KÖNIGSBACHAUE BEI BORKHAUSEN

DER ALLEINUNTERHALTER IM BRENNNESSELDICKICHT

Imitatoren haben leichtes Spiel. Jemand, der wie auf Knopfdruck fremde Stimmen nachmachen kann, dem sind die Sympathien des Publikums sicher. Wussten Sie, dass es solche Künstler auch unter den einheimischen Vögeln gibt? Beispielsweise den Sumpfrohrsänger. Das Stimmwunder meidet allerdings die Bühne – fast immer verbirgt sich der hellbraune, spatzengroße Vogel im Staudendickicht. Aber das ist nur ein Grund, weshalb der Virtuose wenig populär ist. Der andere: Da viele Leute die Stimmen der Vorbilder kaum kennen, können sie auch die Leistung des scheuen Doubles nicht würdigen. Sie merken deshalb meist überhaupt nicht, dass Rauchschwalbengezwitscher, Stieglitzgesang und Amselgezeter, die aus einem Brennnesselgebüsch ertönen, "Coverversionen" sind.

Dabei kann einen allein die Geschwindigkeit, mit welcher der Sumpfrohrsänger die fremden Strophen verbindet, in ungläubiges Staunen versetzen. Das quirlige Geschwätz ohne Punkt und Komma klingt, als würden sich die Bewohner eines ganzen Vogelparks unterhalten. Ein zweiminütiger Ausschnitt enthält fast alles, was die gefiederten Nachbarn der Umgebung an akustischen Vorbildern liefern. Manche Sumpfrohrsänger nehmen auch Vogelstimmen in ihrem afrikanischen Winterquartier auf und spielen sie bei uns ab. Bei solchen Mitbringseln sind dann auch gute Vogelstimmenkenner mit ihrem Latein am Ende.

Eigentlich müsste der Sumpfrohrsänger viel mehr Reiseandenken in seinen Gesang einstreuen. Denn fast drei Viertel des Jahres ist er auf Tournee im Süden, nach, in oder auf dem Rückflug aus Äquatorialafrika. Sein Gastspiel bei uns dauert nur gut drei Monate, er kommt im Mai und verlässt uns im August. Glücklicherweise ist er in unserem Land noch nicht in seinem Bestand gefährdet. Einer von vielen Orten, wo man seinem Repertoire lauschen kann, liegt südlich des lippischen Ortes Blomberg. In der Aue des Königsbaches, in den Hochstaudenfluren aus Mädesüß und Brennnessel ist er in seinem Element. Damit das so bleibt, hat die Kreisgruppe Lippe des NABU ein waches Auge auf das Gebiet und kümmert sich alljährlich um die Pflege der Bachaue.

Grund dafür waren die seit den 1970er-Jahren schleichenden Veränderungen in der Landschaft des Kreises Lippe. Grünland in den Bachniederungen war vielerorts entwässert und stärker gedüngt worden. Feuchtwiesen, die früher die Bäche begleitet hatten, wurden immer häufiger auf schmale Streifen zusammengedrängt und Bachröhrichte mit Gelber Schwertlilie, Igelkolben und Schlanksegge verschwanden aus manchen Abschnitten ganz. Damit schrumpfte auch der Lebensraum für Rohrammer und Sumpfrohrsänger. Bei Blomberg sahen sich die Mitglieder der Kreisgruppe Lippe des NABU deshalb schon vor 25 Jahren nach Feuchtwiesen und Bachabschnitten um, die noch einer großen Zahl von Pflanzen und Tieren gute Bedingungen boten.

Die Königsbachaue unmittelbar oberhalb der Mündung in die Diestel lag ihnen besonders am Herzen, denn dort, beim Ortsteil Borkhausen, war die Bachniederung mehr als nur ein schmaler Korridor. Die Feuchtwiesen weiten sich zu einer 7,5 Hektar großen Senke auf, eingefasst vom Königsbach auf der einen und einem alten Mühlengraben auf der anderen Seite. Dieser speist zwei Teiche, die für durchziehende Wasservögel einen attraktiven "Trittstein" bilden. Regelmäßig rasten dort Zwergtaucher, Krick- und Knäkenten, und gefährdete Amphibien setzen im flachen Wasser zwischen den Uferpflanzen ihren Laich ab.

Die Lipper NABU-Mitglieder hatten das Ziel, solche Parzellen zu kaufen oder zu pachten und damit für den Naturschutz zu erhalten. Inmitten einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Region wollten sie die Feuchtwiesen und Bachauen als Lebensadern für Fauna und Flora entwickeln. Anderenfalls hätte es leicht passieren können, dass das Idyll in ein gewerbliches Fischteichgelände umgestaltet worden wäre. Da ihre finanziellen Mittel begrenzt waren, baten sie die NRW-Stiftung um Hilfe. Ihr Antrag war überzeugend und so bewilligte die Stiftung das Geld für den Ankauf. Damit belohnte diese nicht nur das jahrelange, ehrenamtliche Engagement der Naturschützer, sondern sicherte auch einen wichtigen Baustein für ein regionales Biotopverbundsystem.

Welche Bedeutung und Qualität der Königsbach für die Kulturlandschaft des Lipper Landes besitzt, mag man daran ermessen, dass die Behörden inzwischen ein 208 Hektar großes Naturschutzgebiet "Talsystem des Königsbaches" ausgewiesen haben.


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Durch den Ankauf verschiedener Parzellen im Breich der Feuchtwiesen und Bachauen half die NRW-Stiftung dem NABU Lippe und sicherte einen wichtigen Baustein für ein regionales Biotopverbundsystem.

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Schloßstr. 18
32657 Lemgo
Telefon: 05261 - 25 02 47
Telefax: 05261 - 25 02 88
www.NABULippe.de

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