HOPPECKETAL BEI BRILON

WINDRÖSCHEN AN BÄRLAUCHBETT

Wenn die Bäume im Frühling noch kein Laub tragen, wächst das gelbe Windröschen auf dem nährstoff-, basen- und kalkreichen Boden.
Wenn die Bäume im Frühling noch kein Laub tragen, wächst das gelbe Windröschen auf dem nährstoff-, basen- und kalkreichen Boden.
Das ist kein raffiniertes vegetarisches Rezept, sondern April-Alltag in einem Wiesental bei Brilon: Im Frühjahr, wenn die Erlen an der Hoppecke noch nicht voll belaubt sind, breitet sich unter den Bäumen ein lückiger Bärlauch-Teppich aus. Bevor die weißen Blütenkugeln des würzig duftenden Zwiebelgewächses erscheinen, werden seine hellgrünen Blattzungen von gelben und violetten Farbtupfen verziert. Es sind die Einzelblüten von Gelbem Windröschen und Wald-Goldstern, die mit den Blütentrauben des Hohlen Lerchensporns auf Insektenbesuch warten. Kaum ist der zarte Frühlingsflor verwelkt, entfalten sich die über kniehohen Blätter der Pestwurz. Ihre anfangs kompakten, bleichrötlichen Blütensprosse haben sich zu lockeren Fruchtständen verlängert, die wie zerrupfte Straußenfedern über das Blattwerk ragen.

Die seltene Teichfledermaus und das Große Mausohr überwintern in den aufgegebenen kleinen Bergwerken.
Die seltene Teichfledermaus und das Große Mausohr überwintern in den aufgegebenen kleinen Bergwerken.
Anfang Juni kehrt der Frühling noch einmal zurück: Dann öffnet die Mondviole im Halbschatten der Auenbäume ihre zartlila Kronblätter und verströmt bei Windstille einen köstlichen Veilchenduft. Dass sie am Rande des Hochsauerlandes in den halboffenen Bachauen wächst, ist ein untrügliches Zeichen für die Kühle und hohe Luftfeuchte des Standorts. Sie gilt sonst als typischer Besiedler von feucht-schattigen Schluchtwäldern. Die Kombination der Pflanzen verrät auch, dass die Böden reichlich kalkhaltiges Verwitterungsmaterial enthalten. Es bietet selbst anspruchsvollen Arten ideale Wuchsbedingungen.

Die Täler wurden traditionell extensiv bewirtschaftet. Das bedeutet, Wiesen wurden nicht oder nur schwach gedüngt, und auf die Weiden schickte man nur wenig Vieh. Die Folge: Das Hoppecketal entwickelte sich zu einem abwechslungs- und artenreichen Biotopmosaik, das im Abschnitt bei Gudenhagen besonders intakt und charakteristisch blieb. Die NRW-Stiftung sicherte deshalb im Jahr 1989 einen mehrere hundert Meter langen Talabschnitt durch Ankauf, und 2001 wurde das "Mittlere Hoppecketal" zusätzlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es umfasst insgesamt 46,6 Hektar Bachaue und ist Heimat vieler gefährdeter Pflanzen und Tiere.

Die Hinterlassenschaften des frühen Bergbaus sind nicht nur für Heimatkundler reizvoll: Viele Fledermäuse nisten sich hier ab Herbst ein.
Die Hinterlassenschaften des frühen Bergbaus sind nicht nur für Heimatkundler reizvoll: Viele Fledermäuse nisten sich hier ab Herbst ein.
Wäre die Stiftung nicht dem Kaufantrag des Vereins für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis gefolgt, wären heute von der naturnahen Bachaue und den blütenreichen Feuchtwiesen wahrscheinlich nur traurige Reste übrig, denn der frühere Eigentümer hatte bereits einen Antrag auf Umwandlung in Weihnachtsbaumkulturen gestellt. So gerne auch nordrhein-westfälische Familien Heiligabend in Gesellschaft einer Fichte oder Tanne verbringen, für die Produktion diese Bäume gibt es genügend andere Flächen als ausgerechnet die schönsten Wiesen der Mittelgebirgstäler!

Verlässt man den Talgrund Richtung Westen, passiert man zunächst die "Alte Hütte", ein frühes Zeugnis der sauerländischen Eisenindustrie. Spätestens seit der Mitte des 16. Jahrhunderts und wahrscheinlich bis 1840 wurde hier das Eisen geschmolzen, das Bergleute in der Umgebung gewannen. Alte Schürfgruben und die Meilerplätze, an denen die benötigte Holzkohle hergestellt wurde, findet man in den Wäldern ebenfalls noch. Nicht nur für Heimatkundler sind die Hinterlassenschaften des frühen Bergbaus reizvoll: In den aufgegebenen kleinen Bergwerken finden sich im Herbst viele Fledermäuse ein, um in den gleichmäßig temperierten Felshöhlen die kalte Jahreszeit zu verschlafen.

Mit ihren 46,6 Hektar ist die Bachaue Heimat vieler gefährdeter Pflanzen und Tiere.
Mit ihren 46,6 Hektar ist die Bachaue Heimat vieler gefährdeter Pflanzen und Tiere.
Die Schächte im Hoppecke- und Diemeltal sind besonders für die seltene Teichfledermaus und für das Große Mausohr attraktive Winterquartiere. Steigt man weiter auf, erreicht man schon nach einem Kilometer den Briloner Ortsteil Petersborn. Er liegt auf einer Hauptwasserscheide: Nach Westen zu münden die kleinen Bäche bald in die Ruhr und gehören damit zum Einzugsgebiet des Rheins, nach Osten fließt das Wasser über die Hoppecke und die Diemel zur Weser.


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Die NRW-Stiftung sicherte im Jahr 1989 einen mehrere hundert Meter langen Talabschnitt durch Ankauf und 2001 wurde das "Mittlere Hoppecketal" zusätzlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Googlemap aufrufenVerein für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerland e. V.

Geschäftsstelle: Voßwinkelerstraße 52
59757 Arnsberg - Voßwinkel
Tel.: 02932/24243

VNV - Station: im alten Kloster Bredelar / Sauerlandstraße 74a
34431 Marsberg
Tel.: 02991/908136

www.vnv-hsk.de/

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