ROSBACHTAL BEI ROSBACH

EIN ORDEN FÜR DEN NIEDERWALD

 
 
Verliehen bekommt man das Braune Ordensband nicht, aber eine hohe Auszeichnung ist es dennoch. Jedenfalls ist der gleichnamige Nacht-Schmetterling dort, wo er noch vorkommt, stets ein Zeichen für die besondere Qualität seines Lebensraumes. Während Orden sonst eher gut sichtbar präsentiert werden, hält sich das Braune Ordensband bedeckt: Über seine lederbraunen Flügel ziehen sich wenige helle Linien, wie die Blattadern von trockenem Eichenlaub. Das ist kein Zufall. Das Ordensband liebt genau jene lichten Berghänge mit schwachwüchsigen Eichen, wo die nur langsam verrottenden Blätter vom Vorjahr den Boden bedecken und die Mittagswärme die Luft flimmern lässt.

Gefährdete Vogelarten wie der Eisvogel lassen sich im Rosbachtal beobachten.
Gefährdete Vogelarten wie der Eisvogel lassen sich im Rosbachtal beobachten.
Der in vielen Gegenden vom Aussterben bedrohte Falter ist nur eine von vielen Arten seltener Schmetterlinge, die genau diesen Biotoptyp zum Überleben brauchen. Der Braune Eichenzipfelfalter gehört dazu, das Kleine Eichenbärchen und der Eichen-Glasflügler. Der letztgenannte ist ein perfektes, aber völlig harmloses Wespen-Double und wie sein wehrhaftes Vorbild tagaktiv. Sie alle leben an einem Hang im Rosbachtal bei Windeck, einem Seitental der Sieg. Laubforste wie dieser mit einer artenreichen und speziell angepassten Tierwelt waren früher im Bergischen Land und an der Sieg weit verbreitet. Ihre eigenartige Struktur und ihr von anderen Wäldern abweichendes Mikroklima verdanken sie der früheren Nutzungsform, der Niederwald-Wirtschaft.

Was ist ein Niederwald?

Eichen-Niederwald im Rosbachtal.
Eichen-Niederwald im Rosbachtal.
Schon lange sind unsere Wälder keine unberührte Natur mehr. Seit jeher haben die Menschen dort Holz geholt. Wenn die Bäume nicht gerodet wurden, schlugen die Stümpfe wieder aus und bildeten nach wenigen Jahren oft einen ganzen Kranz neuer Stämmchen. Früher wurde dieser holzige Nachwuchs regelmäßig, etwa alle 15 bis 30 Jahre "auf den Stock gesetzt”, also bis auf die alte Stammbasis abgeschnitten. Das geerntete Knüppelholz wurde nach dem Trocknen verheizt oder in Meilern zu Holzkohle verarbeitet, denn die bergische Metallindustrie hatten einen kaum zu stillenden Hunger nach Brennstoff. Empfindliche Baumarten wie die Rotbuche vertrugen die wiederholte Abholzung nicht, ausschlagfähige wie Eichen und Birken wurden in den Niederwäldern dagegen gefördert. Die oft wiederholte Nutzung führte aber dazu, dass die Eichen strauchähnlich blieben, und genau für diese lückig stehenden Eichenbüsche "schwärmen" die genannten Schmetterlinge.

Auch das gefleckte Knabenkraut gedeiht hier.
Auch das gefleckte Knabenkraut gedeiht hier.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden die Niederwälder fast überall aufgegeben, da andere Energieträger billiger waren. Wo sie noch existieren, sind sie als Zeugnisse der traditionellen Waldnutzung ein erhaltenswertes Kulturerbe. Zugleich sind sie Lebensraum für licht- und wärmeliebende Tiere und Pflanzen, denen die normalen Wälder zu dunkel und zu feucht sind. Um dieses Erbe zumindest auf Teilflächen zu erhalten und den hier vorkommenden Arten das Überleben zu garantieren, kaufte die NRW-Stiftung im Rosbachtal zwei Waldparzellen mit einer Gesamtgröße von 20.000 Quadratmetern. Der Bergische Naturschutzverein kümmert sich vor Ort um die Betreuung und will sicherstellen, dass die Niederwaldwirtschaft auch in Zukunft fortgesetzt wird.

Was Ausflügler erwartet

Der Niederwald ist eine ideale Heimat für den Braunen Eichenzipfelfalter.
Der Niederwald ist eine ideale Heimat für den Braunen Eichenzipfelfalter.
Der Hang im Rosbachtal ist seit 1994 übrigens Teil eines 143 Hektar großen Naturschutzgebiets, welches beinahe das gesamte Talsystem umfasst und auch den benachbarten Juchtbach einschließt. Kein Wunder also, dass das "NSG Rosbachtal" mit vielen weiteren Naturschätzen aufwarten kann: intakten Bachauen, extensiv genutzten oder brach gefallenen Feuchtwiesen, Seggenrieder und feuchte Hochstaudenfluren. Auch aufgelassene Grauwacken-Steinbrüche, bunte Waldsäume, Heidereste und Quellsiefen tragen zur Vielfalt bei.

Noch ein Tipp: Wer das Rosbachtal besucht, sollte sich vorher über die aktuellen Öffnungszeiten des Bergwerks "Silberhardt" erkundigen, das an der Nordgrenze des Naturschutzgebiets bei Oettershagen liegt. Seit dem 13. Jahrhundert wurden hier Silber, Blei, Eisen, Zink und Kupfer abgebaut. Bis zu 400 Arbeiter schufteten zu seiner Blütezeit im Berg und in den Erzwäschen. Um 1925 wurde der Betrieb eingestellt, doch ein Heimatverein hat den Berg wieder "aufgeschlossen". Seitdem ist die Grube Silberhardt für interessierte Besucher geöffnet und ein Montanwanderweg führt zu den oberirdischen Spuren des historischen Erzbergbaus. Auch in diesem Projekt engagierte sich die NRW-Stiftung.


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NRW-Stiftung kaufte im Rosbachtal zwei Waldparzellen mit einer Gesamtgröße von 20.000 Quadratmetern, um das Naturerbe zumindest auf Teilflächen zu erhalten und den hier vorkommenden Arten das Überleben zu garantieren.

Windeck

Autoreisende: von der A3 oder der A59 über die A560 bis Abfahrt Hennef-Ost, weiter über Eitorf bis Windeck. Von der A45 über die A4 bis Abf. Reichshof-Waldbröl, weiter über die B256.

Bahnreisende: von Köln mit der S-Bahn Köln-Au (S12) oder RE9 Köln-Siegen.

Bergwerk "Silberhardt"
Verkehrsverein Windecker Ländchen e.V.
Rathausstr. 12
51570 Windeck-Rosbach
Tel. 02292/19433
Fax. 02292/601-294
Tourismus@Gemeinde-Windeck.de
www.grube-silberhardt.de

Ein Faltblatt über das Rosbachtal können Sie beim Rhein-Sieg-Kreis erhalten oder als
pdf herunterladen.

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