DAS SAUERTAL IM KREIS PADERBORN

WO DIE PADER NOCH SAUER HEISST

Mit seinen Karstbächen, Wäldern und Kalkfelsen bietet das Sauertal einen reizvollen Kontrast zur Ackerlandschaft der Paderborner Hochfläche. Blühend: Arznei-Thymian (Thymus pulegioides).
Mit seinen Karstbächen, Wäldern und Kalkfelsen bietet das Sauertal einen reizvollen Kontrast zur Ackerlandschaft der Paderborner Hochfläche. Blühend: Arznei-Thymian (Thymus pulegioides).
Die Sauer ist ein merkwürdiges Flüsschen: Zum einen ist sie nicht sauer, zum anderen versickert sie in rätselhaften Löchern, bevor sie überhaupt richtig in Fahrt gekommen ist. Trotzdem hat sie ein tiefes Tal geschaffen. Und noch etwas ist bemerkenswert: Zehn Kilometer vom Ort ihres Verschwindens entfernt drängt sie mitten in Paderborn wieder ans Licht, allerdings unter einem anderen Namen. Die Sauer ist damit einer der spektakulärsten Karstbäche in Nordrhein-Westfalen. Landschaftlich besonders schöne Abschnitte befinden sich am Mittellauf, im "Naturschutzgebiet Sauertal".

Der Rotmilan nutzt die Thermik der Sauertals.
Der Rotmilan nutzt die Thermik der Sauertals.
Folgt man den Bächen des Egge-Westhanges mit dem Finger auf der Landkarte, stellt man fest, dass die blauen Adern plötzlich abreißen. Selbst die Sauer, die ein tiefes Kerbtal in die Hochfläche gesägt hat, wird hier zur unterbrochenen Strichelspur. Was man für einen Fehldruck halten könnte, ist die korrekte kartografische Darstellung eines sogenannten "Karst-Trockentals". In Regenzeiten oder während der Schneeschmelze plätschert hier ein Bach. Dann wieder macht er sich dünne oder verschwindet gurgelnd wie durch den Abfluss einer Badewanne im Untergrund. "Schwalglöcher" heißen diese Naturgullys. Wo das Wasser hinfließt, ist erst seit gut 100 Jahren bekannt: Färbeversuche zeigten, dass die Sauer zehn Kilometer entfernt wieder ans Tageslicht kommt – in Gestalt der Paderquellen mitten in Paderborn!

DER NEUNTÖTER IST QUALITÄTSBEWUSST

In diesem Schwalgloch verschwindet die Sauer im Boden. In Paderborn tritt sie als Pader wieder ans Tageslicht.
In diesem Schwalgloch verschwindet die Sauer im Boden. In Paderborn tritt sie als Pader wieder ans Tageslicht.
Neben den Bachschwinden findet man weitere Karstformen: Quellschwemmkegel, Dolinen und Höhlen – das Land ist offenbar nicht ganz dicht. Versickerndes Oberflächenwasser hat die 90 Millionen Jahre alten Kreidekalke gelöst, dünne Ritzen zu Klüften erweitert und Höhlen in den Untergrund gefressen. Die größte ist fast 250 Meter lang. Zum Schutz vor Unfällen, aber auch um den "Hausfrieden" seltener Fledermäuse nicht zu brechen, wurde ihr Eingang vor einigen Jahren vergittert.

Die Neuntöter in den Tälern der Paderborner Hochfläche haben eine gute Wahl getroffen. Ihr Lebensraum ist erstaunlich vielfältig: Halbtrockenrasen mit vielen Einzelgebüschen, magere Weiden und Wiesen, hier und dort unterbrochen von wärmeliebenden Laubwäldern und Felsen. Am Oberlauf der Sauer, wo basenarme Gesteine den Untergrund bilden, gibt es auch Borstgrasrasen und kleine Moore. Der Flussname Sauer soll dennoch nichts mit Säure zu tun haben. Vielmehr leitet er sich von "sor" ab, was so viel wie "trocken" bedeutet. Das "Soratfeld", wie dieser Teil der Hochfläche genannt wird, hat den gleichen Namensursprung.

NATURSCHONENDE BEWIRTSCHAFTUNG MACHT SICH BEZAHLT

Für Zwecke des Naturschutzes erwarb die NRW-Stiftung etwa 120 Hektar Land im Sauertal bei Grundsteinheim.
Für Zwecke des Naturschutzes erwarb die NRW-Stiftung etwa 120 Hektar Land im Sauertal bei Grundsteinheim.
Die Landesnatur machte es den Bauern im Sauertal nicht gerade leicht: Steile, schwer zu bewirtschaftende Hanglagen, ertragsarme, trockene Böden. Als das Tal im Jahr 2000 Naturschutzgebiet wurde und die NRW-Stiftung die ersten 120 Hektar kaufte, wurde es einfacher. Warum, erklärt Christian Finke von der Biologischen Station im Südkreis Paderborn: "In den vergangenen 50 Jahren ließen die Eigentümer unter dem wirtschaftlichen Druck die Hänge brach liegen oder sie forsteten sie mit Nadelbäumen auf. Wenn sie jetzt die Flächen pachten, um sie mit Rindern oder Schafen zu beweiden, verpflichten sie sich, die Auflagen des Naturschutzes einzuhalten. Das rechnet sich, denn die naturschonende Bewirtschaftung wird gefördert. Zugleich sind sie stolz auf ihren Beitrag zum Erhalt dieses historischen Erbes."
DER WÜRGER VOM SAUERTAL

Mangelnde Reiselust kann man ihm nicht nachsagen: Sieben von zwölf Monaten des Jahres ist der Neuntöter oder Rotrückenwürger zum, im oder vom afrikanischen Winterquartier unterwegs. Nur fünf Monate, von Mai bis September, dauert sein jährliches Gastspiel bei uns. Dabei gehört er auch noch zu denjenigen Zugvögeln, die für Ab- und Anreise unterschiedliche Flugrouten wählen.

Früher nannte man den Neuntöter auch Dorndreher, denn der 17 Zentimeter große Vogel betreibt am Brutplatz eine für seine Gattung typische Vorratshaltung: "Er steckt grosse Fliegen und andere Ungezieffer, so dann von ihm gefangen worden, an die Dörn und läst sie also hangen." In diesem Punkt hatte der Naturforscher Conrad Gesner 1598 in seinem Vogelbuch Recht. Weniger korrekt beschrieb er den Beuteerwerb des "Thorndräers": "Die Vögel greifft er nicht tapffer mit den Klauen an, ... sondern listiglich fährt er ihnen an den Halß, und druckt ihnen mit dem Schnabel die Hirnschalen ein." In Wirklichkeit fängt der Neuntöter hauptsächlich Käfer und Heuschrecken von Zentimetergröße. Kleine Wirbeltiere erwischt er selten. Wer aber im Sauertal einen Käfer, eine Eidechse oder eine Maus findet, die wie an einem Fleischerhaken im Gebüsch hängt, kann sicher sein, dass der Würger nicht weit ist.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 1/2008


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Die NRW-Stiftung erwarb mit maßgeblicher Unterstützung der Verwaltung für Agrarordnung in Warburg in den vergangenen Jahren für Zwecke des Naturschutzes etwa 120 Hektar Land im Sauertal bei Grundsteinheim. Das landschaftlich reizvolle Gebiet wird von der Gemeinschaft für Naturschutz im Altkreis Büren e.V. betreut.
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