MUSIK IN DER ALTEN ABTEI MARIENMÜNSTER

KLANGVOLLES KLOSTER

Bei der Instandsetzung des ehemaligen Ackerhauses unterstützte die NRW-Stiftung die Kulturstiftung Marienmünster.
Bei der Instandsetzung des ehemaligen Ackerhauses unterstützte die NRW-Stiftung die Kulturstiftung Marienmünster.
Als 1712 das "Ackerhaus" des Klosters Marienmünster errichtet wurde, da dachte niemand an einen musikalischen Paukenschlag. Das Gebäude diente zur Lagerung und zum Dreschen von Getreide. Später baute man es zu einem Schweinestall um. Vielleicht mischten sich in das Grunzen des Borstenviehs ab und zu ein paar Orgelklänge und Gesangsfetzen, die von der nahen Klosterkirche herüberwehten. Doch wer hätte ahnen können, dass auch in dem Stall selbst buchstäblich Musik steckte? Seit Herbst 2007 begeistert er das Publikum mit grandiosen Konzerten und erlesener Akustik.

Das Kloster Marienmünster bietet seinen Gästen viele architektonische Besonderheiten.  Neben dem Taubenturm aus dem 16. Jahrhundert gibt es alte Grabreliefs der Ritter von Schwalenberg.
Das Kloster Marienmünster bietet seinen Gästen viele architektonische Besonderheiten. Neben dem Taubenturm aus dem 16. Jahrhundert gibt es alte Grabreliefs der Ritter von Schwalenberg.
Der Name Marienmünster hat schon lange einen "guten Klang". Die Kirchenorgel von 1738 schuf immerhin der berühmte westfälische Orgelbauer Johann Patroklus Möller. Und auch eine "Gesellschaft der Musikfreunde der Abtei Marienmünster" gibt es, die seit 1993 regelmäßig Chor- und Orgelkonzerte veranstaltet. Doch durch die Rettung des vom Verfall bedrohten Ackerhauses ist nun noch so etwas wie ein kleines musikalisches Wunder hinzugekommen – eine Scheune als Konzertsaal für höchste Ansprüche. Gerade Musikprofis sind begeistert: Das für Produktionen in außergewöhnlicher Klangqualität bekannte Detmolder Musiklabel Dabringhaus und Grimm (MDG) nutzt den neuen Konzertsaal für CD-Aufnahmen und Livemitschnitte. Mehrere MDG-Künstler haben im Ackerhaus bereits Konzerte gegeben, darunter das insbesondere in den USA sehr erfolgreiche "Mozart Piano Quartett" oder die hoch gelobte Flötistin Andrea Lieberknecht.

Aus der alten Dreschtenne wurde ein Konzertsaal, in dem heute hochkarätige Veranstaltungen stattfinden. Der Steinway-Flügel, der dort steht, sammt aus dem Jahr 1901.
Aus der alten Dreschtenne wurde ein Konzertsaal, in dem heute hochkarätige Veranstaltungen stattfinden. Der Steinway-Flügel, der dort steht, sammt aus dem Jahr 1901.
Eine "phänomenale Publikumsresonanz" konstatierte die Presse den Ackerhaus-Konzerten. Für die "Kulturstiftung Marienmünster" liegt darin eine erfreuliche Bestätigung, wurde sie im Jahr 2006 doch eigens gegründet, um die Klosteranlage zu erhalten und hier eine überregionale Begegnungs- und Bildungsstätte mit musikalischem Schwerpunkt zu schaffen. Unterstützung leistet dabei neben dem Heimat- und Verkehrsverein sowie den schon erwähnten "Musikfreunden" auch der Förderverein der Kulturstiftung mit seinen rund 250 Mitgliedern. Und auch Benefizkonzerte finden statt: Der in Marienmünster lebende Sänger Georg Thauern – bekannt als Musicalstar in der Rolle Ludwigs II. – trat im Dezember 2007 sogar gleich zweimal zugunsten der Stiftung auf.

Das Ackerhaus eignet sich nicht nur für Konzerte. Hier fand auch schon die Verleihung des "Bürgerpreises 2007" für herausragendes ehrenamtliches Engagement im Kreis Höxter statt. Es mag bei all dem etwas kurios anmuten, dass ausgerechnet die Vergangenheit des Gebäudes als Schweinestall einen Glücksfall für das neue Nutzungskonzept darstellte. Weil es deshalb keine Innenwände mehr gab, konnte der große Saal eingefügt werden, ohne schützenswerte Bausubstanz zu opfern. Dem Ackerhaus benachbart sind zwei weitere alte Wirtschaftsgebäude, ein Schafstall von 1726 und der ebenfalls 1712 erbaute "Reisestall", in dem früher die Pferde untergebracht wurden. Hier entstehen weitere Veranstaltungs-, Empfangs-, Büro- und Restaurationsräume. Fertig gestellt ist bereits ein gläserner Verbindungstrakt zwischen Ackerhaus und Reisestall, der u. a. die notwendige Technik für Konzertmitschnitte beherbergt. Nicht zuletzt diese Technik wird dazu beitragen, die alte Scheune des Klosters Marienmünster weit über Nordrhein-Westfalen hinaus bekannt zu machen. Der erste Schritt dazu ist längst getan: Das Konzert, das das "Beethoven Quartett" Anfang 2008 im Ackerhaus gab, wurde live in die Türkei übertragen.

MARIENMÜNSTER FÜR ENTDECKER

Die Klosteranlage Marienmünster. Teile der Anlage dienen heute als Begegnungs-, Bildungs- und Kulturzentrum.
Die Klosteranlage Marienmünster. Teile der Anlage dienen heute als Begegnungs-, Bildungs- und Kulturzentrum.
Die Initiative der Kulturstiftung Marienmünster ermöglicht es, eine historische Klosteranlage zu bewahren, wie man sie in dieser Vollständigkeit und zudem in so reizvoller Lage nur noch selten findet. Die 1128 gegründete Benediktinerabtei Marienmünster wurde zwar 1803 als Kloster aufgehoben, doch seitdem hat sich am Baubestand kaum etwas geändert – sogar die alte Mauer, die das Gelände umschließt, ist mitsamt dem prachtvollen barocken Einfahrttor noch fast vollständig erhalten. In Marienmünster gibt es überall etwas zu entdecken – sei es das eigenartig verspielte schmiedeeiserne Chorgitter mit farbigen Ornamenten, Vogelfiguren und Gesichtern aus dem Jahr 1693. Oder den Taubenturm aus dem 16. Jahrhundert, der wie der verkleinerte Bergfried einer alten Ritterburg aussieht. Nicht versäumen sollte man auch die Grabreliefs der Ritter von Schwalenberg aus dem 13. Jahrhundert – schließlich war es ihr Geschlecht, das das Kloster einst gründete. Wer mag, kann sich bei Kaffee und Kuchen im 1732 erbauten Klosterkrug erholen.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 1/2008


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Die NRW-Stiftung unterstützte die Kulturstiftung Marienmünster bei der Instandsetzung des ehemaligen Ackerhauses von Kloster Marienmünster. Teile der Klosteranlage werden heute als Begegnungs-, Bildungs- und Kulturzentrum genutzt.

Googlemap aufrufenAdresse:
Abtei 1
37696 Marienmünster

Weitere Informationen unter www.marienmuenster.de

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