naturfreunden ist das Listertal bekannt für seine Vorkommen des Eisenhutblättrigen Hahnenfußes.
Das Süderbergland mit seinem Reichtum an Eisenerz, Wasserkraft und Holz zog von jeher Gewerbe und Industrie an. Was den Bewohnern bescheidenen Wohlstand brachte, hinterließ in der Landschaft manche Wunde: Gewässer wurden ausgebaut, gestaut oder verschmutzt, und Eisenschmelzen oder Hammerwerke zerschnitten vielerorts die grünen Bänder der Auen. Große Teile des Listertals am Fuß des Ebbegebirges blieben von solchen Eingriffen jedoch verschont. Gemeinsam mit ortsansässigen Landwirten kümmert sich das "Naturschutzzentrum Märkischer Kreis e.V." um den Erhalt des Sauerländer Kleinods.

Für die ungiftige Ringelnatter sind die Feuchtwiesen an der Lister ein idealer Lebensraum.
Für die ungiftige Ringelnatter sind die Feuchtwiesen an der Lister ein idealer Lebensraum.
Zwar wurden vor 70 Jahren auch entlang der Lister manche Bachmäander begradigt, aber der Talabschnitt zwischen Breddershaus und Krummenerl mit seinen großflächigen Feuchtwiesen und dem fast durchgehenden Schwarzerlen-Galeriewald gehört nach wie vor zu den naturnahen Auen. Zwischen den glänzenden Binsenstängeln geht dort noch die Ringelnatter auf Froschjagd und die quittengelbe Gebirgsstelze pendelt zwischen dem Ufer und ihrem gut versteckten Nest. Um das Listertal in seinem schönsten Kleid zu sehen, sollte man im späten Frühjahr oder Frühsommer hierherkommen, denn vor der ersten Mahd schmücken sich die Talwiesen mit prachtvollen Pastellfarben. Im Grün von Gräsern und Seggen leuchten das hellblaue Sumpf-Vergissmeinnicht, das zartviolette Wiesenschaumkraut, der rosa blühende Schlangenknöterich und die pinkfarbene Kuckucks-Lichtnelke.

Die Blume, die aus der Kälte kam

Im späten Frühjahr und Frühsommer sieht man das Listertal in seinem schönsten Kleid.
Im späten Frühjahr und Frühsommer sieht man das Listertal in seinem schönsten Kleid.
In den (Halb-)Schatten gestellt werden sie aber von einer über kniehohen Staude aus der Hahnenfuß-Verwandtschaft. Während seine kleineren Geschwister, der Kriechende und der Scharfe Hahnenfuß gelbe Punkte in die Wiesen malen, schieben sich die großen weißen Blüten des Eisenhutblättrigen Hahnenfußes an Gräben und Ufern zu einem weiß leuchtenden Schleier zusammen. Wie kleine Krönchen ragen aus jeder Blüte die Büschel der goldenen Staubblätter hervor. Die dichtesten Bestände wachsen auf den nicht jährlich oder erst spät gemähten Parzellen. Die Vorkommen in den Tälern rund um das Ebbegebirge sind übrigens nicht nur einzigartig in Nordrhein-Westfalen, sondern weit darüber hinaus. Erst im Schwarzwald und anderen süddeutschen Gebirgen setzt sich das Verbreitungsareal fort. Im Sauerland gilt die Art deshalb als Eiszeitrelikt, obwohl sie in den Tälern durchaus bis in Lagen unter 300 Meter absteigt. Gerd Eppe, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Märkischer Kreis e.V., erklärt das so: "Durch die Täler fließt ja nicht nur Wasser ab, sondern auch die kalte Luft aus den Hochlagen. Hier unten spürt man den kühlen Hauch des Ebbegebirges oft stärker als auf den Bergkuppen nebenan."

Ein Glücksfall für das Tal

Um den Schutz der Landschaft kümmert sich unter anderem Gerd Eppe vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis e.V.
Um den Schutz der Landschaft kümmert sich unter anderem Gerd Eppe vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis e.V.
Um die noch weitgehend intakten Auen der Lister und ihrer Nebenbäche wirksamer schützen zu können, begann dort die NRW-Stiftung Mitte der 1990er-Jahre mit dem Ankauf von Wiesen und Weiden. Da einige Landwirte ihre Grundstücke nur gegen gleichwertiges Grünland außerhalb des Tals tauschen wollten, führte das Amt für Agrarordnung Siegen ein Bodenordnungsverfahren durch. Gerd Eppe trug mit seinen Kenntnissen nicht nur zur Vorbereitung bei, sondern kümmert sich seither auch darum, dass die Auenwiesen weiterhin an Landwirte verpachtet und naturschonend genutzt werden. "Als das Listertal 1995 Naturschutzgebiet wurde, waren einige Bauern skeptisch", berichtet er, "die hatten Sorge, man dürfte hier kein Heu mehr machen." Eppe konnte solche Befürchtungen rasch entkräften: "Die Flächen sollen ja weiter bewirtschaftet werden – es ging nur ums Wie. Zu viel Dünger, zu frühe Mahdtermine oder auch zu viele Pferde vertragen die Wiesen nicht. Deshalb war es ein Glücksfall, als die NRW-Stiftung Eigentümerin wurde! Mit der formalen Unterschutzstellung allein hätten wir nämlich auf die Nutzung kaum Einfluss nehmen können, aber jetzt arbeiten wir mit den Bauern gemeinsam für die Erhaltung des schönen Listertals."
Die Lister – Zwischen "Grundlose" und versunkener Mündung

Ihren Anfang nimmt die Lister im Naturpark Ebbegebirge, einer niederschlagsreichen Wasserscheide im Westen des Sauerlandes. Punktgenau lässt sich die Listerquelle nicht festlegen, denn ihr Wasser sickert flächig im ausgedehnten Hangmoor "Grundlose" zusammen. Vom Ebbe aus plätschert die junge Lister zuerst genau nach Süden, später eher nach Osten. Nach 12 Kilometern weitet sie sich zur vier Kilometer langen Listertalsperre, die als Seitenarm direkt an den Biggesee grenzt. Versunken auf deren Grund liegt die frühere Mündung der Lister. Über Bigge, Lenne und Ruhr gelangt das Listerwasser schließlich in den Rhein. Auf seinem langen Weg hat es dann fast eine vollständige Linksspirale beschrieben.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2008


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Die NRW-Stiftung kaufte in den vergangenen Jahren 70 Hektar Land für Zwecke des Naturschutzes im Listertal und seinen Seitentälern im südlichen Märkischen Kreis. Die Flächen werden vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis e.V. betreut und an Landwirte verpachtet, die dieses Gebiet naturverträglich bewirtschaften.
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