DAS FORUM JACOB PINS IM ADELSHOF

EXPRESSIONISMUS IM ADELSHOF

Der Adelshof, der im 16. Jahrhundert zum Kloster Corvey gehörte, wurde 1988 unter Denkmalschutz gestellt.
Der Adelshof, der im 16. Jahrhundert zum Kloster Corvey gehörte, wurde 1988 unter Denkmalschutz gestellt.
Der Adelshof "Heisterman von Ziehlberg" in Höxter wurde 1512 erstmals schriftlich erwähnt – mit dem Hinweis, es sei notwendig, ihn baulich wieder herzurichten. Fast 500 Jahre lang trotzte die mehrfach erneuerte Anlage denn auch dem Zahn der Zeit. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts aber schien sie nach 25 Jahren Leerstand endgültig dem Verfall preisgegeben. Das änderte sich erst, als der Jerusalemer Maler Jacob Pins der Stadt Höxter, in der er 1917 geboren worden war, einen großen Teil seiner Werke vermachte. Im April 2008 eröffnete in dem alten Adelshof das "Forum Jacob Pins". Es zählt bereits jetzt zu den wichtigsten Kultureinrichtungen Höxters.

Die Hofanlage Heisterman von Ziehlberg gehörte im 16. Jahrhundert dem nahe bei Höxter gelegenen Kloster Corvey, das damit seinen höchsten weltlichen Würdenträger, den corveyischen Kanzler, belehnte. Mit ihren drei Fachwerkgebäuden vermittelt uns die Anlage heute ein Bild davon, wie die städtischen Adelshöfe Höxters im 16. und 17. Jahrhundert aussahen, als die sogenannte "Weserrenaissance" für eine außergewöhnliche Baublüte im Weserraum sorgte – vom Fachwerkhaus bis hin zum repräsentativen Schlossbau. 1988 wurde der Adelshof unter Denkmalschutz gestellt, doch zu einer Sanierung kam es nicht, weil es an geeigneten Nutzungskonzepten fehlte. Nach langen Jahren gescheiterter Ideen hätte man in Höxter zuletzt wohl am allerwenigsten daran geglaubt, dass die Rettung der Anlage schließlich sogar mit der Eröffnung einer Kunstausstellung von internationalem Rang einhergehen würde.

Ein Kunstschatz für Höxter

Seit April 2008 sind im Forum Jacob Pins die Arbeiten des aus Höxter stammenden Künstlers zu sehen. Für den Erhalt seines Werkes engagieren sich Dr. Dieter Schuler und Andrea Mengersen.
Seit April 2008 sind im Forum Jacob Pins die Arbeiten des aus Höxter stammenden Künstlers zu sehen. Für den Erhalt seines Werkes engagieren sich Dr. Dieter Schuler und Andrea Mengersen.
Ohne Jacob Pins, der 1917 als Sohn einer jüdischen Familie in Höxter geboren wurde, hätte es diese überraschende Wende auch nicht gegeben. 1936 war Pins als 19-Jähriger nach Palästina ausgewandert, um sich den in Deutschland begangenen NS-Verbrechen gegen die Juden zu entziehen. In Israel wurde er heimisch und verwirklichte dort mit einer erfolgreichen künstlerischen Karriere als Maler und Sammler auch seinen beruflichen Lebenstraum. 1959 kam Pins zum ersten Mal wieder nach Höxter: "Ich musste dahin, ich hatte das Gefühl, ich hätte dort meine Kindheit, meine Jugend verloren. Insgeheim, in meinem Schädel, wusste ich, dass das Blödsinn war, aber mein Herz sagte mir: Ich muss es noch einmal sehen." So erklärte er es dem Schriftsteller Ralph Giordano, der darüber in seinem Buch "Israel, um Himmels willen Israel" berichtet hat.

