WULSENBERG BEI MARSBERG

STEINCHEN, DIE PLÖTZLICH WEGSPRINGEN

Geologische Vielfalt und abwechslungsreichen Vegetation: Das Naturschutzgebiet Wulsenberg hat viele Facetten.
Geologische Vielfalt und abwechslungsreichen Vegetation: Das Naturschutzgebiet Wulsenberg hat viele Facetten.
Lückige Magerrasen sind bei vielen Heuschrecken als Lebensraum sehr beliebt. Meist sieht ein Spaziergänger die Grashüpfer erst, wenn sie vor seinen Schritten davonspringen, denn mit ihren grünen und olivfarbenen "Deckmänteln" sind sie im Gewirr der Halme und Blätter kaum zu sehen. Dennoch wirkt ihre Schutzfarbe plump verglichen mit der fleckig braunen Tarnkappe der Dornschrecken. So lange diese Insekten reglos sitzen bleiben, sind sie auf einem Untergrund von Steinchen und Humus selbst aus wenigen Zentimetern Entfernung nicht auszumachen.

Mit über 40 Arten von Tagfaltern, Widderchen und Dickkopffaltern hat das Naturschutzgebiet eine der artenreichsten Schmetterlingsfaunen der Umgebung.
Mit über 40 Arten von Tagfaltern, Widderchen und Dickkopffaltern hat das Naturschutzgebiet eine der artenreichsten Schmetterlingsfaunen der Umgebung.
Ihr Name weist übrigens auf das verlängerte, dornartige Halsschild hin, das den ganzen Körper überragen kann. Zur Unauffälligkeit tragen noch zwei andere Eigenschaften bei: Dornschrecken gehören mit kaum einem Zentimeter Länge zu den kleinsten einheimischen Heuschrecken. Und während fast die gesamte heimische Verwandtschaft "musiziert", sind die Dornschrecken stumm. Um ein Weibchen zu werben, zucken die Winzlinge mit den Flügeln oder erzeugen mit den Beinen unhörbare Trommelwirbel auf federnden Unterlagen. Eine weitere Besonderheit: Selbst mitten im Winter sind von einigen Arten springlebendige, erwachsene Exemplare unterwegs.
Davon kann man sich am Wulsenberg bei Marsberg im Sauerland überzeugen, wo in den ausgedehnten Magerrasen gleich zwei Arten von ihnen vorkommen, die Langfühler- und die Zweipunkt-Dornschrecke.

Die Klimagunst im Windschatten des Rothaargebirges und der geologische Aufbau sind nur zwei Gründe für den Reichtum von Flora und Fauna.
Die Klimagunst im Windschatten des Rothaargebirges und der geologische Aufbau sind nur zwei Gründe für den Reichtum von Flora und Fauna.
Was den Wulsenberg von anderen Gebieten im Hochsauerlandkreis unterscheidet, ist die enge Nachbarschaft unterschiedlicher Gesteine, von porösem Zechsteinkalk bis zu Kieselschiefern aus dem Unterkarbon. Die geologische Vielfalt spiegelt sich in der abwechslungsreichen Vegetation wider. Über Kalkgestein wachsen blumenbunte, orchideenreiche Halbtrockenrasen, während die sauren Schieferböden von Zwergstrauchbeständen aus Besenheide und Drahtschmiele überzogen sind.
Bei Naturfreunden ist der Wulsenberg aber auch wegen seiner außerordentlich artenreichen Schmetterlingsfauna ein fester Begriff. Nachweise von über 40 Arten von Tagfaltern, Widderchen und Dickkopffaltern machen das Naturschutzgebiet zu einem der interessantesten im ganzen Hochsauerlandkreis.

Und was ist die Ursache der Fülle? Die Klimagunst im Windschatten des Rothaargebirges und der erwähnte geologische Aufbau sind nur zwei Gründe für den Reichtum von Flora und Fauna. Die wohl wichtigste Bedingung ist die über Jahrhunderte ausgeübte Hütehaltung mit Ziegen und Schafen. Sie öffnete die Landschaft und schuf ein vielfältiges Lebensraum-Mosaik. Der vierte Faktor lautet etwas sperrig "Biotopmanagementplan" und ist der jüngste Trumpf. Er wurde 1990 von den Mitarbeitern des Vereins für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis ausgespielt. In Verbindung mit dem regionalen Schutzkonzept hat dieser Pflegeplan entscheidend dazu beigetragen, dass jede Teilfläche des Gebiets genau die Nutzung oder Entwicklungsfreiheit bekommt, die für ihre optimale Entfaltung richtig ist.

Auch die über über Jahrhunderte ausgeübte Hütehaltung mit Ziegen und Schafen trägt zu der Vielfalt der Landschaft bei.
Auch die über über Jahrhunderte ausgeübte Hütehaltung mit Ziegen und Schafen trägt zu der Vielfalt der Landschaft bei.
Bevor der Verein mit seiner weitsichtigen Planung Erfolg hatte, gab es allerdings zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden. Für Kummer sorgten aufgegebene oder stark nachlassende Nutzung, Versuche von Privateigentümern, Teilflächen aufzuforsten, aber auch illegale Ablagerungen oder Düngereinfluss aus der Nachbarschaft. Mühsame Absprachen mit vielen unterschiedlichen Besitzern und Pächtern waren anfangs nötig. Hätten die Naturschützer der Entwicklung tatenlos zugesehen, wäre der Wulsenberg heute vermutlich von Brachegebüschen und Fichtenplantagen zugewachsen. Erst seit die wichtigsten Grundstücke mit Hilfe der NRW-Stiftung aufgekauft werden konnten, ließ sich eine naturschonende Pflege großflächig umsetzen.


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Mit Hilfe des Aufkaufs wichtiger Flächen durch die NRW-Stiftung kann sich am Wulsenberg um den Erhalt der Artenvielfalt in Fauna und Flora gekümmert werden. In Verbindung mit dem regionalen Schutzkonzept hat ein Pflegeplan des Vereins für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis entscheidend dazu beigetragen, dass jede Teilfläche des Gebiets genau die Nutzung oder Entwicklungsfreiheit bekommt, die für ihre optimale Entfaltung richtig ist.

Googlemap aufrufenVerein für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerland e. V.

Geschäftsstelle: Voßwinkelerstraße 52
59757 Arnsberg - Voßwinkel
Tel.: 02932/24243

VNV - Station: im alten Kloster Bredelar / Sauerlandstraße 74a
34431 Marsberg
Tel.: 02991/908136

www.vnv-hsk.de/
E-Mail: mail@vnv-hsk.de

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