KREUZWEG AUF DEM KALVARIENBERG BEI ALENDORF

WILLKOMMEN ZUM BETEN UND BOTANISIEREN

In katholischen Landstrichen wurden früher Kalvarienberge geschaffen, indem man den Weg auf einem Hügel mit Darstellungen der Kreuzigung Christi ausstattete.
In katholischen Landstrichen wurden früher Kalvarienberge geschaffen, indem man den Weg auf einem Hügel mit Darstellungen der Kreuzigung Christi ausstattete.
Salentin Ernst von Manderscheid-Blankenheim ist in der Eifel noch heute beliebt. Der 1630 "hoch- und wohlgeborene" Graf garantierte seinen Untertanen Religionsfreiheit, setzte sich für regelmäßigen Schulunterricht ein und förderte die Wirtschaft. Obwohl die Menschen dank seiner Wohltaten nicht hungern mussten, hätte ihr Geld doch nie für eine Pilgerreise ins Heilige Land gereicht. Also ließ der fromme Fürst die Passion Jesu in Alendorf aufstellen – in Gestalt von sieben Sandsteinkreuzen entlang eines Pfades, der auf eine Bergkuppe führt.

Aus der Entfernung ist nur das Gipfelkreuz zu sehen, denn die Hänge des Kalvarienbergs sind von unzähligen schlanken Wacholderbüschen übersät. Die Vegetation erinnert manche Besucher an die Lüneburger Heide, einige schwärmen sogar von der "Eifel-Toskana". In einem Punkt sind sich Bewohner und Besucher aber einig: Der 524 Meter hohe Kalvarienberg ist ein Ort, an dem man dem Himmel ganz nah ist, nicht nur bei den Prozessionen in der Karwoche. Der Naturpark Nordeifel hat dort einen seiner spektakulärsten "Eifel-Blicke" eingerichtet. Von hier aus reicht die Rundumsicht bis zur 23 Kilometer entfernten Nürburg.

"... da rechts hinten ist die Nürburg!": Eine Tafel auf der Bergspitze erklärt das Eifel-Panorama (Mitte).
"... da rechts hinten ist die Nürburg!": Eine Tafel auf der Bergspitze erklärt das Eifel-Panorama (Mitte).
Der Weg auf den Berg beginnt am nördlichen Dorfende und verknüpft das Baudenkmal der ehemaligen Pfarrkirche Sankt Agatha mit der pittoresken Landschaftsszenerie. An Hecken und Bäumen vorbei geht es sanft bergan durch bunte Kalkmagerrasen. Auf der Bergkuppe, von der man in der Ferne die Nürburg und die Hohe Acht erkennt, endete der Weg früher bei einer Kapelle. Sie wurde nach ihrem Abriss durch ein Kreuz ersetzt.

GLOCKEN, DIE MAN NICHT HÖREN KANN

Im Frühjahr sind sie nicht zu übersehen: Kuhschellen in Blüte.
Im Frühjahr sind sie nicht zu übersehen: Kuhschellen in Blüte.
Kein Wunder also, dass Alendorf mit seinen Hügeln und Hängen das ganze Jahr über ein wahres Pilgerziel ist, obwohl nach Ostern eine andere Passion die Menschen dorthin führt. Ortsvorsteherin Martina Schmidt weiß dem möglichen Missverständnis vorzubeugen: "Wenn Sie hier Leute sehen, die mit gesenktem Blick gehen oder plötzlich auf die Knie fallen, dann beten die nicht – die halten Ausschau nach seltenen Pflanzen oder fotografieren Schmetterlinge!" Die gebürtige Alendorferin hat recht. Viele Besucher kommen tatsächlich wegen der artenreichen Magerrasen, auf denen vom späten Frühjahr an Orchideen wie Händelwurz, Zweiblatt und Brand-Knabenkraut prangen. Die Glocken, die die Herzen der Gäste höher schlagen lassen, heißen Kuhschelle und Knäuel-Glockenblume. Wegen ihrer ungewöhnlich vielfältigen Lebensgemeinschaften mit zahlreichen gefährdeten Pflanzen- und Tierarten stehen die Hänge seit 1977 unter Naturschutz. Sie gehören zum Naturschutzgebiet Lampertstal, dem größten Schutzgebiet in der Kalkeifel.

