UMWELTBILDUNGSSTÄTTE ROLFSCHER HOF BEI DETMOLD

NEUES LEBEN IN ALTEN MAUERN

Sonniges Lachen trotz des Regenwetters: Hans-Dieter Wiesemann, Lydia Bünger und Bernd Heinz (v.r.n.l.), umringt von einigen Fans des Rolfschen Hofes.
Sonniges Lachen trotz des Regenwetters: Hans-Dieter Wiesemann, Lydia Bünger und Bernd Heinz (v.r.n.l.), umringt von einigen Fans des Rolfschen Hofes.
Für ein Haus aus Naturstein sind 110 Jahre eigentlich kein Alter. Wenn man die Geschichte des Vorgängerhofes hinzuzählt, sieht die Rechnung aber schon anders aus: Die Kötterstelle, auf welcher der Rolfsche Hof im Jahr 1899 erbaut wurde, geht nämlich auf das späte 12. Jahrhundert zurück. Heute beherbergt das Haus am Ortsrand von Detmold-Berlebeck eine Umweltbildungsstätte und hat sich zu einem der beliebtesten Lernstandorte für die Detmolder Schulkinder entwickelt.

Ursprünglich bildeten dieser und vier weitere Höfe eine kleine Hagenhufensiedlung. Die Hofstellen lagen in gleichmäßigen Abständen entlang eines Weges. Hangaufwärts schloss sich das zugehörige Land, der "Hufen", an. Er blieb auch nach der Rodung des Waldes von einer Grenzhecke, dem "Hagen", umgeben. Den Namen Rolfscher Hof bekam das Haus nach dem verstorbenen Vorbesitzer, der hier mit seiner Schwester eine kleine Landwirtschaft betrieben hatte. 1995, nach dem Tod der Rolfs, war das Haus in einem trostlosen Zustand, seit Jahrzehnten war eine Sanierung überfällig.
Um dem Stil des alten Hofes treu zu bleiben, wurde bei der Sanierung der Gebäude ein Bauhistoriker zurate gezogen.
Um dem Stil des alten Hofes treu zu bleiben, wurde bei der Sanierung der Gebäude ein Bauhistoriker zurate gezogen.
Deshalb ließ Hans-Dieter Wiesemann, Vorsitzender des NABU Detmold, das Haus erst einmal außen vor, als er über den Landschaftsschutz für die Hänge am Ortsrand von Berlebeck nachdachte. Für die zwölf Hektar Wiesen und Weiden, Hecken, Wäldchen, Steinbrüche und Quellen hatte er sofort eine Vision. "Wir wollten diese alte Kulturlandschaft erhalten und sie den Stadtkindern als Natur-Erlebnisraum anbieten." Als die Staff-Stiftung das Geld für den Kauf der Grundstücke bewilligte und das Haus obendrauf dazu gab, entstand der Plan, das Hofgebäude ebenfalls für die Naturpädagogik herzurichten. Während das kaputte Dach, die feuchten Fundamente und die geschwächte Statik von Fachleuten in Stand gesetzt wurden, legte Wiesemann draußen selbst Hand an. Sage und schreibe 26 LKW-Ladungen Müll und Stallmist holte er allein aus einer Mulde neben dem Haus. Zum Vorschein kam eine seit langem verschüttete Quelle. "Ich glaube, die Feuersalamander hatten darauf nur gewartet", berichtet der pensionierte Landschaftsplaner, "gleich im nächsten Jahr haben wir in den Quelltümpeln Dutzende von Larven gefunden, und neuerdings ist auch die Geburtshelferkröte zugewandert. In den Frühlingsnächten hört man jetzt regelmäßig ihre glockenhellen Rufe."

DIE SPUREN DER GESCHICHTE WERDEN NICHT VERSTECKT

Heute beherbergt der Rolfsche Hof eine Umweltbildungsstätte und ist zugleich ein beliebter Lernstandort der Detmolder Schulen.
Heute beherbergt der Rolfsche Hof eine Umweltbildungsstätte und ist zugleich ein beliebter Lernstandort der Detmolder Schulen.
Für Wiesemann stand fest, dass der Rolfsche Hof, der das Ortsbild prägte, nicht beliebig "umgemodelt" werden sollte, auch wenn er keinen Denkmalschutz genoss. Ein Bauhistoriker, den er zurate zog, empfahl sogar, frühere stilfremde Umbauten nicht ganz zu verstecken. Nach und nach bekam das Haus ein neues Dach, die Fundamente und Außenwände wurden saniert, das Mauerwerk neu verfugt. Um die "innere Sicherheit" zu gewährleisten, zog man Stahlträger ein, erneuerte die Fußböden und isolierte die Wände. Heute präsentiert sich das Gebäude als geschichtsträchtiges Unikum, ein Bruchsteinbau aus Osning-Sandstein und Muschelkalk, geflickt mit mancher kriegsbedingter Backsteinnarbe.

DER GARTEN VON LINA ROLF

Die alte Grenzhecke, der "Hagen", umgibt noch immer das Gelände des Rolfschen Hofes.
Die alte Grenzhecke, der "Hagen", umgibt noch immer das Gelände des Rolfschen Hofes.
Die Detmolder Kinder und ihre Lehrer können sich gar nicht vorstellen, wie sie früher ohne den Rolfschen Hof ausgekommen sind. Mittlerweile waren 10.000 Schüler dort. Schon fünf Jahre vor der Eröffnung im Jahr 2005 empfing Umweltpädagoge Bernd Heinz die ersten Schulklassen und bot ihnen Kurse, Aktionen und Führungen an. "In den Anfangsjahren gab es halt nur draußen Unterricht – wer die Natur erleben will, nimmt auch nasse Füße in Kauf." Letztere gehören sowieso zum Programm. Zum Beispiel wenn es gilt, einen matschigen Waldboden barfuß zu erkunden. "Den Matsch zwischen ihren Zehen können die Kinder abwaschen, aber die Erfahrungen und das Gesehene bleiben haften", so könnte das Motto lauten. Inzwischen waren manche Lehrer schon mehrfach mit ihren Klassen da und sind begeistert, wie aufmerksam ihre Schüler sind. Was den Hof besonders anziehend macht, ist sein abwechslungsreiches und intaktes Umfeld, dazu ein bäuerlicher Garten, so wie der, in dem die alte Lina Rolf Gemüse und Kräuter gezogen hatte, eben ein unverwechselbares Stück Lippe.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 1/2008


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Die NRW-Stiftung unterstützte den NABU Kreisverband Lippe beim Ausbau des Rolfschen Hofes in Detmold-Berlebeck zu einer Naturschutzstation und Umweltbildungseinrichtung. Der Hof ist ein gut erhaltenes Beispiel für eine mittelalterliche Hagenhufensiedlung.

Googlemap aufrufenDer Rolfsche Hof befindet sich am Hahnbruchweg 5 in 32760 Detmold, Tel. (05231) 9810392 (Buslinie 701 von Detmold bis zur Haltestelle "Hotel Kanne" und "Adlerwarte" in Berlebeck).

www.rolfscher-hof.de
E-Mail: info@rolfscher-hof.de

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