HECKENWEG IN HÖFEN BEI MONSCHAU

HECKEN, HOCH WIE HÄUSER

Ab durch die Hecke: Seit Jahrhunderten prägen Windschutzhecken die Ortsbilder im Monschauer Heckenland.
Ab durch die Hecke: Seit Jahrhunderten prägen Windschutzhecken die Ortsbilder im Monschauer Heckenland.
Wer von Rhein oder Ruhr kommt und zum Hohen Venn fährt, merkt schon an der Zahl der Windkraftanlagen, dass "Flaute" hier oben ein Fremdwort ist. Doch man muss sich den Kopf nicht nach den Rotoren verrenken. Die eindrucksvollen Hecken in den Venndörfern machen einem auch sofort klar, woher der Wind weht: West bis Südwest. Viele alte Häuser ducken sich hinter diesen lebenden Windschutzwänden, die so hoch sind, dass nur der First zu sehen ist. Im Monschauer Orts teil Höfen führt jetzt ein "Heckenweg" zu besonders schönen Beispielen denkmalswerter Haus- und Flurhecken.

Seit Jahrhunderten prägen Windschutzhecken die Ortsbilder und Fluren im Monschauer Heckenland und sind damit ein echtes Markenzeichen. Sie begrenzen die Viehweiden oder stehen in den Straßendörfern dicht vor den Häusern – so dicht, dass kein Sonnenstrahl in die Zimmer fiele, hätten die Bewohner nicht hier und da Fenster in die Hecken geschnitten. Das ist allerdings erst seit dem vorigen Jahrhundert üblich. Kälteschutz war früher wichtiger als Fernsicht. So besaßen die alten strohgedeckten Häuser ohnehin nur kleine Fenster und tief heruntergezogene Schleppdächer.

DIE HECKE IM ORTSWAPPEN

Hecke und Vennhaus an der Höfener Hauptstraße 97.
Hecke und Vennhaus an der Höfener Hauptstraße 97.
Die Hecken am Vennrand sind einzigartig – und sie bestehen alle aus einer Baumart: Rotbuche. Das raue Klima der Westeifel schließt anspruchsvollere Gehölze praktisch aus. In Reihe gepflanzt, von klein auf beschnitten und verflochten wachsen die Buchen nicht baumförmig, sondern zu eindrucksvollen grünen Mauern heran. Da sie im Herbst ihr trockenes braunes Laub nicht abwerfen, halten sie auch im Winter den kalten Wind, Schnee und Schlagregen ab. Trotz Sturm sind sie standfest. Das Geheimnis einer guten "Haltungsnote" sind lange elastische Holzstangen. Doch das Korsett aus miteinander verbundenen Latten bleibt unsichtbar. Es versteckt sich unter ihrem grünen Kleid. "Ohne die Hecke hätte ich nicht so einen schönen Garten", erklärt Hilde Ibba, die im Schutz einer über acht Meter hohen Blätterwand ein kleines Paradies hegt. "Außerdem hat unser Haus ein Reetdach, da ist die Hecke eine zusätzliche Sturmversicherung." Von 160 Höfener Hecken ist die der Familie Ibba in der Weiherstraße eine der schönsten. Der Aufwand für die Pflege ist hoch, doch in Höfen, dem Ort, der die Buchenhecke im Wappen führt, ist die Heckenpflege quasi das elfte Gebot: "Dafür muss man jedes Jahr etwa drei Tage einplanen und schwindelfrei sein. Aus Sicherheitsgründen leihen wir uns jetzt aber eine Hebebühne."

DIE HECKE WÄRMT ZWEIMAL

Holzlatten im Innern versteifen die grüne Wand.
Holzlatten im Innern versteifen die grüne Wand.
Für manche Besucher haben die Hecken eine genauso große Anziehungskraft wie die Narzissenwiesen im benachbarten Perlenbachtal. Wanderer bleiben oft staunend stehen. Wer dagegen nur kurz aus dem Auto springt, an der Hauptstraße ein Foto schießt und wieder abrauscht, ahnt nicht, was ihm entgeht. Um solche "Hecken schützen" zu einem Spaziergang zu bewegen, haben die Höfener zusammen mit dem Naturpark Nordeifel einen Weg ausgewiesen. Wahlweise führt er über eine leichte Strecke nur durch den Ort (3 Kilometer) und ist dort auch für Menschen mit Behinderung, ältere Menschen und Familien geeignet, oder zusätzlich durch die umgebende Weidelandschaft (5 Kilometer). Ein Faltblatt erläutert Geschichte, Funktion und Pflege der verschiedenen Heckentypen. So stammen die geradlinig angelegten Hecken im Weideland aus den Zeiten, als es Stachel- oder Elektrodraht noch nicht gab. Man pflanzte und flocht die Buchen so dicht, dass das Vieh nicht aus brechen konnte. Außerdem lieferten die Heckenbäume Brennstoff. Etwa im Abstand von vier bis zehn Metern ließ man einzelne Stämme nach oben durchwachsen. Da die Kronen der "Durchwachser" vom Wind gezaust oder geschoren sind, wirken sie manchmal wie endlose Reihen riesiger Besen. Über dem Heckenniveau austreibende Seitenäste wurden dann alle paar Jahre dicht am Stamm abgesägt und verfeuert. Auf den nachwachsenden Brenn stoff besannen sich auch die Höfener, denn die Heizperiode kann hier von September bis Juni dauern. Die Hecke wärmt also zweimal – als Windschutz vor dem Haus und im knisternden Herdfeuer.

VON HOLZSATTLERN UND RECHENMACHERN

Auch im Monschauer Heckenland gab es alte Handwerksberufe, die mit den Flurhecken verbunden waren. So brauchte man früher speziell gebogenes Holz für die Herstellung von "Hamen", den Zuggeschirren der Pferde und Ochsen. Es stammte von Buchen, die man im ganz jungen Zustand heruntergebunden hatte. Durch jahrelanges Dickenwachstum eines wieder zum Licht gewandten Astes entstand die gewünschte Bogenform. Die Hamenmacher kauften gezielt die entsprechend krumm gewachsenen Stämme aus den Buchenhecken.
Auch Rechenmacher nutzten das junge Holz aus den Flurhecken: Sie fertigten daraus Stiele für Sensen und Schaufeln sowie große Holzgabeln und Rechen. Ob für Heu, Getreide oder Laub, jeder Rechen hatte seine eigene Länge und Winkelung. Länge, Zahl und Abstand der Zähne waren für den Gebrauchswert entscheidend. Gute Rechenmacher hatten deshalb viel Zulauf.


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Die NRW-Stiftung unterstützte auf Initiative des Naturparks Nordeifel e.V. die Anlage des "Höfener Heckenweges", auf dem im Ortsteil Monschau-Höfen mit
Informationstafeln und einem Touren-Faltblatt ausführlich über diese einzigartigen Heckengebüsche informiert wird.
Weitere Informationen unter www.eifel-tipp.de , www.monschau.de , www.naturpark-eifel.de

Über den Naturpark Nordeifel e.V. werden Führungen angeboten.

Naturpark Nordeifel e.V.
im Deutsch-Belgischen Naturpark
Steinfelder Str. 8
D-53947 Nettersheim

Tel.: (02486) 911117
Fax.: (02486) 911116
Web:
www.naturpark-eifel.de
www.eifel-barrierefrei.de

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