WACHOLDER AM HANG, AUF DEM TELLER UND IM GLAS

Bewohner und Besucher sind sich einig: Auf dem 524 Meter hohen Kalvarienberg ist man dem Himmel ganz nah.
Bewohner und Besucher sind sich einig: Auf dem 524 Meter hohen Kalvarienberg ist man dem Himmel ganz nah.
Die Häufigkeit und der säulenartige Wuchs des Wacholders sind übrigens Folge der traditionellen Beweidung mit Schafen. Die Tiere fressen am liebsten Gräser und Stauden. Auch Laubsträucher wie Schlehe und Hasel, die in den Magerrasen Wurzeln schlagen wollen, werden von ihnen abgezupft.

Dagegen knabbern die Landschafe vom harzig schmeckenden Wacholder mit seinen piksigen Nadeln nur die zarten Jungtriebe und trimmen die dunklen Bäumchen so immer wieder in Form. Wo sich die Gehölze zu dicht zusammenschließen und lichtbedürftige Arten nicht genug Sonne haben, werden sie von Menschenhand ausgedünnt. Früher holten die Bauern den Wacholder gleich karrenweise von den Hängen und benutzten ihn zum Räuchern von Schinken. Im kleinen Maßstab wird diese Tradition seit einigen Jahren wieder belebt. Gelegenheit zum Probieren des Wacholderschinkens bietet das Alendorfer Wacholderfest, das jedes Jahr am zweiten August-Wochenende stattfindet. Mit Wacholder gewürztes Sauerkraut und Wacholderschnaps dürfen dabei nicht fehlen. Am besten schmecken solche Eifel-Köstlichkeiten natürlich, wenn man sie als Stärkung nach einer botanischen Exkursion durch die Magerrasen genießt, die zu dieser Jahreszeit der wild wachsende Deutsche Enzian schmückt.

WAS IST EIN KALVARIENBERG?

Einer der spektakulärsten "Eifel-Blicke": Die Rundumsicht reicht bis zur 23 Kilometer entfernten Nürburg.
Einer der spektakulärsten "Eifel-Blicke": Die Rundumsicht reicht bis zur 23 Kilometer entfernten Nürburg.
Das lateinische Wort calvariae bedeutet wie das griechische Wort golgatha Schädelstätte und bezieht sich auf den Hinrichtungsort Christi vor den Toren Jerusalems. In katholischen Landstrichen, besonders in der Nähe von Wallfahrtsorten, wurden früher Kalvarienberge geschaffen, indem man den Weg auf einen Hügel mit sieben oder mit vierzehn Darstellungen der Kreuzigung Christi ausstattete. Die Gläubigen schreiten den Weg betend ab, meist im Rahmen von Prozessionen während der vorösterlichen Fastenzeit. Oft befindet sich die letzte Station, die Kreuzigungsgruppe, in oder an einer Kapelle auf der Bergkuppe. Kalvarienberge entstanden in Deutschland besonders in der Zeit des Barocks.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 3/2007


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Auf Anregung des Heimatvereins Blankenheim unterstützte die NRW-Stiftung die Instandsetzungsarbeiten des 350 Jahre alten Kreuzweges am Alendorfer Kalvarienberg. Der Kalvarienberg und das Lampertstal sind aufgrund ihrer einzigartigen Landschaft mit den größten zusammenhängenden Wacholdervorkommen Nordrhein-Westfalens ein beliebtes Ausflugsziel.

Weitere Informationen unter www.eifel-blicke.de

E-Mail: info@naturpark-eifel.de

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