Auf die erste vorsichtige Annäherung folgten nach und nach nicht nur weitere Besuche und freundschaftliche Kontakte, sondern auch Ausstellungen von Pins’ Bildern in Höxter und Corvey. Im Jahr 2002, drei Jahre vor seinem Tod, entschloss sich der Maler dann, einen großen Teil seiner Werke der Stadt Höxter ganz zu überlassen. Er widmete diese Stiftung dem Andenken seiner Eltern, die anders als er selbst dem NS-Terror nicht hatten entkommen können und 1944 im Rigaer Getto ermordet worden waren.

Im Jahr 2002 entschloss sich Jacob Pins, der Stadt Höxter einen großen Teil seiner Werke zu vermachen - er widmete die Stiftung dem Andenken seiner Eltern.
Im Jahr 2002 entschloss sich Jacob Pins, der Stadt Höxter einen großen Teil seiner Werke zu vermachen - er widmete die Stiftung dem Andenken seiner Eltern.
In Höxter begriff man sofort, dass für die große Anzahl an bedeutenden Gemälden, Aquarellen, Druckstöcken und Holzschnitten eine angemessene Präsentationsmöglichkeit gefunden werden musste. Schon bald eröffnete sich dabei eine begeisternde Perspektive: Der Hof Heisterman von Ziehlberg sollte als "Forum Jacob Pins" endlich eine neue Funktion erhalten. Eine wesentliche Grundlage für dieses Konzept lag in den Arbeiten des Bauhistorikers Dr. Holger Reimers. Die 2003 gegründete Jacob Pins Gesellschaft sorgte außerdem für eine gesicherte Finanzierungsgrundlage, zu der auch die NRW-Stiftung einen Anteil beisteuerte. Wie stark das Projekt im Bewusstsein der Höxteraner verankert war, zeigte sich in einer überaus großen Spendenbereitschaft. Darüber hinaus wurde die architektonische und grafische Gestaltung des Forums von Cornelia Lange und Christoph Grüder übernommen – beide ehemalige Schüler des "KWG", des König-Wilhelm-Gymnasiums, das auch Jacob Pins von 1927 bis 1933 besucht hatte.

Neben Werken von Jacob Pins beleuchtet das Forum die deutsch-jüdische Geschichte in Höxter.
Neben Werken von Jacob Pins beleuchtet das Forum die deutsch-jüdische Geschichte in Höxter.
Heute findet man in dem alten Adelshof an der Westerbachstraße neben Bildern von Pins, der 2003 Ehrenbürger von Höxter wurde, auch Ausstellungen mit Werken anderer zeitgenössischer Künstler. Zusätzlich dokumentiert das Forum die Geschichte des Adelshofes selbst und beleuchtet die deutsch-jüdische Geschichte in Höxter. Nicht zuletzt erinnert es an die vielen vom Nationalsozialismus verursachten tragischen Schicksale jüdischer Bürger.
Jacob Pins – Maler und Sammler

 
 
Zu den vielfältigen Einflüssen auf die künstlerische Entwicklung von Jacob Pins (1917–2005) gehört vor allem der Expressionismus. Das schlägt sich nicht zuletzt in der großen Bedeutung von Holzschnitten für sein Werk nieder. Der Künstler zeigte diese Arbeiten ebenso wie seine Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen außer in Israel u. a. auf Ausstellungen in London, New York, Amsterdam, Chicago, Köln und Rio de Janeiro. Einen Namen machte sich Pins auch als bedeutender Sammler ostasiatischer Kunst. 1957 erhielt er den Ohara-Preis der Biennale für Grafik in Tokio, 1961 den Jerusalem-Preis, 1982 erschien sein Buch "The Japanese Pillarprint". Im Dezember 2005 starb Jacob Pins 88-jährig in Jerusalem.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2008


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt ermäßigt.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützt die Jacob Pins Gesellschaft bei der Einrichtung des Forums Jacob Pins in einem Teil des ehemaligen Adelshofes Heisterman von Ziehlberg in Höxter. Seit 2008 wird das liebevoll restaurierte Gebäude für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

Googlemap aufrufenForum Jacob Pins im Adelshof
Westerbachstraße 35-37
37671 Höxter
Telefon: 0 52 71 / 6 94 74 41
www.jacob-pins.de

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